Germanistische Sprachwissenschaft
10 Verben und Verbalkomplexe
Aufgabe 32 (Wissen in Frage und Antwort)
Den Formen des Indikativs stehen die des Konjunktivs gegenüber.
- a) Wie werden die Formen des Konjunktiv gebildet?
Die Formen des Konjunktiv I und II werden abgeleitet von temporalen Indikativformen: Präsensstamm: K I, Präteritumstamm: K II; die Endungen sind teilweise anders als die des Indikativs, z. B.: er gebe (K I) zu er gibt (Indik. Präs.), bei den starken Verben oft deutlich abgehoben: Ich / er sei zu Ich bin / er ist.
- b) Warum unterscheidet man statt der temporalen Gliederung beim Indikativ hier Konjunktiv I und II?
Die beiden Konjunktivteilsysteme als Konjunktiv Präsens vs. Präteritum zu bezeichnen, war früher üblich, ist aber grammatisch und semantisch nicht sinnvoll, da der Konjunktiv keine dem Indikativ entsprechende temporale Gliederung aufweist.
- c) Welchen sprachlichen Zwecken dient das deutsche Konjunktivsystem?
Konjunktivformen ermöglichen die Wiedergabe von Gedachtem (was sein könnte oder hätte sein können) durch K II oder die Wiedergabe von Gesagtem: schriftsprachlich mit K I. Die analytischen Formen nutzen die Aspektqualität des Partizips II (resultativ) für Aussagen über Vergangenes, aber die finiten Verbformen wäre / hätte haben keine deiktische Qualität wie (ich) hatte / war.
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