5.3.1 Semiotik seit Charles S. Peirce
5.3.2 Saussures Zeichenmodell und seine Weiterentwicklung
5.3.3 Die Sprache als Werkzeug
5.5 Individuelle Wortschätze und Sprachenlernen
Seit Ende des 19. Jh. ist Semantik die Bezeichnung für eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich unter systematischen und sprachhistorischen Gesichtspunkten mit sprachlicher Bedeutung befasst. Der Semantik geht es um die Natur von Bedeutung generell und um die Beschreibung und Analyse einzelner sprachlicher Bedeutungen, sowohl von Wörtern und Wortteilen (Morphemen) wie auch von größeren sprachlichen Einheiten. Dafür nutzt sie allgemeinere Strukturen im Wortschatz einer Sprache und erforscht Beziehungen zwischen Wortbedeutungen. Ein Teil der Semantik arbeitet mit dem strukturalistischen Bedeutungsbegriff (vgl. Kap. 5.3.1), mit der Weiterentwicklung von Greimas (1966), der den Begriff Sem für das kleinste Bedeutungsmerkmal einführte. Ein anderer Teil der Semantik ist kognitiv ausgerichtet (vgl. Kap. 3.4 und Löbner 2015, S. 301 ff.) und fokussiert stärker das Bedeutungswissen. Zum anderen entwickeln Sprechakttheorie und Pragmatik seit den 1980er Jahren Bedeutungsbeschreibungen ausgehend von der sprachlichen Äußerung und ihren kommunikativen Funktionen (vgl. Kap. 15).
Im Folgenden sollen zunächst wichtige Begriffe, die sowohl gemeinsprachlich wie auch linguistisch in Gebrauch sind, vergleichend geklärt werden: Wort – Ausdruck – Symbol. In diesem Zusammenhang wird auch die linguistische Kategorie „Zeichen“ von ihrer philosophischen Tradition her skizziert, wobei zu klären ist, was allgemein ein sprachlicher Begriff ist. Semantische Beziehungen, Merkmale und Konzepte werden detaillierter in Kap. 6 dargestellt.
Das Wort ist die von den Sprechern hauptsächlich wahrgenommene Grundeinheit der Sprache und der Rede. Seitdem die strukturalistische Sprachtheorie das Sprachsystem in ‚Strukturebenen‘ (Laute – Morpheme – Lexeme – Sätze) aufgeteilt hat, wird der Wortbegriff oft wegen seiner unklaren Zuordnung zu dieser Einteilung kritisiert (s. Kap. 7). Linguisten und Sprachpsychologen können aber nicht auf ihn verzichten (vgl. Knobloch 1984, S. 143 ff.), denn die Sprecher „arbeiten“ in der Kommunikation mit mehr oder weniger komplex aufgebauten Wörtern. Ihr Sprachwissen ist wortbasiert.
Jedes vorkommende Wort ist nach seiner äußeren, wahrnehmbaren Seite hin ein konkreter Ausdruck (lautlich oder schriftlich). In dieser materiellen Form gehört es nicht zum Sprachsystem, sondern zu bestimmten Äußerungen. Andererseits ist, so sieht es Saussure, die Ausdrucksseite sprachlicher Zeichen als Teil des Systems festgelegt (s.u.). Wie die Geschichte der Orthographie zeigt, ist besonders der schriftliche Ausdruck der Wörter einerseits wesentlich für ihre Identität, andererseits änderbar, er kann z. B. durch Reformen geändert werden.
Wenn Wörter als Symbol oder als symbolisch bezeichnet werden, bezieht sich das auf ihren Inhalt, ihre Bedeutung. Vom Altgriechischen her ist das symbolon ein Erkennungszeichen, womit ganz Unterschiedliches gemeint sein kann: die Taube als Friedenssymbol, eine Reiterstatue als früher übliches Symbol militärischer Macht oder ein heutiges Firmenlogo.[ 1 ] Die herkömmliche Definition eines Symbols dadurch, dass es „für etwas steht“, wurde auch auf Wörter, Mimik, Gestik und viele andere kulturell bestimmte Zeichen übertragen. An der symbolischen Natur des Wortes, also an seinem Wert für die Darstellung äußerer und innerer Welt, knüpft auch der Zeichenbegriff an.
Die ältere, logisch ausgerichtete Semantik legte Wert auf die beiden Begriffe Denotation und Konnotation. Denotation sieht auch die heutige Semantik bei sprachlichen Begriffen. Damit meint sie zum einen die Wortbedeutung (das Konzept, die Kategorie), zum anderen die Extension des Begriffs, also idealiter alle Objekte der (gedachten oder fiktiven) Realität, auf die diese Bedeutungsbeschreibung passt (Löbner 2015, S. 28). Davon zu trennen sind die Assoziationen, die ein Wort regelmäßig oder in einer bestimmten sozialen Gruppe hervorruft. Früher wurde Konnotation als sekundäre oder Nebenbedeutung erklärt. Das wird aber der lockeren und kulturgebundenen Verbindung mit der Wortbedeutung nicht gut gerecht. Andere versuchen, Konnotation als emotional besetzte positive oder negative Bewertung zu erklären. Dem klassischen Verständnis nach ist aber nicht die Bewertung selbst eine Konnotation, nur das evtl. zugrundegelegte Attribut der Sache. Konnotationen im sozialen Bereich sind etwa die Eigenschaften, die z. B. die Anhänger der Tea-Party-Bewegung den Mitgliedern von Gemeinschaften nicht-weißer Hautfarbe in den USA zuschreiben, um Ablehnung oder Verachtung zu begründen.
Schon lange vor der linguistischen Semantik waren sprachliche Zeichen und ihre Bedeutungen ein wichtiges Thema der Sprachphilosophie. Bereits die platonische Philosophie hatte sich mit dem Wesen von Zeichen im Hinblick auf das Denken beschäftigt. Der klassische Philosoph Georg W. F. Hegel spricht 1830 darüber, wie das sprachliche Zeichen aus der Tätigkeit des menschlichen Geistes entsteht und dem Denken Form und Klarheit gibt.[ 2 ] Mit dem Zeichen verfügt das Denken über „Namen“ symbolischer Art:
„Der Name ist so die Sache, wie sie im Reiche der Vorstellung vorhanden ist und Gültigkeit hat. Das (reproduzierende) Gedächtnis hat und erkennt im Namen die Sache und mit der Sache den Namen.“ – „So werden die Worte zu einem vom Gedanken belebten Dasein. Dies Dasein ist unseren Gedanken notwendig. Wir wissen von unseren Gedanken nur dann, wenn wir ihnen die Form der Gegenständlichkeit (…) geben.“ (§ 462)
Namen verstehen wir heute als Eigennamen von Personen oder als geographische Namen von Städten, Ländern, Flüssen, Planeten etc. Namen stehen, logisch betrachtet, für Individuen, die der Hörer kennen muss, um sie zu identifizieren. Bei Hegel sind Namen aber auch begriffliche Symbole, benennende Zeichen, die in der späteren Schulgrammatik als Gattungsnamen auftauchen. Die Bedeutung solcher Wörter ist mit Sachwissen verbunden, und das gilt allgemein für Begriffe. Jeder begriffliche Ausdruck ist eine einfache Zusammenfassung bestimmter Wissenselemente bezüglich der Merkmale des Gegenstandes.
Nehmen wir als Beispiel einen Begriff aus dem sozialen Leben, nämlich Kind. Was ein Kind ist, lernt jeder zunächst aus eigener Erfahrung. Zugleich ist das Wort aber Träger einer festen, überindividuellen Vorstellung. Die von den Sprechern geteilte Vorstellung von Kind ist dadurch ein Begriff, dass sie bestimmte gemeinsame Merkmale festhält, Typisches oder Wesentliches. Bei dem Beispielwort Kind ist das Abstammungsverhältnis zu Eltern sowie der körperliche und geistige Entwicklungsstand wesentlich. Darüber hinaus kennen wir die Kindheit auch als eine soziale Tatsache, die stark von Ökonomie und Kultur abhängt, z. B. in der Frage, ob Kinder wie Erwachsene arbeiten können und sollen. Das gehört zu der kollektiven Bedeutung, die von der Sprachgemeinschaft entwickelt wurde, und ändert sich nicht mit den Erfahrungen jedes einzelnen Sprechers. Im Kern wird also die Begriffsbedeutung von den Sprechern geteilt. Bei den ersten Verwendungen des Worts werden solche Wissenselemente noch unklar sein, auch die Abgrenzung gegen andere Begriffe wie „Jugendlicher“ wird erst später gelernt. Der Sprachpsychologe Knobloch macht darauf aufmerksam, dass man die Begriffsbedeutung (bei ihm „Symbolbedeutung“) und das auf den Gegenstand bezogene Sachwissen nicht gleichsetzen kann (1984, S. 147):
„Die Symbolbedeutung ist eben das Merkmal des Wortes, mit dessen Hilfe es den Zugang zu Gegenständen, Sachverhalten und Wissensbeständen zu organisieren vermag.“
So eröffnet das Kennenlernen eines Begriffswortes die Aufnahme von Sachwissen. Mit dieser Feststellung kann er sich auf Studien des russischen Sprachpsychologen Vygotskij berufen. Dabei ging es um die individuelle Begriffsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen, die die Grundlage für Bildung und Wissensvermittlung ist.[ 3 ] Ein wichtiges Ergebnis war, dass ein Kind oder Jugendlicher nach der Aneignung eines Begriffswortes häufig noch längere Zeit den Begriff nur unvollständig oder z. T. falsch kennt; er verfügt dann über einen „Pseudobegriff“ (a.a.O., S. 397).[ 4 ]
Halten wir fest: Sprachlaute eignen sich zum Festhalten, zur ‚Verkörperung‘ einfacher und komplexer Vorstellungen in einer Wortbedeutung. Jedes Lautgebilde ist als feste, physikalisch-akustisch wahrnehmbare Lautfolge eine Art ‚Hülle‘ für die damit verbundene Bedeutung und so eine Stütze für das Gedächtnis.
Vom Begriff als Bestandteil des Sprachwissens unterscheidet die Semantik seine lexikalische Form und seinen konkreten Gebrauch als „Inhaltswort“ durch die Sprecher. Diese Beziehung wird gern in Form eines Dreiecks dargestellt, das als „semiotisches Dreieck“ bekannt wurde. Sebastian Löbner (2015, S. 29) präsentiert es so (Abb. 1):
Abb. 1: Das semiotische Dreieck für den korrekten Gebrauch eines Inhaltswortes

Damit trägt man der Tatsache Rechnung, dass ein Wort erst durch seinen Bezug auf die Realität eine konkrete Bedeutung erhält, also eigentlich erst durch seine Verwendung in der Kommunikation zwischen einem Sprecher und einem Hörer, oft im Rahmen einer Sprechsituation. Mit dem Begriff Referenz erfasst man diese Bezugnahme auf Personen, Objekte oder Zustände. Verschiedene grammatische Phänomene ergeben sich aus der Notwendigkeit, dem Hörer den referierenden Bezug, das jeweils Gemeinte, klar zu machen, im Deutschen z. B. durch einen bestimmten Artikel (vgl. Kap. 9). Von daher ist es möglich und manchmal sinnvoll, die (allgemeinere) Bedeutung eines Satzes von der Äußerungsbedeutung zu unterscheiden.
Die Semiotik entstand im 19. Jh., noch vor der Etablierung eines Fachs Semantik, als zunächst philosophische Richtung. Die Natur der Zeichen erschien als ein spannendes Thema. Während Saussure eine „Semiologie“ anregte [ 5 ], die sich mit den bedeutungstragenden Einheiten der Sprache befasst, entwarf der Sprachphilosoph Charles S. Peirce um 1900 Grundzüge einer kulturellen Zeichentheorie, die die allgemeinen Eigenschaften von Zeichen und Zeichensystemen jeder Art zum Thema haben sollte. Zeichen gelten hier als „Mittel der Sinnkonstitution und Sinnzirkulation“.[ 6 ] Peirce unterschied drei verschiedene Typen von Zeichen, die auch für die heutige Semiotik relevant sind, nämlich „Ikon“, „Index“ und „Symbol“. Ihr Verhältnis zum bezeichneten Gegenstand (im weitesten Sinne) ist jeweils anders.
Ein Ikon [ 7 ] ist bei Peirce ein Zeichen, das bildhaften Charakter hat. Das Zeichen ist also der gemeinten Sache ähnlich, es kann sie oder Aspekte der Sache bildlich repräsentieren. Das gilt für Gemälde und Fotografien, aber auch für abstraktere bildliche Darstellungen wie ein Diagramm, das bestimmte Vergleiche oder Zusammenhänge graphisch-semiotisch umsetzt. Bei Diagrammen spielen die Anordnungs- und Lesegewohnheiten der Sprechergemeinschaft eine große Rolle. Das räumliche Verhältnis oben / unten kann z. B. für die Darstellung einer Hierarchie genutzt werden, die Richtung von links nach rechts legt häufig chronologische Abläufe nahe. Hinzu kommt eine große Menge von Ikonen, d. h. bildhaften Symbolen, deren Bedeutung z. B. durch Verkehrszeichen oder Hinweisschilder gut bekannt ist. Ähnlichkeiten zwischen ikonischen Zeichen und dargestellten Dingen oder Sachverhalten bestehen nicht nur in der optischen Dimension. Auch schallnachahmende Laute oder Wörter, sog. Onomatopoetika wie die kindlichen [ 8 ] Bezeichnungen für Tiere als „Miau“ oder „Wauwau“, haben ikonischen, also abbildenden, Charakter.
Die Zeichenklasse Index entspricht etwa dem, was wir im Deutschen unter einem „Anzeichen“ verstehen. Ein Index oder ein indexikalisches Zeichen steht für etwas Reales, wie Peirce betont; es hat keine Ähnlichkeit mit dem vertretenen Objekt, sondern nur eine irgendwie beschaffene „existenzielle Relation“ zu ihm, wie der Rauch zum Feuer. Das nennt Peirce auch eine ‚Wenn-dann-Relation‘ oder eine kausale Beziehung (Peirce 1903/ 1993, S. 65). So werden Windgeräusche als Anzeichen für Sturm verstanden, ein Wetterhahn dient als Anzeiger der Windrichtung, Fieber ist ein Zeichen für Krankheit. Hier spielt das Wissen des Zeichenbenutzers eine Rolle, seine Kenntnisse über Ursachen und Folgen. Fieber ist z. B. objektiv, nach Erkenntnissen der Medizin, ein Krankheits-(an)zeichen. Andererseits kann etwas auch intuitiv und evtl. irrtümlich als Index aufgefasst werden, ohne solche Objektivität zu besitzen (ebd.). Hinweisenden Wörtern wie ich, du, da, dort, hier etc. wird aus semiotischer Sicht oft indexikalischer Charakter zugesprochen (Löbner 2015, S. 72); sie sind nach Auffassung der Autorinnen allerdings sinnvoller funktional als „Zeigwörter“ (Deixis) zu klassifizieren.
Die dritte Zeichenart schließt alle sprachlichen Zeichen ein. Wörter gelten – wie auch schon in der Philosophie zuvor – als Symbole.[ 9 ] Peirce sucht hier nach einer allgemeinen Definition: Diese Zeichenart ist dadurch symbolisch, dass der Bezug zwischen Bedeutungsträger („Signifikant“) und Bedeutung („Signifikat“) durch Konvention (Vereinbarung) hergestellt wird. Das trifft eindeutig zu für Programmiersprachen und spezielle Codes, auch für Verkehrsschilder und Ampeln. Bei den sprachlichen Zeichen gibt es allerdings keine derart geplante (und im Beispiel sogar vorgeschriebene) Verknüpfung mit ihrer Bedeutung. Die Bedeutungen von Wörtern entwickelten sich allmählich durch den Sprachgebrauch selbst, sie wurden also auch nicht von den Sprechern ‚vereinbart‘.[ 10 ]
Die neuere Semiotik erkundet die mit diesen Typen umrissene Vielfalt von symbolischen und kulturell definierten Zeichen. Der Begriff Zeichen ist von daher oft durch große Vagheit gekennzeichnet. Das Interesse der Semiotik richtet sich auf sehr unter-schiedliche Gegenstände im Bereich der Erkenntnis, der Kunst und Kultur, des sozialen Lebens und der Sprache. Auch für Sprachähnliches wie mathematische Symbole und Piktogramme ist die Semiotik zuständig. Eine Übersicht gibt Nöth (2000), zur Bildsemiotik s. Friedrich / Schweppenhäuser (2009).
Ferdinand de Saussure betrachtet das Zeichen als sozial geprägte, psychisch vorhandene Grundeinheit der Sprache. Anders als in der Semiotik „steht“ also das Zeichen nicht „für“ einen Gegenstand und ist auch selbst kein Gegenstand. Es ist Teil des Sprachwissens. Dieses psychologisch gefasste Zeichen, ein Wort, hat zwei voneinander untrennbare ‚Seiten‘:
Abb. 2: Saussures Zeichenmodell

Ein Lautbild entsteht durch das Erlernen einer Sprache als Abstraktion aus der äußeren Form. Mit der „Form“ des Zeichens kann außer der lautlichen natürlich auch die graphische Form gemeint sein, je nachdem, ob es akustisch aufgenommen oder in seiner Schriftform visuell erfasst wird. Die mit der Form untrennbar verbundene Inhaltsvorstellung wird auf dem Wege der Assoziation im Kopf von Sprecher und Hörer aufgerufen (mental aktiviert).
Die Bedeutungsvorstellung im Kopf impliziert für Saussure ein „soziales Band“, das die individuellen Vorstellungen vieler miteinander verbindet. So entsteht – trotz individueller Abweichungen – ein gemeinsames Sprachwissen, das die Sprachgemeinschaft kennzeichnet.[ 11 ] Saussure verwendet für diesen sozialen Charakter der Sprache wie Pierce den Ausdruck „Konvention“.[ 12 ] Eine eng damit zusammenhängende Eigenschaft der Sprachzeichen ist nach Saussure ihre Arbitrarität.[ 13 ] Damit meint er die „Beliebigkeit“ des sprachlichen Zeichens, insofern als zwischen einer bestimmten Bedeutung (signifié) und dem einzelsprachlichen Wort (signifiant) kein notwendiger, innerer Zusammenhang zu erkennen ist. Das heißt, wenn das deutsche Buch in Frankreich livre und in China shū heißt, so hat jede Sprache gleichermaßen „recht“ mit ihrem Namen. Innerhalb eines einzelsprachlichen Systems und ebenso im Sprachwissen der Individuen ist der Zusammenhang zwischen Lautbild und Vorstellung allerdings überhaupt nicht beliebig, sondern fest und obligatorisch, wie es die graphische Modelldarstellung bei Saussure auch betont.
Ein anderes Modell des sprachlichen Zeichens legte Karl Bühler (1879–1963) in seiner „Sprachtheorie“ von 1934 vor. Aufgrund seiner erzwungenen Emigration in die USA wurde das Werk erst spät rezipiert. Seit den sechziger Jahren gilt es als Standardwerk der Linguistik. Bühler greift zurück auf Platons Bezeichnung der Sprache als organon, als Werkzeug oder Gerät.[ 14 ] Ein Werkzeug ist entsprechend den Zwecken seiner Verwendung gebaut, es ist zweckmäßig konstruiert. So nennt Bühler die Sprache ein „Orientierungsgerät des Gemeinschaftslebens“ (1934 / 1982, S. 48). Seine Darstellung sprachlicher Zeichen ist eher eine Art Funktionsmodell, das unter der Bezeichnung Organonmodell bekannt geworden ist. Auch bei ihm sind Zeichen zunächst einmal Symbole durch ihre „Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten“, ihre Bedeutungen sind mental als Wissen über die Wirklichkeit oder als ‚Bild eines Gegenstandes‘ präsent.[ 15 ] Er betrachtet aber Zeichen nach zwei anderen Seiten hin, d. h. mit insgesamt drei verschiedenen Funktionen oder Aufgaben:
Abb. 3: Das Organonmodell von Bühler

Anders als bei Saussure ist das Zeichen hier nicht nur in der Vorstellung vorhanden (dargestellt durch den Kreis im Zentrum der Graphik), sondern auch als konkret realisiertes (lautlich oder schriftlich). Gesprochene oder geschriebene Wörter sind individuell geprägt. Sie können phonetisch abweichend sein, auch beim Schreiben mit der Hand werden individuelle Varianten von Zeichen produziert, bedingt durch situative Einflüsse, vielleicht auch durch Eile oder Nachlässigkeit, Sprechfehler oder motorische Störungen. Das real vorkommende Zeichen ist also nicht deckungsgleich mit dem Wort als Einheit der Sprache, des Sprachsystems oder des Schriftsystems. In Abb. 3 wird dieses konkrete Zeichen durch das Dreieck symbolisiert. Kommunikationspraktisch ist diese Differenz meist kein Problem.[ 16 ] Da jeder Sprecher die konstanten Zeichenmerkmale kennt, kann er von zufälligen individuellen Merkmalen abstrahieren, die nicht zum Laut oder Wort als Einheit der Sprache gehören, wenn z. B. ein Sprecher stottert oder erkältet ist. Diese zwei Seiten des Zeichens werden in der Analyse der Sprachlaute wichtig (Kap. 13).
Lange vor der Linguistischen Pragmatik entdeckt Bühler Zusammenhänge zwischen Sprechen und Handeln (1934 / 1982, S. 52):
„Denn jedes konkrete Sprechen steht im Lebensverbande mit dem übrigen sinnvollen Verhalten eines Menschen; es s t e h t unter Handlungen und i s t selbst eine Handlung.“
Die Sprechhandlung ist das konkrete sprachliche Agieren eines Menschen, das meist mit anderen, nichtsprachlichen Handlungen verknüpft ist. Es geht Bühler dabei um die Entstehung konkreter Äußerungsbedeutungen aus den grammatisch-lexikalischen Mitteln einer bestimmten Sprache. Ihm war aufgefallen, dass Bedeutungen von Wörtern und Sätzen oft sehr flexibel vom Hörer [ 17 ] verstanden werden, kontext- und situationsadäquat. Solche Anpassungen finden im Rahmen der Ausdrucksmöglichkeiten der verwendeten Sprachzeichen statt, bis hin zu metaphorischen Verwendungen. Die Sprechhandlungen erfüllen ihren Zweck in der Situation selbst, sie werden normalerweise nicht dokumentiert. Wenn dagegen Handlungen im Wortlaut fixiert sind, spricht Bühler von „Sprachwerk“. Gesprochenes und Geschriebenes kann „Sprachwerk“ werden, wenn es situationsentbunden fixiert wird.
Ein wichtiges Ergebnis der Bühler’schen Forschungen ist die sog. Felderlehre. Bühler erkennt bei allen Sprachen ein Symbolfeld und ein Zeigfeld, die sich durch zwei grundlegend verschiedene Zwecke des Sprachgebrauchs gebildet haben. Das Symbolfeld, als Teil des Sprachsystems betrachtet, enthält alle symbolischen Wörter im oben dargestellten Sinn. Bühler geht hier einen wichtigen Schritt über die Tradition hinaus. Die Ausdrücke des Symbolfelds sind Nennwörter, als solche erfüllen sie ein Bedürfnis des Sprechers. Zum Symbolfeld gehört der größte Teil der lexikalischen Einheiten einer Sprache, auch die Verben, die Handlungen und Vorgänge benennen. Dazu im Kontrast stehen die Zeigwörter, die ein anderes Bedürfnis der Sprecher erfüllen: Sie haben keine symbolische Bedeutung, sondern können Gegenstände und Sachverhalte, die aktuell (in der Sprechsituation) sinnlich wahrnehmbar sind, kommunikativ verfügbar machen: ich – du; jetzt – dann; dieser u. a. (vgl. Kap. 8.3.3). Dem Wahrnehmungspsychologen war die besondere Qualität dieser Wörter offenbar leichter zugänglich als den Sprachwissenschaftlern seiner Zeit.
Traditionell redet man vom Wortschatz einer Sprache und meint damit ihren gesamten Wortbestand. Als semantische Einheit wird ein Wort unter Absehung von seinen verschiedenen Flexionsformen als Lexem bezeichnet. Lexikologie und Lexikographie sind die zuständigen Arbeitsgebiete der Sprachwissenschaft. Neben den Lexemen treten auch idiomatische Ausdrücke und Wendungen in den Blick, z. B. Redensarten und Sprichwörter. Will man dagegen die Struktur, den Aufbau von Wörtern, analysieren, auch die Wortformen, die im Deutschen gebildet werden können, ist die Teildisziplin Morphologie zuständig (vgl. Kap. 7 und 8).
Der Gesamtbestand des deutschen Wortschatzes wird meist mit 300.000 bis 500.000 Wörtern angegeben.[ 18 ] Bei diachroner Erfassung wie im Wörterbuch der Brüder Grimm ergeben sich weit über 400.000 Worteinträge. Die Rechtschreibwörterbücher, die der Gemeinsprache näher kommen, haben dagegen nur ca. 120.000 Einträge. Andere Wörterbücher haben mehr als 200.000 Worteinträge. Im Wörterbuch wird jedes Lexem in seiner Grundform aufgeführt. Dieser Wörterbucheintrag wird auch als Lemma [ 19 ] bezeichnet. Der gesamte Eintrag mit allen Erläuterungen heißt Artikel oder Stichwort. Er enthält im Allgemeinen eine Bedeutungsparaphrase, die als eine Art Definition aufgefasst wird.[ 20 ] Dabei werden bedeutungsähnliche Wörter (Synonyme, s.u.) als Erläuterung verwendet. Zusätzlich zur „Inhaltsseite“ berücksichtigt ein Wörterbuch meist auch formale Eigenschaften eines Wortes bzw. gibt Hinweise zur Formenbildung (Stammformen, Plural, Genitiv) und Gebrauch.
Diesen großen Zahlen, die keine sichere Schätzung des Gesamtbestandes zulassen, stehen nur ca. 10.000 unterscheidbare Grundwörter der Gemeinsprache gegenüber. Dies sind morphologisch einfache Basislexeme, von denen andere Wörter abgeleitet wurden und werden (Kap. 8); z. B. gehören das Verb stehen und das Substantiv Stand zum Kernwortschatz, nicht aber das Wort Unterstand, das im militärischen Bereich geprägt wurde. Hier ist auch oft von Kernwortschatz die Rede. Das ist von der historischen Sprachforschung her
„eine Ansammlung von möglichst morphologisch einfachen Wörtern, die mindestens Bezeichnungen für Körperteile, Bezeichnungen für Nahrungsmittel, also für Speisen und Getränke, Farbbezeichnungen und Bezeichnungen für Pflanzen, Bäume, Tiere und wichtige Himmelskörper umfassen.“ [ 21 ]
Er umfasst also die aus dem Germanischen stammenden „Erbwörter“, aber auch den historisch früh integrierten Lehnwortschatz. So gehören z. B. auch lateinbasierte Lehnwörter wie Mauer und Fenster zum Kernwortschatz.
Von der allen verfügbaren Gemeinsprache kann man speziellere Wortschätze einzelner Varietäten (s. Kap. 2.1) abheben, z. B. der Fachsprachen und bestimmter sozialer Gruppen. Einige fach(sprach)liche Wortschätze sind allein schon wegen ihres großen Umfangs beeindruckend. Zählungen haben z. B. für die Medizin und die Chemie mehrere Hunderttausend Fachausdrücke ergeben. Solche Fachwortschätze können allerdings nicht insgesamt einer einzelnen Sprache zugerechnet werden, sie sind weitgehend international, mit nationalen Spezifizierungen ihrer Terminologie.
Warum gibt es so große Unterschiede in der angegebenen Menge der Lexeme, wenn nach dem Wortschatz des Deutschen gefragt wird? Das hat mehrere Gründe. Dialektale und fachliche Varietäten sind natürlich ein Grund für Differenzen. Dasselbe Wort kann in verschiedenen Wörterbüchern unterschiedlich eingeordnet werden. Historisch betrachtet, „bewegen“ sich Lexeme sowohl vom Gemeinwortschatz in Spezialwortschätze als auch umgekehrt. Ein weiterer wichtiger Grund für die großen Differenzen sind die Komposita, die zusammengesetzten Wörter. Ein Typ von Wörterbuch will darauf weitgehend verzichten und vor allem die einfach gebildeten Wörter aufnehmen. Andere Wörterbücher nehmen die lexikalisierten, also häufig vorkommenden Komposita möglichst vollständig auf. Ausgegrenzt werden allgemein „Gelegenheitskomposita“, die von den Sprechern oft spontan in bestimmten Situationen gebildet werden. Die Existenz von gut bekannten Wortbildungsmustern (vgl. Kap. 8) führt im Deutschen dazu, dass die meisten neu gebildeten Wörter für jeden, der das Muster kennt, ohne Wörterbuch verständlich sind, z. B. Schönling, ungelobt, Schwarzfahrerei. Zudem spielt der Sprachwandel eine Rolle: Wörter können außer Gebrauch kommen oder neu hinzukommen.
Ist es angesichts dessen möglich und sinnvoll, den gesamten Wortbestand einer Sprache zu sammeln, was im digitalen Zeitalter die technische Form einer Datenbank haben muss? Diesem Ziel nähert sich das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts (DWDS).“ Ein Problem dabei ist, dass die Beständigkeit und auch die Relevanz von Lemmata umso mehr abnimmt, je weiter man sich vom Grundwortschatz entfernt. Das Wort Stallpflicht war z. B. früher unbekannt, tritt aber seit Bekanntwerden der Vogelgrippe regelmäßig in der Presse auf. Es ist also durchaus ein Neologismus, ein neues Wort im Deutschen. Daher findet man es auch im DWDS, nicht aber im Duden-Universalwörterbuch. Vermutlich wird es wegen seines speziellen Verwendungszusammenhangs auch in Zukunft nicht in gemeinsprachige Wörterbücher aufgenommen.
Mit dem Zusammenstellen und der Anfertigung von Wörterbüchern beschäftigt sich die Lexikographie, und zwar unter verschiedenen theoretischen und praktischen Gesichtspunkten wie der Nützlichkeit für bestimmte Adressatengruppen, der Vollständigkeit oder Relevanz der genannten Bedeutungen, auch mit den kommerziellen Interessen der Verlage. Allgemeines Ziel ist, für alle Ausdrücke einer Sprache das in ihnen ‚eingebundene‘ Bedeutungswissen zu umschreiben und mithilfe von Worterklärungen zugänglich zu machen. Manche Wörterbücher charakterisieren auch stilistische Qualitäten von Wörtern.[ 22 ]
Basis der Lexikographie ist die Lexikologie. Sie ist die Fortsetzung der älteren Wortkunde und Wortschatzuntersuchung und arbeitet somit in den Teilbereichen der einzelsprachlichen Semantik und Morphologie. Sie thematisiert nicht nur die Bedeutung einzelner Wörter, sondern auch deren Beziehungen zueinander, die Wortbildungsarten bis hin zu so genannten „Wortgruppenlexemen“, das sind komplexe Phrasen, deren Bedeutung oft nicht aus ihren Bestandteilen erschlosssen werden kann (vgl. u. a. Schlaefer 2009; man spricht hier auch oft von idiomatischen Wendungen oder Phraseologismen) (s.u.). Rolf Lutzeier formuliert den Unterschied zwischen beiden Disziplinen so:
„Unter Lexikologie verstehen wir die Theorie und Praxis der Strukturierungen im Wortschatz. Unter Lexikographie verstehen wir die Theorie und Praxis des Schreibens von Wörterbüchern.“ [ 23 ]
In ihren Kernfragen und dem Bezug auf die Semantik als Grundlagenforschung sind die beiden Disziplinen aber eng miteinander verbunden. Die verschiedenen von der Lexikographie differenzierten Wörterbuchtypen werden bei Engelberg / Lemnitzer (2009) ausführlich dargestellt; dort werden auch verschiedene Typen der Wörterbuchstrukturierung besprochen. Die üblichen Wörterbücher ordnen die Lexeme alphabetisch, also eigentlich nach einem ihrer Bedeutung äußerlichen Kriterium, das aber den Vorteil hat, dem Benutzer einen schnellen „Zugriff“ zu ermöglichen. Sehr ungewöhnlich erscheint das rückläufige Wörterbuch von G. Muthmann, in dem die alphabetische Sortierung vom Wortende her durchgeführt wird. Um z. B. zu erfahren, welche Endsilben wo und wie oft vorkommen oder in welchen Komposita ein Wort Grundwort (s. u.) ist, kann man ein rückläufiges Lexikon konsultieren.[ 24 ] Eine ganz andere, nämlich sachbezogene Präsentation deutscher lexikalischer Einheiten findet man in dem älteren Lexikon von Franz Dornseiff (1959) mit dem Titel: „Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen“.
Die oben angesprochenen Neologismen sind in fast allen Fällen keine absolut neuen Wörter. Oft sind sie aus bekannten Wörtern zusammengesetzt, oder es handelt sich um aktuelle Fremdwörter. Auf der Basis der lexikologischen Häufigkeitsuntersuchungen treffen die Lexikographen Entscheidungen darüber, welche Wörter neu in ein Lexikon aufgenommen werden. Je mehr Wörterbücher dem folgen, umso eher kann man sagen, dass das betreffende Wort in den Wortschatz einer Sprache aufgenommen wurde. Einige Beispiele für Wörter, die im Zeitraum der 2010er Jahre als Neologismen zum Wortschatz des Deutschen hinzugekommen sind: [ 25 ]
Die Neologismen seit den 1990er Jahren stellt das Institut für Deutsche Sprache in einer Datenbank zur Verfügung (www.owid.de/docs/neo/start.jsp).
Eine interessante Fragerichtung der Lexikologie, die für den Fremdsprachenerwerb wichtig ist, ist die Motiviertheit von Lexemen. Grundsätzlich gilt Saussures Aussage, dass die äußere Form eines einfachen Worts sich nicht aus seinem Inhalt ergibt (Arbitrarität, Zufälligkeit), abgesehen von lautmalerischen Wortbildungen. Sobald aber Wortbildungen betrachtet werden (vgl. Kap. 7), kommen regelmäßige Strukturen ins Spiel und die Sprecher orientieren sich an bekannten Mustern, die sich als Bezeichnungsmotive deuten lassen (Schlaefer 2009, S. 31 f.) und das Verstehen gleich oder ähnlich aufgebauter Wörter leiten. Allerdings darf man nicht erwarten, dass Zusammensetzungen wie ein Baukastensystem funktionieren; so gibt es z. B. neben einem Blumentopf und einem Spargeltopf auch noch einen anders zu verstehenden Auspufftopf am Auto.
Bei der Erfassung der Wortbedeutung kommen häufig etymologische Tatsachen in den Blick: Herkunft, frühere Bedeutung(en) und geschichtliche Entwicklung von Wörtern. Die Etymologie ist Gegenstand der historisch vorgehenden Lexikologie und der Historischen Semantik (Fritz 2006). Zugrunde liegt hier das griech. Wort etymos für ‚wahr‘. Die Verknüpfung mit der Idee von Wahrheit entstand dadurch, dass man in der Antike im Ursprung eines Wortes seinen Grund – modern gesprochen: seine „Motivation“ –, damit seine tiefere Wahrheit vermutete. Auch heute noch findet die Etymologie das Interesse nicht nur von Sprachhistorikern, sondern auch von sprachinteressierten Laien. Einige Wörterbücher bieten daher außer den üblichen Angaben auch Informationen zur Herkunft von Wörtern, wie etwa das von Hermann Paul (2002). Ein umfangreiches etymologisches Wörterbuch ist das von Friedrich Kluge (252011).
Ein besonders beeindruckendes historisches Wörterbuch ist das „Deutsche Wörterbuch“, das von den Brüdern Grimm begonnen wurde (vgl. Kap. 2) und mittlerweile vollständig digitalisiert vorliegt. Es gibt Einblick in die Lexik des neuzeitlichen Deutschen ab dem 16. Jh. und führt viele Verwendungsbeispiele aus früheren Jahrhunderten an. Generell zeigen die Wörterbücher des 19. Jh. die Bemühung, das neuzeitliche, noch stark regionalsprachlich zersplitterte Deutsch durch ausführliche Dokumentation des Sprachgebrauchs zu vereinheitlichen. Wörterbücher waren damit wichtig für die Entstehung einer überregionalen Standardsprache, nämlich für die schriftsprachliche Kodifizierung des Deutschen, in Ergänzung zur gesetzlichen Festlegung der deutschen Orthographie zu Beginn des 20. Jh. Eine Auswahl der wichtigsten historischen Wörterbücher des Deutschen bietet das „Wörterbuchnetz“ (woerterbuchnetz.de) des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier.
Charakteristisch für die gegenwärtige lexikologische und lexikographische Forschung ist die Auswertung von immer größeren Textkorpora (vgl. Kap. 4). Zudem werden zur Darstellung der vielfältigen Kombinatorik von Lexemen in Textzusammenhängen komplexere Darstellungsweisen (Netzwerk, Cloud) eingesetzt. Für das Deutsche sind hier mehrere wichtige Projekte zu nennen: Das oben angesprochene DWDS inkorporiert mehrere Wörterbücher und beruht auf der Auswertung verschiedener umfangreicher Korpora. Es bietet ausführliche Belege für die Verwendung der Wörter und Informationen zu häuf im Umkreis auftretenden Lexemen. Ein solches gemeinsames Auftreten von Wörtern in Texten bezeichnet man als Kookkurenz oder Kollokation. Weitere Projekte zum Deutschen sind das am Institut für Deutsche Sprache (IDS) angesiedelte „Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch (www.OWID.de)“ sowie das „Deutsche Wortschatzportal“. Beide Informationssysteme können auch Wortbestandteile analysieren und Auskunft über Komposita geben.
Aus einer Außenperspektive können Wörterbücher auch als kultur- und gesellschaftshistorische Dokumente verstanden werden (Haß-Zumkehr 2000, 2001). Sie spiegeln oft die gesellschaftliche Situation ihrer Entstehungszeit. Im deutschen Sprachraum spielt in diesem Zusammenhang besonders die Auseinandersetzung mit dem Faschismus eine wichtige Rolle. Über Veränderungen des Duden-Wörterbuchs im „Dritten Reich“ informiert Sauer (1989); eine umfangreiche Zusammenstellung von „Vokabular des Nationalsozialismus“ gibt Schmitz-Berning (2007).
Sprecher des Deutschen kennen normalerweise nur einen Teil des Gesamtwortbestandes. Sowohl für die L1 wie für den Erwerb weiterer Sprachen gilt das bekannte Prinzip, dass der aktive Wortschatz wesentlich kleiner ist als der „passive“.[ 26 ] Peter Eisenberg (42013, S. 34) nennt dazu genauere Zahlen:
„Der Umfang des Wortschatzes, mit dem die einzelne Sprecherin und der einzelne Sprecher umgehen, liegt im gesprochenen Alltagsdeutsch bei einigen tausend Wörtern. Die individuellen und gruppenspezifischen Schwankungen sind erheblich, sodass genauere Durchschnittsangaben nicht viel besagen. Wichtig ist der Unterschied zum Geschriebenen. Einigermaßen routinierte Schreiber benutzen mindestens 10.000 Wörter. Für das Gesamtwerk von Storm hat man gut 20.000, für das von Goethe knapp 100.000 Wörter ausgezählt. Aktive Wortschätze dieser Größenordnung stehen aber wohl kaum zu einem Zeitpunkt und kaum ohne externe Hilfsmittel zur Verfügung.
Wieder eine Größenordnung darüber liegen die passiven Wortschätze. Der Durchschnittssprecher versteht mindestens 50.000 Wörter. Bei Kindern im Alter von zwei Jahren sind es bereits etwa 500, die sie auf dem Entwicklungsstand ihrer Sprachkompetenz verstehen. Bei der Einschulung sind daraus über 3.000 geworden, die sich mit dem Zugang zum Geschriebenen in zwei bis drei Jahren auf 10.000 vermehren.“
Im Rahmen der Sprachdidaktik ist meist vom Grundwortschatz die Rede. Im Fremdsprachenunterricht ist das eine für Sprachlerner gedachte elementare Lexemauswahl, ausgehend von der (vermuteten) Relevanz für typische Sprechsituationen in der Fremdsprache. Ein solcher Lernwortschatz kann 12.000–15.000 Lexeme umfassen. Das ist für die meisten Sprachkurse zu viel, daher wurde vielfach versucht, Minimal- und Auswahllisten zusammenzustellen. Für Anfängerkurse wird das Vokabellernprogramm oft auf ca. 1.000 Lexeme begrenzt.[ 27 ] Empirische oder andere Begründungen der Auswahl liegen für die meisten der gegenwärtigen lernerbezogenen Wortschatzaufstellungen nicht vor. Eine Ausnahme bildet hier der bei Tschirner (2008) nach Sachfeldern geordnete Grundwortschatz im Umfang von rund 4.000 Wörtern. Er ist für anglophone Lerner aufbereitet und beruht auf Häufigkeitszählungen in einem Sprachkorpus von rund 4,2 Millionen Wortvorkommen (Jones / Tschirner 2006).
Bei der Vorbereitung von Wörterbüchern denkt man sowohl an Muttersprachler, die sich meist bei Unsicherheiten im Sprachgebrauch vergewissern wollen, wie auch an Lerner des Deutschen als Fremdsprache.
Wortbedeutungen sind nicht sprachübergreifend; fremdsprachliche Synonyme sind oft nur teilweise oder annähernd äquivalent. Das stellt man beim Übersetzen von einer Sprache in eine andere schnell fest. Oft entsprechen sich zwei Wörter in einem bestimmten Zusammenhang, in einem anderen nicht, d. h. man muss dafür eine andere Übersetzungsmöglichkeit finden. Nach Löbner (2015, S. 297) ist eine genaue Entsprechung zwischen zwei Ausdrücken eine Ausnahme.
In jeder Sprache findet man Lexeme, die aus anderen Sprachen übernommen, also entlehnt wurden. Der Vorgang wird entsprechend als Entlehnung bezeichnet, auch sein Produkt, das entlehnte Wort, heißt Entlehnung. Neu entlehnte Wörter wurden und werden generell zunächst einmal als Fremdwörter betrachtet. Als fremdes Wort gilt das Lehnwort so lange, wie ihm seine Herkunft anzuhören und anzusehen ist. Die ursprüngliche Bedeutung wird zunächst beibehalten. Viele entlehnte Wörter entfernen sich aber im Laufe der Zeit phonetisch, formal und dann auch semantisch mehr oder weniger weit von ihrem Ausgangspunkt. Sie bleiben Lehnwörter, erscheinen aber immer weniger als Fremdwörter. Die Grenze zwischen beiden hat damit zu tun, ob und wann der Prozess der Eindeutschung oder Assimilation, also der Anpassung in Lautung und Schreibung, beginnt und wie weit er geht. Bei manchen Wörtern sind allerdings, obwohl sie schon vor langer Zeit entlehnt wurden, Merkmale der Ausgangssprache erhalten geblieben, und dennoch wird das Wort von den Sprechern als deutsches betrachtet.[ 28 ] Das Wort Theater hat mit dem Graphem <th> ein orthographisch fremdes Merkmal, das Wort Garage mit dem Anlaut der letzten Silbe [Ʒ] einen Laut, der nicht zum deutschen Lautsystem gehört. Das Deutsche gilt als eine entlehnungsfreudige Sprache und wurde in seiner Geschichte im Zuge eines politisch motivierten Purismus gegen eine vermutete Sprachzerstörung ‚in Schutz genommen‘. Eine Übersicht über die Richtungen und Begründungen des Purismus gibt Eisenberg (2018, S. 112 ff.).
Historische Vorläufer waren die Sprachgesellschaften des 17./18. Jh., die bereits die große Zahl der lateinischen und französischen Fremdwörter monierten. Allerdings zielte diese frühe „Sprachpflege“ eher darauf, das Deutsche zu einer universell verwendbaren Sprache auszubauen. Philologen und Wissenschaftler wie Leibniz betätigten sich daher nicht selten als Erfinder geeigneter deutscher Wörter, um die Lücken im Wortschatz zu füllen und die ausländischen Wörter überflüssig zu machen. Manche Vorschläge wurden heftig kritisiert und konnten sich nicht durchsetzen. Zum Beispiel bemühte sich O. von Zesen vergeblich, das Wort Kloster durch „Jungfernzwinger“ und das schon gut integrierte lat. Lehnwort Fenster durch „Tageleuchter“ zu ersetzen. Aber es gab viele erfolgreiche Eindeutschungen, etwa:
Auch ohne eine Absicht der ‚Reinerhaltung‘ im Sinne des Purismus protestieren aktuell viele Deutsche gegen die deutliche Tendenz, immer mehr englische Wörter nicht nur gelegentlich zu verwenden, sondern auch in den deutschen Wortschatz zu übernehmen (vgl. das Neologismenwörterbuch des IDS). Die Linguisten sprechen neutral von Anglizismen (vgl. Eisenberg 2013, S. 45 ff. und 178 ff.). Die Bürgerproteste, aber auch puristische Absichten werden aufgegriffen von dem „Verein deutsche Sprache (VdS)“ mit einem eigenen Periodikum und Negativpreisen, z. B. für den „Sprachpanscher des Jahres“. Dieser Verein wendet sich hauptsächlich gegen die große Zahl der englischen Wörter, die sowohl als „Zitatwörter“ wie auch vor allem als Entlehnungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens auftreten.
Die Bemühungen, Fremdwörter durch deutsche Wörter zu ersetzen, führten zu vielen so genannten Lehnbildungen (Lehnprägungen), wobei mehrere Typen zu unterscheiden sind. Da gibt es einmal die Lehnübersetzung, wie bei dem deutschen Montag, das aus dem lateinischen dies lunae (Mond-Tag) übertragen wurde.
Ein weiterer Typus von Lehnbildung ist die Lehnschöpfung. Sie bildet ein fremdes Wort, auch ein zusammengesetztes oder eine Wortgruppe, auf andere Weise nach, wenn keine wörtliche Übersetzung möglich ist. Es handelt sich dann um Neubildungen von Wörtern unter fremdsprachigem Einfluss, wobei die Übertragung freier gegenüber dem Vorbild verfährt: Das englische Wort sky in skyscraper wird in der Lehnprägung Wolkenkratzer nicht mit Himmel, sondern mit Wolken nachgebildet. Auch das deutsche Wort Hochschule ist keine Übersetzung, sondern gilt als Lehnschöpfung oder Lehnprägung (Nübling 2017, S. 141) aus dem lat. universitas.
Abb. 4: Arten der Entlehnung (z. T. nach A. Stedje)

Weiter findet man Lehnbedeutungen, d. h. dass ein deutsches Wort eine Bedeutungserweiterung erfährt, gemäß einem entsprechenden ausländischen Wort. Das Wort Held hatte bis Mitte des 18. Jh. nur die Bedeutung ‚Mensch, der Hervorragendes leistet‘; nach dem Vorbild des englischen hero wurde dann auch die Bedeutungsvariante ‚literarische Hauptfigur‘ übernommen. Ähnlich ist es bei dem Verb buchen: Erst seitdem häufig die englische Wendung to book a flight ins Deutsche übersetzt wird, erhielt das Verb buchen diese Bedeutung. Die verschiedenen Möglichkeiten sind in Abb. 4 zusammengestellt.
Beispiele für die genannten Kategorien sind:
Entlehnt wurden auch grammatische Morpheme (Affixe, s. Kap. 7), besonders aus dem Griechischen und Lateinischen. Das dokumentieren z. B. Wörter wie konvertieren, informell, asozial, Absurdität. Viele dieser Morpheme sind nach wie vor für Wortbildungen in Gebrauch, wie der relativ neue linguistische Fachbegriff Illokution zeigt (vgl. Kap. 16). Zudem haben sich Relikte von Wörtern aus anderen Sprachen erhalten, z. B. lexikalische Einheiten wie finanz- in Wörtern wie Finanzen, Finanzamt, finanziell, Finanzierung, die im Deutschen nicht als selbständige Wörter, aber in Zusammensetzungen vorkommen.[ 29 ]
Es scheint insgesamt, dass die deutsche Sprache Fremdwörter recht gut integrieren kann, die Rechtschreibreform von 2006 hat den Prozess vorangetrieben. Andererseits werden Lautung und Originalschreibung oft lange Zeit respektiert. Das wird deutlich im Vergleich mit Italien, das in seiner Orthographie jede Erinnerung an das Griechische abgeschafft hat.
Einige deutsche Wörter haben den Status eines Fremdworts in einer anderen Sprache bekommen. Dazu gehören z. B.:
Angst – Gestalt – Kraftwerk – Weltschmerz – Leitmotiv – Kindergarten – Waldsterben – Hinterland – Abseilen – Rucksack – Wanderlust – Doppelgänger – Ersatz – Lager – Autobahn – Schadenfreude – kaputt – verboten.
Das Goethe-Institut hat 2007 eine Buchdokumentation mit dem Titel „Ausgewanderte Wörter“ herausgegeben, die von einer Zunahme der Entlehnungen aus dem Deutschen zeugt, auch in slawischen Sprachen oder im Japanischen.
Die strukturalistische Theorie hat darauf aufmerksam gemacht, dass natürliche Sprachen eine „Fähigkeit (haben), sich auf sich selbst zu beziehen oder sich selbst zu beschreiben“, wie Lyons sagt.[ 30 ] Diese Bemerkung ist allerdings insofern zu korrigieren, als es die Sprecher sind, die sich mit derselben Sprache, die sie immer benutzen, auch über diese Sprache oder über ihre Kommunikation unterhalten können. Was bei Lyons „Reflexivität der Sprache“ genannt wird, ist also eine Reflexivität der Sprecher. Oft wird das als „metasprachliche“ Verwendung von Wörtern bezeichnet.
Wer mit Sprache bewusst umgeht, möchte oft etwas über bestimmte sprachliche Elemente sagen / schreiben. Dafür sind auch schriftsprachliche Konventionen entwickelt worden. (B2) gibt Beispiele:
In diesen Bereich gehört die Unterscheidung zwischen Gebrauch und Zitieren. Wer über die Bedeutung von Rhinozeros spricht, tut etwas Ähnliches wie der, der die Rede eines anderen schriftlich wiedergibt, sie also zitiert. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass der Sprecher das Wort oder die Äußerung nicht inhaltlich gebraucht, sondern er bezieht sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch oder auf die Rede eines anderen. In privater und öffentlicher Kommunikation wird das meist mit Anführungszeichen gekennzeichnet, in linguistischer Fachliteratur nutzt man dafür besonders die kursive Schriftart.
[ 1 ]Die große Menge der historisch und kulturell entstandenen Symbole verdeutlicht ein entsprechendes Lexikon, z. B. „Seemanns Lexikon der Symbole“ (2010).
[ 2 ]Hegel, Georg Wilhelm F. (1830 / 1986) Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Dritter Teil: Die Philosophie des Geistes. Werke Bd. 10. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 278 und 280.
[ 3 ]Vgl. Vygotskij (1987, S. 117).
[ 4 ]Vgl. zu Vygotskijs und Bühlers Theorien den Beitrag von Redder (2004a).
[ 5 ]Die Ausdrücke „Semiotik“ und „Semiologie“ wurden abgeleitet von griech. sema bzw. semeion = das Zeichen, das Merkmal. Heute wird meist die Bezeichnung Semiotik verwendet.
[ 6 ]Köller (1988).
[ 7 ]Deutsche Variante des englischen Wortes icon, das auf das griechische „eikon“ (Bild) zurückzuführen ist.
[ 8 ]Es wäre wohl passender zu sagen, dass solche Bezeichnungen für Kinder erfunden werden – von Erwachsenen.
[ 9 ]Symbol aus griech. symbolon: Merkmal, Kennzeichen; wird im allgemeinen Sprachgebrauch im Sinne von Wahrzeichen oder Sinnbild gebraucht. So galt z. B. seit dem Mittelalter das Bild des Adlers als Wahrzeichen – d. h. als Wappenzeichen und Schmuck – eines Fürsten; auch einige der modernen Staaten haben dieses traditionelle Wahrzeichen zum Staatssymbol gemacht, z. B. Deutschland.
[ 10 ]Hermann Paul hat in seinen „Prinzipien der Sprachgeschichte“ verdeutlicht, wie die Sprache Produkt menschlichen Denkens und Handelns ist, auch in ihren Veränderungen, ohne dass die Sprecher sich jemals zusammensetzen und „Entscheidungen“ über Zeichen treffen.
[ 11 ]Saussure (1967, S. 16).
[ 12 ]Dabei weiß er, dass der Charakter der Sprache nicht auf der Überlegung und Planung einzelner Individuen beruht (Saussure 1967, S. 84). Der Begriff Konvention ist von vielen Linguisten übernommen worden und wird neuerdings noch stärker psychologisch verstanden: Konventionen sind dann „Systeme wechselseitiger Erwartungen“ der Sprecher aneinander.
[ 13 ]Dies ist eigentlich keine neue Einsicht, nur eine neue Bezeichnung. Man vergleiche mit der Aussage von G. W. F. Hegel: „Die hier hervortretende Willkürlichkeit der Verbindung des sinnlichen Stoffes mit einer allgemeinen Vorstellung hat zur notwendigen Folge, dass man die Bedeutung der Zeichen erst lernen muss. Dies gilt namentlich von den Sprachzeichen.“ (Enzyklopädie der philos. Wissenschaften).
[ 14 ]Vgl. den platonischen Dialog „Kratylos“.
[ 15 ]Bühler (1934 / 1982, S. 28).
[ 16 ]Im Gespräch mit Fremdsprachenlernern können deren Abweichungen allerdings so groß sein, dass die Zeichenerkennung nicht klappt.
[ 17 ]Bühler selbst benutzte noch den Ausdruck „Empfänger“ statt „Hörer“.
[ 18 ]Vgl. Duden-Grammatik (2016, § 962 ff.).
[ 19 ]Der Plural entspricht noch der griechischen Form: Lemmata.
[ 20 ]Dort gibt es die klassische Unterscheidung zwischen Nominaldefinition und Realdefinition. Eine Bedeutungsangabe im Wörterbuch ist demnach eine Realdefinition, bei der es darauf ankommt, den tatsächlichen Gebrauch des Wortes wahrheitsgemäß zu beschreiben (deskriptiv); eine Nominaldefinition beruht auf der Festsetzung von Wort und Bedeutung (präskriptiv).
[ 21 ]Lutzeier (1995, S. 12).
[ 22 ]Die Bearbeiter der neunten Auflage des Wörterbuches von Hermann Paul, das viele etymologische Hinweise gibt, sprechen sich allerdings dagegen aus, um normativen Einfluss zu vermeiden. Stattdessen haben sie das Wörterbuch mit literarischen Belegen angereichert, um die Bedeutungsspielräume und Verwendungsmöglichkeiten genauer darstellen zu können.
[ 23 ]Lutzeier (1995, S. 1).
[ 24 ]Es gibt mehrere Werke dieses Typs. Auch Peter Eisenberg (32006) hat seiner Grammatik im Anhang ein rückläufiges Wortverzeichnis beigefügt.
[ 25 ]Vgl. www.owid.de/service/stichwortlisten/neo_10
[ 26 ]Passender wäre es hier, von „rezeptiv“ zu sprechen, da bekanntlich beim Hören und Lesen sehr viel (mentale) Aktivität vonnöten ist.
[ 27 ]Über Probleme bei der Zusammenstellung eines Grundwortschatzes berichtet Schnörch (2002, Kap. 1).
[ 28 ]Vgl. dazu das Wörterbuch „Unser tägliches Latein“ von Kytzler, Bernhard / Redemund, Lutz (52007), Darmstadt: Verlag Philipp von Zabern / Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
[ 29 ]Die Morphologie bezeichnet sie als Konfixe.
[ 30 ]Lyons (1980, S. 19).