Germanistische Sprachwissenschaft
 

8   Wortarten und Flexion

8.1   Die traditionellen Wortarten

8.2   Flexion

8.3   Die heutige Wortartenlehre

8.3.1   Die Wortart Substantiv im Blick des Sprachlerners

8.3.2   Neue Wortklassen

8.3.3   Deixis und Anapher

8.3.3.1   Vom Pronomen zur Deixis

8.3.3.2   Eine neue Wortklasse

8.3.3.3   Abgrenzung der Anapher

8.4   Grammatikalisierung

8.5   Die Morphologie als Ausgangspunkt der Sprachtypologie

Aufgaben (1–30) mit Lösungen

Literatur

Internet-Einstiege

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8.1   Die traditionellen Wortarten

Im Deutschen gibt es verschiedene Typen von Wörtern, die im Sprachunterricht als Wortarten vorgestellt werden. Die zentralen Wortarten entstammen der griechisch-lateinischen Grammatiklehre [ 1 ] und sind nach dem Übergang zu den europäischen Volkssprachen, der sog. Vernakularisierung, an diese Volkssprachen adaptiert sowie nach und nach erweitert worden. Diese traditionellen Wortarten sind weit über die indoeuropäischen Sprachen hinaus bekannt geworden.

Wortarten sind Kategorien, Ordnungsbegriffe. Als Einteilung des Wortschatzes entstanden sie durch die vortheoretischen Beobachtungen, die man an Wörtern machte. Als Grundlage und Lernkanon für den Sprachunterricht sind sie seit der ‚klassischen‘ griechischen Zeit entwickelt worden, später haben Grammatiktheorie und Lexikographie an dieser primären Einteilung der Wörter weiter gearbeitet. Die meisten Wörterbücher geben vor der eigentlichen Bedeutungsbeschreibung zunächst die Wortart an. Auch die Grammatiken des Deutschen enthalten meist eine ausführliche Beschreibung der Wortarten.[ 2 ]

Die acht Wortarten der lateinischen Grammatik sind dokumentiert im Lehrbuch des Donatus. Sie gelten seit dem Mittelalter in Europa als die klassischen. Das Adjektiv war hier noch Teil der Klasse der Nomen, es wurde erst später zu einer eigenen Wortart, auch das Partizip wurde erst später zur Wortart Verb gerechnet. Da Latein keine Artikel besitzt, gab es diese Wortart nicht, anders als im Griechischen.

Tab. 1:   Traditionelle und schulische Wortarten

Wortarten der lateinischen Tradition
Wortarten der Schulgrammatik
Nomen, Pronomen
Substantiv/Nomen, Pronomen
Verb, Partizip, Adverb
Artikel, Adjektiv, Adverb
Konjunktion, Präposition,
Konjunktion, Präposition
Interjektion
Numerale, Interjektion

In der Grundschule werden oft noch die entsprechenden deutschen Bezeichnungen genutzt, z. B. „Hauptwort“ für „Substantiv“, „Fürwort“ für „Pronomen“, „Zeit-/ Tätigkeitswort“ für „Verb“, „Eigenschaftswort“ für „Adjektiv“ oder „Umstandswort“ für „Adverb“.

Das antike Verständnis der Hauptwortarten beruhte zunächst einmal auf einer groben Analyse des Aussagesatzes, der gemäß der philosophischen Logik ein Urteil über die Realität ausspricht. Sprache wurde vor allem als ein Mittel angesehen, als Werkzeug, um Gedanken in Form eines Urteils zu äußern. Solche Sätze wurden zerlegt in Redeteile. Zentral waren die Redeteile (lat. partes orationis) onoma und rhema. Mit onoma meinte Platon zunächst den Bezugspunkt (logisch Gegenstand) des Urteils, der im Satz als Subjekt auftritt. Später wurde die Bezeichnung auf die an dieser Stelle auftretenden Nomen angewendet. Der zweite Teil des urteilenden Satzes, die eigentliche Aussage über den Gegenstand des Urteils, wurde als rhema bezeichnet.

In der frühen Entwicklung der Wortartenlehre legte die griechisch-lateinische Sprachphilosophie großen Wert auf ontologische [ 3 ] Einteilungskriterien. Das heißt, man teilte die Wörter danach ein, ob und wie sie die Realität (das Sein) ausdrücken konnten. Unter diesem Aspekt ergaben sich die Substantive als primär, als Inhaltswörter. Wörtlich übersetzt ist Substantiv das, was unter etwas steht (lat. sub stat), eine Art Basis (z. B. des Satzes); die gleiche Etymologie steht auch hinter dem Fremdwort Substanz. Die Ontologie spricht also dem Substantiv substanzielle, wesenhafte und bleibende Qualität zu.[ 4 ] Diese Deutung ist über Jahrhunderte erhalten geblieben und wird im Sprachunterricht vereinfacht so vermittelt:

Tab. 2:   „Ontologie“ der sog. Hauptwortarten in der Schulgrammatik

Substantiv
–   Ding (Dinghaftes)
Verb
–   Handlung (Vorgang)
Adjektiv
–   Eigenschaft

Clemens Knobloch spricht sich deutlich gegen diese ontologische Orientierung aus. Er nennt sie „eine sehr schädliche Angelegenheit“ für das elementare Sprachlernen, denn sie hindere den Schüler daran, „das Wort als eine sprachliche Größe von der bezeichneten Sache zu unterscheiden“.[ 5 ] Hinzu kommt, dass diese Erklärung der Substantive als „Dinge“ vom Lehrer sehr schnell korrigiert werden muss, denn mindestens die Hälfte der Substantive sind Abstrakta.[ 6 ] Von der Sprachphilosophie her entsteht der Eindruck, die ontologische Einteilung der Wörter nach ihrem Realitätsstatus sei so grundlegend, dass sie universell sein müsste.[ 7 ]

Für die Hauptwortarten gibt es natürlich auch grammatische Merkmale, die sie unterscheidbar machen. Die Gruppe der nominalen Wortarten, wozu auch noch Adjektiv und Pronomen gehören, verdankt sich der Tatsache ihrer Deklinierbarkeit, Verben heben sich durch ihre Konjugationsformen davon ab. Beides wird im Begriff Flexion zusammengefasst. Andere der in Tab. 1 genannten Wortarten sind auf die lineare Ordnung des Satzes, also die Abfolge der Satzglieder, bezogen. Für die Präpositionen z. B. wird ihre Voranstellung in einer Wortgruppe zum Erkennungsmerkmal erhoben (prae-ponere bedeutet voranstellen). Die Konjunktion ist das verbindende Wort, das zwischen den verbundenen Gliedern steht; die Wortartbezeichnung Interjektion bedeutet wörtlich übersetzt einen ‚dazwischen geworfenen‘, nicht in den Satz integrierten Redeteil. Wladimir Admoni sieht folgende allgemeine Schwierigkeit bei der Bestimmung von Wortarten [ 8 ]:

„Die grammatische Einordnung und Klassifizierung der ungeheuren Masse von Wörtern, über welche jede Sprache verfügt, gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Sprachwissenschaft. Der für die sprachlichen Erscheinungen überhaupt charakteristische Aspektreichtum macht sich beim Wort im höchsten Grade geltend und widersetzt sich den Versuchen, eine solche Einordnung auf Grund eines einheitlichen Kriteriums durchzuführen.“

Wegen des von Admoni angesprochenen Formenreichtums ging man früh dazu über, mehrere Kriterien anzuwenden, ohne klare Systematik, je nachdem, was am besten zu „passen“ schien. Gegen Admonis Einsicht verlangten Kritiker der Wortartenlehre immer wieder nach einem oder wenigen einheitlichen Kriterien.[ 9 ]

Manche Streitfragen existieren auch weiterhin, etwa die Abgrenzung zwischen Adjektiven und Adverbien. Deren Wortformen in Texten werden von einigen nach der „lexikalischen“ Wortart, von anderen nach syntaktischen Kriterien beurteilt. Zwei Beispiele:

B1
a)   das abschließende Gespräch
b)   Ich habe gut geschlafen.

Das Wort abschließende ist, lexikalisch betrachtet, eine Verbform; syntaktisch-morphologisch betrachtet ist es jedoch ein Adjektiv, es nimmt die Position und Funktion eines Adjektivs ein und wird adjektivisch dekliniert. Das Wort gut in dem Satz Ich habe gut geschlafen ist lexikalisch betrachtet ein Adjektiv, wird aber von manchen wegen seiner engen Bindung an das Verb zu den Adverbien gerechnet. Bei Helbig / Buscha wird es als „Adjektivadverb“ bezeichnet.[ 10 ] Dadurch wird die Abgrenzung der Wortarten aber unklar. Statt dessen kann man sagen, dass das Partizip adjektivisch oder attributiv verwendet wird und dass das Adjektiv gut in (B1b) adverbial verwendet wird. Eine gute Zusammenfassung des „Funktionsspektrums“ von Adjektiven gibt L. Hoffmann (2016, S. 150).

Im Folgenden wird zunächst die Flexionsmorphologie vorgestellt, danach werden exemplarisch einige Wortarten und neuere Wortklassen differenzierter beschrieben.

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8.2   Flexion

Die Flexion ist ein so zentrales Charakteristikum der Wortformen oder Wortgestalten, dass sie in der Sprachtypologie den Typus der „flektierenden Sprachen“ begründet (s. Kap. 8.5). Als Oberbegriff für Deklination und Konjugation umfasst der Begriff für das Deutsche die Formenbildung nominaler und verbaler Wortarten. Die meisten grammatischen Morpheme in diesem Bereich sind Suffixe, die dem Stamm rechts angefügt werden und so die Wortform bilden. Man spricht dann von äußerer Flexion.

Dagegen wird bei der inneren Flexion der Wortstamm markant verändert (sie heißt daher auch Stammflexion). Zu den flektierenden Sprachen gehören außer dem Deutschen alle indoeuropäischen Sprachen. Sie nutzen die äußere und die innere Flexion, oft auch beide in demselben Wort, wie manche du-Form und viele Konjunktivformen zeigen (B2):

B2
Du [ fährst ].
(Kombination von innerer Flexion und Suffix –st)
Ich [ wäre ] gern dabei.
(Kombination von innerer Flexion und Suffix –e)

Das dabei veränderte Element, meist der Vokal, wird auch als Ersetzungsmorphem bezeichnet.[ 11 ] Bei den unregelmäßigen Verben ist dieser Wechsel traditionell als Ablautreihe (singen – sang – gesungen) bekannt. Bei anderen Wörtern geht es vor allem um die Umlautung, die Ersetzung eines Vokals durch den jeweils passenden Umlaut (z. B. des <o> durch ein <ö>). Ein Beispiel ist die Pluralbildung, die ebenfalls z. T. zwei Morpheme erfordert:

Maus – Mäus-e     Haus – Häus-er     Boden – Böden

Allgemein werden Flexionsmorpheme als gebundene Morpheme eingestuft. Bei einigen Autoren ist aber auch von „selbstständigen Flexiven“ die Rede. Römer (2006, S. 35) nennt so die Artikelformen (das Haus) und auch „Hilfsverben“ wie hat in hat gebracht.

Häufig treten die Flexionsmorpheme allerdings weniger prägnant hervor als in den bisherigen Beispielen, und ihre Bedeutung oder grammatische Funktion ist nicht immer klar. Das Suffix -en z. B. ‚bedeutet‘ je nach Wortart und Kontext Verschiedenes (s. Tab. 3), es ist also uneindeutig.

Tab. 3:   Multifunktionalität des Morphems -en

-en in grammatischen Formen
Beispiel
Infinitivform eines Verbs
bauen
1. Person Plural einer Verbform
wir bauen
3. Person Plural einer Verbform
sie bauen
Plural bestimmter femininer Nomina
Frauen
Adjektiv im Genitiv Sg. / Pl.
des bekannten Dichters
Adjektiv im Akk. Sg. / Pl.
den / die bekannten Dichter
Adjektiv im Nom. Pl.
die bekannten Dichter
Adjektiv im Dativ Pl.
den bekannten Dichtern

Dieses Suffix tritt offensichtlich bei den Adjektiven besonders häufig auf und gilt als „schwache“ Endung. Worauf bezieht sich die Unterscheidung stark / schwach hier? Adjektive passen sich nicht nur der Flexion eines Nomens an, die Auswahl des passenden Morphems ist auch noch vom Artikelwort bzw. dessen Funktion abhängig:

B3
ein bekannter Dichter
(-er = starke Endung nach schwachem Artikel)
der bekannte Dichter
(-e = schwache Endung nach starkem Artikel)

Im Anschluss an W. Admoni spricht man dabei von Monoflexion.[ 12 ] Der Wortbestandteil „mono“ bezieht sich darauf, dass der strukturell-grammatische Indikator nur einmal ausgedrückt wird, und zwar so früh wie möglich. Damit ist gemeint, dass Adjektive immer dann „starke“ Formen annehmen, wenn Genus, Kasus und Numerus nicht schon vorher am Artikelwort ausgedrückt wurden, also etwa bei Artikellosigkeit oder nach indefinitem Artikel wie ein (s. B3). Diese indefinite Artikelform ist deshalb „schwach“, weil sie keinen Kasus verdeutlicht. Definite Artikel wie der verdeutlichen Kasus und Numerus und ziehen daher eine schwache, neutralisierte Adjektivform nach sich.[ 13 ]

Nach heutigem Stand werden mehrere Typen und mehrere Mittel der Flexion unterschieden, die in Abb. 1 zusammenfassend dargestellt sind. Nach strukturalistischer Gewohnheit wird das (Nicht-)Vorhandensein von Merkmalen mit den Zeichen + und – markiert.

Abb. 1:   Übersicht über die Flexionsarten und Morphemtypen [ 14 ]

Abbildung 1

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8.3   Die heutige Wortartenlehre

In diesem Teilkapitel sollen einige neuere Wortarten(vorschläge) kurz vorgestellt werden, um zu verdeutlichen, welche Kritik darin umgesetzt wird. Zuvor wird eine „alte“ Wortart (Substantiv) mit didaktischer Perspektivierung vorgestellt. Am Beispiel der neuen Wortklasse Deixis wird der Weg dahin von der Kritik der Kategorie Pronomen her beschrieben. Die Wortart Verb wird wegen ihrer großen Bedeutung für die Satzbildung zusammenhängend in Kap. 10 vorgestellt.

8.3.1   Die Wortart Substantiv im Blick des Sprachlerners

Die Wortart-Kategorie [ 15 ] Substantiv ist eine offene Klasse. Das bedeutet, dass die Menge der Substantive, bedingt durch Entlehnungen und durch die Ausdehnung der fachsprachlichen Wortschätze, immer wieder erweitert wird. Die Substantive gelten zu Recht als die Wortart, deren Elemente den Inhalt einer Rede und besonders eines Textes am stärksten prägen.[ 16 ] Im primären Spracherwerb sowie zu Anfang des Fremdsprachenerwerbs ermöglicht die Kenntnis eines einzelnen Wortes bereits eine Thematisierung, die vom Adressaten situativ interpretiert werden kann (vgl. zum Thematisieren Hoffmann 2016, Kap. C5).

Dass es im Deutschen drei Formtypen der Substantive gibt – Maskulinum, Femininum, Neutrum – nehmen Sprachlerner oft als Artikelproblem wahr. Linguistisch korrekt gesagt, geht es hier um eine lexikalisch-grammatische Eigenschaft der Substantive, um ihr Genus (Plural: Genera). Adjektiv und Artikel haben dagegen kein eigenes Genus, sondern passen sich dem Genus des Substantivs jeweils an. Anders als z. B. in den romanischen Sprachen ist das Genus am Wort selbst nur dann klar erkennbar, wenn ein typisches Suffix wie -heit oder –ung vorhanden ist; einsilbige Wörter des Grundwortschatzes wie Milch, Berg, Tisch haben keine genustypische Form. Das Genus ist also eine inhärente Eigenschaft, die am Artikel und am Adjektiv deutlicher als am Substantiv selbst erkennbar ist.

Traditionell wurden natürliche Geschlechtsunterschiede als (historische) Basis für das grammatische Geschlecht angesehen. Das ist aber nicht richtig. Schon in der germanischen Sprache hatte das Genus der Substantive andere Funktionen als die Geschlechts-bezeichnung, z. B. die Kennzeichnung von Abstrakta und Kollektivbezeichnungen. Das Genus eines Substantivs kann daher auch im Widerspruch zum biologischen Geschlecht stehen. Einige immer wieder zitierte Beispiele dafür zeigt Tab. 4.

Tab. 4:   Verhältnis von natürlichem und grammatischem Genus (Beispiele)

der Lehrer / die Lehrerin
Genuswechsel mit Geschlecht
das Mädchen
weibliches Kind
die Drohne
männliche Biene
die Maus, die Ente, das Huhn
geschlechtsunspezifische Tierbezeichnungen

Aufgrund der Flexionseigenschaften steht jedes Substantivlexem mit seiner Grundform (engl. type) für eine Menge von Wortformen [ 17 ], die den grammatischen Kategorien Kasus (Plural: Kasus) und Numerus (Plural: Numeri) angehören. Die Kasus sind bereits ein Hinweis auf syntaktische Eigenschaften der Substantive (vgl. Kap. 9). Die insgesamt acht Formen jedes Substantivs, die allerdings nur z. T. morphologisch verschieden sind, bilden ein sog. Paradigma. Während Singular- und Pluralformen der Substantive im Allgemeinen gut unterscheidbar sind, sind die Kasusformen durch die Abschwächung der germanischen Endsilben oft verschwunden oder sie sind polyfunktional. Vor allem bei den Feminina besteht im Singular keine Kasusunterscheidung mehr. Die historische Morphologie nennt das eine „Kasusnivellierung“ bei einer parallelen Stärkung (Profilierung) der Numerusformen.[ 18 ]

Für Sprachlerner bedeutet das, dass sie allmählich die prägnanten Wortformen erwerben sollten, bei manchen Substantiven die Dativform (dem Menschen) und generell die Genitivformen der Maskulina und Neutra (des Menschen, des Raums). In der Untersuchung von Lernersprache (im Rahmen der Erwerbsforschung oder der „Fehlerlinguistik“) ist meist von einer Genuszuweisung durch die Sprecher die Rede. Viele Publikationen befassen sich damit, z. B. Engelen (2007).[ 19 ]

Aufgrund der Wortbildungsmöglichkeiten des Deutschen hat das Substantiv Berührungspunkte mit den anderen Wortarten, soweit sie nominalisiert werden können. Das gilt auch für die Zahlen – in der früheren Wortartenlehre Numeralia – wie „hundert“ und „tausend“. Sie waren früher Substantive, wurden durch die Kleinschreibung und den Verlust morphologischer Kennzeichen an die anderen Zahlen angeglichen, können aber daneben auch noch substantivisch verwendet werden: die Leiden Tausender Anwohner bzw. die Leiden von Tausenden von Anwohnern.

Substantive werden traditionell nach ihren semantischen Eigenschaften in Konkreta oder Abstrakta eingeteilt. Diese Einteilung ist grammatisch relevant, aber erläuterungsbedürftig. Das sog. Konkretum ist ein durchaus allgemein zu verstehender Gattungsname oder Gattungsbegriff. Wirklich konkretisiert wird es erst durch die bezeichnende oder benennende Verwendung für konkrete Gegenstände (das Referieren). Der Begriff „Gattung“ ist hier logisch zu verstehen, im Sinne einer Klasse (zugleich einer Menge) von gleichartigen Gegenständen oder Phänomenen. Das bedeutet: Ein Substantiv wie Buch ist sowohl abstrakt (als Begriff, vgl. Kap. 5) wie auch konkret, wenn man damit ein bestimmtes Buch anspricht. Als Begriff kann Buch auch durch Hyponyme konkretisiert werden:

allgemeiner Gattungsbegriff:
Buch
konkretere Gattungsbegriffe:
Taschenbuch, Sachbuch, Tagebuch, Schulbuch …

Der Gattungsname wurde traditionell einer anderen Gruppe von Substantiven, nämlich den Stoffnamen (Stoffbezeichnungen) gegenübergestellt, die sich wegen des besonderen Charakters der Stoffe sprachlich anders verhalten:

Tab. 5:   Stoffbezeichnungen

Stoffbezeichnung
ontologisch-semantische Gemeinsamkeit
grammatische Eigenschaften
Holz, Salz, Brot, Plastik, Wasser, Stahl
Material, ohne feste Aus­dehnung, wird nicht gezählt

–   nicht mit unbe­stimmtem Artikel

–   nicht im Plural verwendbar

Da ein Stoff keine zählbaren Einheiten besitzt, erscheint es als unlogisch, von einem Wasser zu sprechen – es sei denn, man unterstellt bestimmte Maße oder Gefäße (ein Liter Wasser, ein Glas Wasser). Das gilt auch für Geld. Es kann natürlich gezählt werden, aber die Zählung bezieht sich auf Münzen und Scheine als abgeteilte Einheiten; das Geld als Wertgegenstand bleibt aber ein Abstraktum, den Stoffbezeichnungen ähnlich. Andererseits ist der sog. Artenplural zu berücksichtigen. So kann eine Bank Gelder verwalten, wobei Geldbeträge mit verschiedener Herkunft oder Bestimmung gemeint sind, keineswegs die einzelnen Münzen und Scheine, die ihr Besitzer dafür von der Bank bekommen kann. Ebenso kennt der Fachmann Stähle und Sände im Sinne von Sorten. Grammatisch werden die Stoffnamen also so wie Abstrakta behandelt, die ebenfalls keine Pluralform haben und in vielen Fällen artikellos auftreten:

B4
Wer genug [ Zeit ] hat, kann [ Sport ] treiben.

Diese grammatischen Eigenschaften sind allerdings nicht fest an das Wort gebunden, sondern an bestimmte typische Verwendungen des Wortes. Das Abstraktum Zeit wird z. B. mit einer anderen Deutung pluralfähig: Man spricht von Zeiten im Sinne von Epochen oder Lebensphasen. Für Sprachlerner ist es wichtig, solche Unterschiede an Substantiven wahrzunehmen und zu verstehen. Ein relevanter Teil der Probleme bei der Wahl des passenden Artikels ergibt sich daraus.

8.3.2   Neue Wortklassen

Ludger Hoffmann spricht im Einklang mit der „Grammatik der deutschen Sprache“ (Zifonun / Hoffmann / Strecker 1997, im Folgenden mit GdS abgekürzt) von Wortarten und interaktiven Einheiten. Im Institut für deutsche Sprache hat man besondere Fortschritte bei der Sichtung und Neuklassifizierung der nicht flektierbaren Wörter erzielt und auch einige sprachliche Elemente einbezogen, die früher nicht als Wörter galten, etwa das Hörersignal HM, das wichtige Aufgaben in der Interaktion wahrnimmt (vgl. Kap. 16.2).[ 20 ] So entstanden viele neue Einteilungsvorschläge für den Bereich der Partikeln, womit lange Zeit alle unflektierbaren Wörter gemeint waren. Nach rund 40 Jahren einer in Deutschland besonders intensiven Partikelforschung [ 21 ] reagierte die Duden-Grammatik 2005 mit einer Neugliederung.

Tab. 6:   Partikelarten laut Duden-Grammatik [ 22 ]

Wortart oder -klasse
Beispiele
Gradpartikel
ziemlich, sehr
Fokuspartikel
sogar, besonders
Abtönungspartikel
spezielle Funktionen von schon, aber, vielleicht
Negationspartikel
nicht
Gesprächspartikel
ja, naja, nun, hm

Zu den Gradpartikeln gehören nicht nur abstufende und graduierende Wörter („Steigerungspartikeln“ nach Helbig / Buscha), sondern viele Autoren meinen damit Wörter, die dem Hörer / Leser eine Fokussierung deutlich machen. Ein bestimmtes Satzglied kann damit herausgehoben werden, wie in (B5):

B5
[ Nur einer ] hat die Wahrheit gesagt.
[ Besonders meine Freundin ] hat den Ausflug genossen.

Sie werden deshalb auch oft als Fokuspartikeln bezeichnet. Die Duden-Grammatik trennt die beiden Funktionen deutlich. Die Benennung „Abtönungspartikel“ stammt von Harald Weydt (1977), der anhand des Sprachvergleichs entdeckte, dass das Deutsche besonders viele Partikeln besitzt, die auf Sprechereinstellungen und Situationselemente Bezug nehmen und auch an Hörererwartungen anknüpfen können. Im Verlaufe der nachfolgenden intensiven und detailreichen Erforschung zogen manche Autoren die Benennung „Modalpartikeln“ vor. Deren Nachteil ist, dass der Wortstamm „modal“ eigentlich anders festgelegt ist (vgl. Kap. 10), so dass es zu terminologischen Unklarheiten kommt. Ein Beispiel mit Abtönungspartikel gibt (B6).

B6
A:   Peter ist noch nicht da.  –  B:   Wann kommt er denn?

Die Schwierigkeit besteht bei dieser Wortklasse darin, dass es sich nicht um eine Wortart handelt, sondern dass Einheiten anderer Wortarten – denn kann sowohl Konjunktor wie Adverb sein (Es sei denn, dass …) – mit veränderter Semantik auftreten. Die Abtönungspartikel denn steht beispielsweise nur in Fragesätzen und signalisiert dem Hörer, dass in der Sprechsituation eine kommunikative Abweichung oder Störung besteht oder zumindest droht (vgl. Redder 1990). Im Beispiel oben ist der Sprecher B ungeduldig, da Peter bereits erwartet wird. Die Gesprächspartikeln werden in Kap. 15 behandelt.

Eine andere Neuerung verdankt sich der lange schon existierenden Kritik an der Wortart Pronomen (s.u.). Eine neue Wortklasse namens Artikelwort (Helbig / Buscha) bzw. Determinativ (GdS) hat sich bereits in vielen Grammatiken durchgesetzt, um eine syntaktische Gemeinsamkeit zwischen Artikeln und Wörtern aus dem ehemaligen Pronomenbereich abzudecken (B7).

B7
a)   die / diese / alle / unsere … eben angekommenen Gäste
b)   Das ist ein / kein / irgendein neues Problem.

Es geht hier um Wörter, die an gleicher Stelle wie ein Artikel auftreten können, kein, mein und dein, manche, diese, alle etc. Gemäß Schulgrammatik gehören sie den Possessivpronomina, den unbestimmten Zahlwörtern oder anderen Gruppen an. Kap. 11 erklärt aus der Grammatik der Nominalphrase heraus, welchen Sinn diese neue Klassenbildung hat. Eine Kritik der Kategorie Artikelwort bietet W. Thielmann.[ 23 ]

Terminologische Differenzen in der Grammatik werden oft kritisiert, sie gelten als Störung und Verunsicherung beim Erwerb der grammatischen Terminologie. Sie entstehen aber meist aus dem Versuch, sinnvollere, die Eigenschaften der sprachlichen Mittel besser treffende Einteilungen und Bezeichnungen zu finden. Die Sprachdidaktik ist von großer Bedeutung gerade für die grammatische Theorie, oft mit Blick auf didaktische Vorteile und erhoffte Verbesserungen. Eine Vorstellung der neueren Wortartentheorie mit pragmatischem Hintergrund gibt das „Handbuch der deutschen Wortarten“, hrg. von Hoffmann (2007). Überlegungen zur Ersetzung der lateinischen Terminologie durch eine neue enthält der Beitrag von Dürscheidt (2010).

8.3.3   Deixis und Anapher

8.3.3.1   Vom Pronomen zur Deixis

Zwar wird der Ausdruck „Pronomen“ meist im Sinne von „steht für ein Nomen“, also wie eine syntaktische Aufgabe des Pronomens gedeutet. Er entstand aber in der griechischen Klassik mit anderer Bedeutung. Zugrunde liegt das altgriech. Wort prosopon für die Rolle (auch: die Maske) des Schauspielers. Das Theater lieferte somit das ursprüngliche Modell für den Gebrauch der „Personalpronomina“ ich und du. Das wurde verallgemeinert und übertragen auf alle Wörter, die „für Namen“ stehen. Ein großer Teil der Pronomina sind – nicht nur im Deutschen – sehr alte Wörter, die auf die indogermanische Sprache zurückgehen, etwa die Fragewörter oder Interrogativa. Im Laufe der Grammatikgeschichte wurde die Wortart Pronomen aber immer mehr erweitert, bis schließlich auch viele (unbestimmte) Zahladjektive, laut GdS Quantifikativa, (einige, alle, der erste / Erste etc.) zu den Pronomina gerechnet wurden. Tab. 7 gibt eine Übersicht.

Tab. 7:   Traditioneller Ausdrucksbestand der Pronomina (Beispiele)

Interrogativpronomina
wer, wessen, welcher, wo …
Personalpronomina
ich, du, er/sie/es …
Possessiva
mein, dein, sein …
Reflexiva
sich, mich, dich …
Relativpronomina
der, die, das; welcher …
Demonstrativa
der, die, das, derjenige, dieser, derselbe, so, solch …
Indefinita
einer, irgendeiner, etwas, man, jemand, irgendwo …

Trotz der Erweiterungen galt das Pronomen als eine geschlossene grammatische Klasse. Die Definitionen des Pronomens wurden aber seit dem 17. Jh. als unklar und widersprüchlich kritisiert. Man vermisste ein einheitliches Merkmal, denn die Elemente dieser grammatischen Klasse sind weder semantisch noch morphologisch noch syntaktisch einheitlich. Einige sind deklinierbar, einige treten im Satz selbstständig als Satzglied auf (z. B. ich), andere nur vor Nomen (wie mein) oder sie wechseln zwischen beidem (wie etwas). Der größte „gemeinsame Nenner“ schien seit Donatus die syntaktische Bestimmung zu sein, dass ein Pronomen ein Nomen (mit seiner Wortgruppe) ersetzen könne. Aber diese Funktion erfüllen nicht einmal die primären und historisch ersten Mitglieder der Klasse, die Personalpronomina, auch nicht solche Wörter wie man oder etwas (vgl. Graefen 2007). Es sieht so aus, dass die Wortartenlehre bestimmte Merkmale ausgeblendet oder übersehen, andere übergeneralisiert hat.

8.3.3.2   Eine neue Wortklasse

Einen Ansatz zur Korrektur bietet die Deixistheorie von Karl Bühler (1934). Deixis – das ist kein Terminus der Schulgrammatik, obgleich die Wörter ‚Zeigen‘ und ‚Zeigwort‘ schon in der altgriechischen Grammatik benutzt wurden (Wortstamm: deix- oder deikt-). Erhalten blieb aber nur die lat. Wortartbezeichnung Demonstrativpronomen. Der Sprachpsychologe Bühler griff zwecks Kontrast auf das Altgriechische zurück, um eine Bezeichnung für eine wesentlich größere Wortgruppe zu finden. Als Termini sind heute sowohl Deixis (Plural: Deixeis, Adjektiv: deiktisch) als auch Zeigwort in Gebrauch. Konrad Ehlich hat in verschiedenen Schriften diese Deixistheorie aufgegriffen und weiterentwickelt, was zu Modifikationen und Erweiterungen führte. Das Zeigfeld ergibt sich aus einem Bedürfnis der Sprecher (ebenso der Hörer): Sie wollen Gegenstände und Sachverhalte, die in der gegebenen Sprechsituation sinnlich wahrnehmbar sind, sprachlich leicht und schnell verfügbar machen. Dazu gehört auch ein nur indirekt erfahrbarer Sachverhalt, nämlich die aktuelle Zeit, das Jetzt des Sprechers. Ein relevanter Teil der Pronomina gehört in den Bereich der Deixis, aber auch einige Adverbien:

jetzt – dann – damals; hier – da – dort; so

Insgesamt sind es über hundert Wörter des Deutschen, die zur Gruppe der Zeigwörter (Deixeis) zählen. Ihre Anordnung ergibt sich aus den Dimensionen des Zeigens (vgl. Tab. 8). Was Bühler besonders hervorhob, ist ihre nichtsymbolische Funktion: Was der Ausdruck ich ‚bedeutet‘, ergibt sich nur konkretsituativ, es steht nicht lexikalisch fest, wie das beim Wort Tisch oder bei gelb der Fall ist.[ 24 ] Die personenbezogenen Zeigwörter (Personaldeixis) entsprechen damit der Tatsache, dass die Rollen von Sprecher und Hörer sich mit jedem Sprecherwechsel ändern. Für alle deiktischen Ausdrücke ist eine solche flexible Anpassung an die Sprechsituation charakteristisch. Der deiktische Ausdruck jetzt verweist auf den Zeitpunkt oder Zeitraum, in dem die Sprechhandlung erfolgt. Der Ausdruck gehört daher zur Temporaldeixis. Mit hier meinen wir den Ort, wo die Sprechhandlung geschieht (Lokaldeixis).

Besonders wichtig ist wegen der häufigen Verwendung die Gruppe der Objektdeixis. Der objektdeiktische Ausdruck dieser verweist auf Dinge oder Personen in der Sprechsituation, die also für die Beteiligten konkret, sinnlich wahrnehmbar sind. In mündlicher Rede entspricht dem Ausdruck dieser meist ein der. Durch diese Zeigwörter orientiert der Sprecher die Aufmerksamkeit des Hörers auf etwas Wahrnehmbares, seien es Dinge oder Personen. Oft wird der deiktische Ausdruck kombiniert mit einem Symbolfeldausdruck:

B8
Schau dir mal diesen Hund an!

Die Hörerorientierung hat immer einen ganz klaren, deixistypischen Ausgangspunkt, nämlich den Sprecher selbst. Bühler hat dies die Origo des Sprechers genannt. „Dieses Buch“ ist ein Buch, das präsent und sichtbar und bereits im Fokus des Sprechers ist, auf das der Hörer aber seine Aufmerksamkeit erst noch richten muss. Man spricht deshalb auch von einer Fokussierung: Mithilfe deiktischer Ausdrücke fokussiert der Sprecher die Aufmerksamkeit des Hörers auf das jeweils Gemeinte. So kommt eine gemeinsame Orientierung zustande, die in der Kommunikation genutzt werden kann. In allen Sprachen wird dabei eine Nah-Fern-Unterscheidung eingebracht. Nicht immer gibt es zwei klar zugeordnete Zeigwörter dafür. Warum stehen dem sprecherbezogenen Zeigwort hier nicht nur eine, sondern gleich zwei Ausdrücke für entfernte Orte gegenüber, nämlich da und dort? Auch zeigt sich, dass der Ausdruck jener, der ursprünglich in Opposition zu dieser stand, sprachhistorisch in den Hintergrund getreten ist. In der gesprochenen Sprache kommt er heute fast gar nicht mehr vor, wie es scheint, außer in festen Wendungen wie dieses und jenes (s.u.). In Texten scheint jener häufig durch derjenige ersetzt zu werden. Und zu dem Zeigwort so, das auf Eigenschaften und Aspekte verweisen kann, gibt es gleich gar keine Fernedeixis.[ 25 ]

Tab. 8:   Dimensionen des sprachlichen Zeigens (nach Ehlich 1987)

Dimension
Nähe
Ferne
Personen (sprachlich Handelnde)
ich
du
mein
dein
Ort
hier
dort
da
Zeit
jetzt
damals
dann
Objekte (Personen)
dieser
jener
derjenige
Aspekte an Objekten
so
---

Nicht nur die in Tab. 8 genannten Zeigwörter, sondern auch eine deutlich betonte Artikelform (vgl. B9b) wird mündlich als deiktisch verstanden. Der bestimmte Artikel hat sich historisch aus der Deixis entwickelt. Seine normale Funktion ist nicht das Zeigen, sondern er schafft einen Wissenszugang zum Nomen (vgl. Kap. 11).

B9
a)   Siehst du den (da)?
b)   Mit dem / diesem Anzug kannst du dich im Betrieb nicht sehen lassen!

Ein weiterer Typ ist die Aspektdeixis, dazu gehören so und die adjektivische Form solch-. Der Ausdruck so wird generell als Vergleichspartikel bezeichnet:

B10
Die Reise nach München dauert genau so lange wie die nach Hamburg.

Allgemein wird mit so an einem Objekt oder einer Person eine bestimmte Eigenschaft oder ein Aspekt in die Aufmerksamkeit des Hörers gebracht. Als adjektivische Form dient das Zeigwort solche. Auf welche Aspekte sich das Zeigen jeweils konzentriert, geht aus dem Gespräch oder Text, manchmal aus Zeigegesten hervor. Die Sprechervorstellung (der gemeinte Aspekt) wird verbal oft mit Hilfe eines Vergleichs oder einer Konsequenz verdeutlicht:

B11
A erzählt von einem Behördenbesuch:
„Ich musste so lange warten, ich konnte kaum noch stehen.“

Das Handbuch „Deutsche Wortarten“ (Hoffmann 2007) berücksichtigt die verschiedenen Deixisarten.

Der Fremdsprachenlerner braucht die deiktischen Ausdrücke früh, wenn er sich erfolgreich verständigen will. Das scheint einfach zu sein, weil er das „Funktionieren“ deiktischer Ausdrücke schon aus seiner eigenen Sprache kennt. Ich und du sind ihm z. B. schnell vertraut. (Man sollte allerdings nicht unterschätzen, dass Kinder längere Zeit brauchen, um die Sprecherbezogenheit der Personal- und Possessivdeixis zu verstehen.) Allerdings entsprechen sich die deiktischen Teilsysteme verschiedener Sprachen nur zum Teil, auch die Menge unterscheidet sich, erst recht die Frage der Deklinierbarkeit. Sprachtypologisch und kontrastiv stellen sich eine Reihe interessanter Fragen:

Wegen der Bedeutung für die alltägliche Orientierung sollten Lehrende und Lernende des Deutschen die deiktischen Elemente der eigenen und fremden Sprache sorgfältig miteinander vergleichen.

8.3.3.3   Abgrenzung der Anapher

Mit der Entdeckung der Personaldeixis ergibt sich eine Kritik der traditionellen „Personen“ des Verbs, denn die Formen der 1. / 2. / 3. Person bilden funktional keine Einheit. Die Pronomina er / sie / es sind keine Zeigwörter. Was mit ihnen konkret gemeint ist, ergibt sich aus sprachlichen Vorgängern in der Rede oder im Text, oft sind es bestimmte NP, manchmal auch Namen, die bereits thematisiert wurden und deren Thematizität nun quasi verlängert wird. Dafür hat sich die Bezeichnung Anapher etabliert.[ 26 ] Für den grammatischen Zusammenhang soll hier nur die neue Einteilung der Subjekttypen und damit der Verbformen vermerkt werden:

Tab. 9:   Personaldeixis und Anaphern

Funktion
Beispiel
Verweis oder Bezug auf
deiktisches
Sprecherdeixis
ich (komme)
Person im Zeigfeld
Subjekt
Hörerdeixis
du (kommst)
Person im Zeigfeld
anaphorisches Subjekt
Anaphern
er (kommt)
Beliebige Sache oder Person
(vorher symbolisch benannt)

Anders als bei der deiktischen Fokussierung lässt die anaphorische Fortsetzung das Thema eher im Hintergrund. Es bietet sich an, diese Funktionalität bei der Behandlung von Texten, also in Kap. 17, genauer zu erläutern.

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8.4   Grammatikalisierung

Allgemein versteht man unter Grammatikalisierung einen Veränderungsprozess, in dem lexikalische Bedeutung zugunsten grammatischer Funktionen mehr oder weniger verloren geht. Wenn man davon ausgeht, dass sprachspezifische Wortschätze sich allgemein einteilen lassen in lexikalische und grammatische Einheiten, stellt sich die Frage nach der Herkunft und Entwicklung der grammatischen „Zeichen“ (Nübling 52017, S. 220). Sehr häufig lassen sie sich zurückführen auf lexikalische, oft auf deiktische Wortschatzeinheiten. Je stärker ein Wort grammatikalisiert ist, umso mehr gehört es zum Zentrum der Sprache, zu ihrem innersten Bereich. Sprachhistorisch sind oft Jahrhunderte erforderlich, in denen mehrere Prozesse parallel oder versetzt ablaufen (vgl. Diewald 1997 und Szczepaniak 22011):

Die offenbar in allen Sprachen sehr früh entstandenen Zeigwörter waren eine wesentliche Quelle für grammatische Elemente.[ 27 ] Guy Deutscher (2011, S. 57) weist auf die Verankerung der lokaldeiktischen Adverbien in der ersten Zeit der Sprachentstehung hin:

„Die Wörter ‚hier‘ und ‚da‘ könnten den visuellen Verschiebemechanismus in die Sprache eingeführt haben, als sie sich von der physischen Geste emanzipierten und dann für sich allein die Bedeutungsverschiebung verkörperten.“

Im Deutschen entstanden die Formen des bestimmten Artikels und der Relativpronomina aus Zeigwörtern. In diesen grammatisch gebundenen Verwendungen verschwindet ihre deiktische Potenz allerdings nicht vollständig. Immerhin wird mit dem Artikel etwas Ähnliches wie ein Verweis auf Wissen (Determination) gemacht, und die Relativpronomina haben die nicht rein grammatische Aufgabe, den Nebensatz an ein Wort oder eine Wortgruppe im Hauptsatz ‚anzukoppeln‘. Als Beispiel nennt Nübling die Entstehung des Subjunktors dass aus einer Satzreihe mit Deixis:

„Aus der freien Fügung [Ich weiß das]: [Er kommt] entstand durch Reanalyse die Struktur [Ich weiß, dass er kommt].“ (2010, S. 223)

Betrachtet man nicht nur die Zeigwörter selbst, sondern auch die Kompositionen, in denen sie vorkommen, so fällt auf, dass da, hier und dort im Deutschen sehr häufig in Verbindung mit Präpositionen auftreten, auch mit hin und her, ebenfalls Adverbien, die als Richtungsdeixis gelten. Diese Gruppe umfasst interessante Bildungen wie

standardsprachlich:
hierbei, daneben, hinauf, herab; da-r-unter, hin-e-in u. a.
umgangssprachlich:
rauf, rüber, runter, rein, raus u. a.

Bei einigen dieser Wörter kann man eine (partielle) Grammatikalisierung vermuten, denn ein Teil von ihnen drückte ursprünglich lokale Verweise aus, bekam aber auch die Funktion eines satzverknüpfenden Konjunktionaladverbs (z. B. daneben). Ein anderer Teil der deiktisch basierten Wortbildungen wurde zum Subjunktor, der Sätze verbindet.

Tab. 10:   Deiktisch basierte Junktoren (Beispiele)

konjunktionale Adverbien:
damit, dazu, demzufolge, deshalb, darüber hinaus, somit
Subjunktoren:
da, dass, damit (final), seitdem …

Wenn man die Verwendung von z. B. damit und dazu genauer analysiert, zeigt sich, dass im Deutschen (und wahrscheinlich in vielen Sprachen) die deiktische Fokussierung eingesetzt wird, um Verweise und Relationen im Bereich gedanklicher Zusammenhänge auszudrücken. Deixis wurde somit im Deutschen seit dem 17. / 18. Jh. erfolgreich für den „Strukturausbau“ einer Sprache eingesetzt (vgl. Redder 2010), die noch von Martin Luther als „Bauernsprache“ mit großen Wortschatzdefiziten beurteilt wurde.

Ein anderes Beispiel ist die diachrone Veränderung im Bereich der Verben, die als Auxiliarisierung bezeichnet wird. Die Verwendung der Verben haben und sein für die Bildung komplexer Verbformen wie (Ich) bin gegangen (vgl. Kap. 10) führte dazu, dass ihre lexikalischen Bedeutungen verblassten und in den Tempora gar nicht mehr (bzw. nur als Hilfsverben) wahrgenommen werden. Allerdings existieren die Verben zugleich noch als „Vollverben“ weiter, so dass die Sprecher sich jederzeit an die Lexembedeutungen erinnern können.

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8.5   Die Morphologie als Ausgangspunkt der Sprachtypologie

Die Ausweitung und Differenzierung des Wissens über Sprachen führte auf der einen Seite zu Sprachtypologien, die die Unterschiede von Sprachen und Sprachfamilien herausarbeiteten, auf der anderen Seite zu der so genannten Universalienforschung. Wilhelm von Humboldts (1767–1835) Sprachphilosophie ist für beide Fragestellungen bis heute berühmt, und seine Sprachtypologie wird immer wieder zitiert. Humboldts Sprachtypologie stützt sich bei der Klassifikation auf strukturelle Ähnlichkeiten der Sprachen. Kaum eine Sprache enthält nach seiner Einsicht nur die Strukturen eines einzigen Typs. Je nach dem in einer Sprache überwiegend verwendeten Prinzip hat Humboldt fünf Haupttypen unterschieden:

Tab. 11:   Sprachtypen nach Humboldt

Flektierende Sprachen: Flexion ist, wie oben erläutert, die Formveränderung (Abwandlung) bestimmter Klassen von Wörtern nach bestimmten Kategorien, wie Kasus, Numerus, Tempus. Wesentlich ist dabei, dass das flektierte Wort sein „Lautgesicht“ nicht verliert. Bei der äußeren Flexion spricht man von einer Verschmelzung des Stamms mit dem Suffix, z. B. bei „(dem) Mensch-en“. Der Wortstamm bleibt dabei erkennbar. Das Suffix kann eine oder mehrere grammatische Bedeutungen haben. Es gibt in anderer Hinsicht oft große Unterschiede zwischen flektierenden Sprachen. Die arabischen Sprachen haben z. B. deutlich andere Lautsysteme. Das Arabische hat 58 Konsonanten, während Deutsch nur 20 besitzt; genau umgekehrt bei den Vokalen: Arabisch hat nur 6 Vokale gegenüber 16 deutschen Vokalen. Auch vollzieht sich die verbale Flexion in den semitischen Konsonantensprachen nach ganz anderen Prinzipien.

Isolierende Sprachen: Der isolierende Sprachbau zeichnet sich dagegen durch die Unveränderlichkeit der Wörter (Wortstämme oder Radikale) aus, es gibt daher auch keine Kongruenz von Wörtern im Satz. Flexion findet nicht statt, Ableitung spielt eine sehr geringe Rolle. Grammatische Verhältnisse werden z. T. gar nicht, z. T. anders ausgedrückt, besonders durch die Wortstellung und durch Hinzufügung selbstständiger Wörter, partiell werden Affixe eingesetzt, z. b. für die Pluralbildung. Im klassischen Chinesisch und Vietnamesisch sind Wörter einsilbige Morpheme, in der modernen Sprache gibt es allerdings zunehmend Zusammensetzungen, mit festen Regeln für die Wortfolge.

Agglutinierende Sprachen: Solche Sprachen verwenden sehr viele Affixe, was teilweise der Flexion ähnelt. Allerdings können mehrere Suffixe aneinandergereiht werden, und die Affixe sind nicht multifunktional. Das heißt, jedes Affix drückt nur eine einzige grammatische Information aus. Es findet normalerweise keine Verschmelzung statt. So entstehen auch keine multifunktionalen Suffixe wie das -en im Deutschen (s. oben). Die Stämme selbst sind unveränderlich, weisen also keine innere Flexion auf. Stattdessen reihen sich oft Ketten von grammatischen Morphemen mit festen Abfolgen aneinander. Die indoeuropäischen Sprachen sind nicht agglutinierend, wohl aber einige wenige europäische Sprachen, nämlich Türkisch, Ungarisch, Finnisch und Baskisch. Seit Humboldt ist man der Auffassung, dass alle Flexion historisch auf Agglutination zurückgeht, dass also ursprünglich selbstständige Wörter zusammengefügt wurden und dabei ihre eigenständige Bedeutung verloren. Von den 15 Kasus der finnischen Sprache wird ein Teil mit Hilfe von Präpositionen ins Deutsche übersetzt, z. B. talossa bedeutet im Haus (vgl. Hoffmann 1995). Als Beispiele für das agglutinierende Verfahren betrachten wir einen ungarischen und einen türkischen Ausdruck:

B12
társaságomban („in meiner Gesellschaft“):
      
tars-
asag-
om-
ban
Gesell(e)
schaft
Poss.pron.
Dativ
1. Person
+ Ortsbestimmung
B13
evimde („in meinem Haus“):
      
Ev-
im-
de
Haus
mein
in

Klassifizierende Sprachen: Manche Sprachen, besonders in Asien und Afrika, haben grammatische Klassifizierungen nach grundlegenden (semantischen) Merkmalen, etwa: menschlich / tierisch, Pflanze / Baum oder auch nach der Form von Objekten. Letzteres bedeutet, dass die Wortbildung auf die äußere Form von Gegenständen Bezug nimmt, also z. B. darauf, ob sie rund, länglich oder anders gestaltet sind. So entstehen Nominalklassen, die durch Klassenpräfixe gekennzeichnet werden. Im Satz wird den Wörtern, die syntaktisch mit dem Nomen zusammenhängen, dasselbe Klassenpräfix „angeheftet“. Ein Beispiel aus dem Kisuaheli, bei dem das Morphem ki für die längliche Form steht:

B14
kile
kisu
kikukuu („das alte Messer“)
das
Messer
alt

Auch andere, lautliche Kongruenzbildungen sind in dieser Sprache zu beobachten: In einer Wortgruppe wird z. B. das Pluralaffix eines Nomens von Artikel und Verb übernommen:

B15
watu
hawa
wamechoka
sana. (wa = Pluralaffix)
Menschen
diese
sind
müde

Inkorporierende Sprachen: Hauptmerkmal des inkorporierenden (oder: polysynthetischen) Sprachtyps sind sog. Satzwörter. Bestimmte Satzglieder werden vom Prädikat aufgenommen, man nennt das Verfahren Inkorporation. Wörter können dadurch sehr lang werden und den uns bekannten Wörtern sehr unähnlich sein. Ein Satz besteht oft aus nur einem oder sehr wenigen Wörtern. Zu diesem Typus werden das Grönländische, einige amerikanische Indianersprachen und die paläosibirischen Sprachen (etwa das sibirische Jukagirisch) gerechnet.

Eine andere, einfachere Einteilung der Sprachen ist die in synthetische und analytische Sprachen. Bei analytischem Sprachbau sind den einzelnen Bedeutungseinheiten der Sprache auch einzelne Wortformen zugeordnet, wie in Humboldts isolierenden Sprachen. Bei synthetischen Sprachen sind Bedeutungseinheiten innerhalb eines Wortes zusammengefügt oder verschmolzen (flektierende Sprachen). Noch stärker synthetisch als die deutsche sind die lateinische und die modernen romanischen Sprachen, z. B. das Spanische: Es verfügt zwar über Personalpronomen (yo, tu, el / ella …), aber diese werden nur in besonderen (betonten) Fällen, etwa bei Gegenüberstellungen, verwendet. Im Normalfall wird die Person durch die Verbflexion mit ausgewiesen: ich gehe wird mit voy, du gehst mit vas übersetzt.

Historisch betrachtet, hat die deutsche Sprache seit der althochdeutschen Zeit einen Teil seiner früher ausgeprägteren Morphologie verloren, auch die Wortstellung ist weniger frei als zu Beginn, so dass keine klare typologische Festlegung mehr möglich ist (Wurzel (1996). Beim Englischen sah bereits Humboldt Übergänge zu einer isolierenden Sprache.[ 28 ] Durch lautlich-grammatischen Wandel verlor es einen großen Teil seiner Flexion, was sich besonders an den Verbformen zeigt: Das Verb to go hat fast nur eine Präsensform für alle Subjekttypen, nämlich go, außer: he / she / it goes. Der Plural wird einheitlich durch das Suffix -s ausgedrückt. Die reinen Kasus der indoeuropäischen Sprachen existieren im Englischen nicht, es gibt nur Präpositional-„Kasus“. Die grammatische Ordnung des Satzes ist noch stärker als im Deutschen festgelegt. Sie wird oft mit der Formel „S – V – O“ (subject – verb – object) charakterisiert. Das Objekt steht also immer nach dem Verbausdruck. Allerdings ist die Wortstellung nur eine Erkennungshilfe, sie leistet keine „Klassifizierung“ der Satzteile, wie Humboldt feststellt. Wegen dieser grammatischen Vereinfachungen ist das Englische möglicherweise besonders gut als Spendersprache für die Bildung von Pidgin-Sprachen geeignet (vgl. Kap. 1). Dennoch ist die englische Sprache natürlich eine hoch entwickelte Literatur- und Wissenschaftssprache; sie kompetent und stilsicher gebrauchen zu lernen dauert wohl ebenso lange wie das Erlernen des Deutschen.

Die heutige sprachtypologische Forschung greift z. T. auf Humboldt zurück, manchmal wird kritisch eingewendet, dass es mehr, sinnvollere oder allgemeinere Parameter gebe, um Sprachen zu vergleichen. Zur Sprachtypologie auf heutigem Stand informiert Moravcsik (2013).

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[   1 ]Eine zusammenfassende Darstellung der bis zum 1. Jh. entwickelten Wortarten gab der griechische Grammatiker Dionysius Thrax.

[   2 ]Eine Ausnahme ist Peter Eisenbergs „Grundriss der deutschen Grammatik“ (42013).

[   3 ]Von griech. on = seiend und griech. logos = (u. a.) Lehre, also: Lehre vom Sein, vom Seienden.

[   4 ]„Jeder Begriff und jede Vorstellung, die in der Form eines Substantivs zum Ausdruck gelangen, werden als ein Ding, als etwas Dinghaftes, als eine Substanz (bei H. Glinz als Größe) aufgefasst.“ Admoni (1982, S. 87).

[   5 ]Knobloch (1992, S. 38).

[   6 ]Zu den heutigen Auffassungen der Hauptwortarten das „Handbuch der deutschen Wortarten“, hg. von Ludger Hoffmann (2007); zum Substantiv siehe Thielmann (2007).

[   7 ]Das zeigt sich an der Übertragung vieler lateinischer Begriffe auf andere Sprachtypen (sogar Chinesisch) und an Chomskys „Universalgrammatik“.

[   8 ]Admoni (1982, S. 63).

[   9 ]Ehlich, Konrad (2009) Zur Geschichte der Wortarten. In: Handbuch der deutschen Wortarten. Hg. Ludger Hoffmann. Berlin: de Gruyter, S. 51–94.

[ 10 ]Gerhild von Schuch (1996) spricht sogar von einem Wortartwechsel und sieht im Beispiel oben „gut“ als Adverb an.

[ 11 ]Eine ausführlichere Darstellung von Morphemtypen im Deutschen bieten Adamzik (2004, S. 120 ff.) und Römer (2006, S. 19–42).

[ 12 ]Der Begriff geht auf W. Admoni (1982) zurück.

[ 13 ]Es empfiehlt sich, diese Unterschiede an Formenparadigmen, also Tabellen, wie sie fast jede Grammatik bietet, genauer nachzuvollziehen.

[ 14 ]Abb. nach Ehlich (2007f).

[ 15 ]„Kategorie“ ist ein Ordnungsbegriff (bei Eisenberg (1986) ein „Mengenbegriff“) oder ein klassifikatorischer Begriff. Der Ausdruck ist zurückzuführen auf die griechische antike Sprachphilosophie, die die Grammatik aus logischer Perspektive betrachtete.

[ 16 ]Das war ein wichtiges Argument für die Beibehaltung der Großschreibung der Substantive.

[ 17 ]Die konkreten, flektierten Vorkommen eines Wortes werden im Englischen tokens genannt.

[ 18 ]Vgl. Nübling et al. (2006, S. 58 ff.).

[ 19 ]Vgl. Engelen, Bernhard (2007) Beobachtungen und Überlegungen zur Genuszuweisung bei Abstrakta. Mit einigen Bemerkungen zum DaF-Bereich. In: Redder, Angelika (Hg.) Diskurse und Texte. Festschrift Konrad Ehlich. Tübingen: Stauffenburg, In: S. 345–358.

[ 20 ]Vgl. Hoffmanns graphische Darstellung aller Wortarten im Internet: www.germanistik.tu-dortmund.de/~hoffmann/PDF/Wortarten.pdf.

[ 21 ]Vgl. Harden, Theo / Hentschel, Elke (Hgg.) (2010) 40 Jahre Partikelforschung. Tübingen: Stauffenburg.

[ 22 ]Übergangen werden hier die lautnachahmenden Wörter wie „schluchz“ und die sehr alte Wortart Interjektionen, von denen einige bei den Gesprächspartikeln auftauchen.

[ 23 ]Winfried Thielmann (2009) „Artikelwörter“ – grammatische Kategorienbildung und ihre Konsequenzen für die Sprachdidaktik. In: Zielsprache Deutsch 36/2, S. 51–67.

[ 24 ]Einige pragmatische Theorien sprechen bei ich / du von einer „Referenz“ auf Personen. Dabei wird allerdings der Situationsbezug, den Substantive nicht haben, ignoriert.

[ 25 ]Vgl. zu dem interessanten Wort so und seinen verschiedenen Funktionen Ehlich (2007d).

[ 26 ]Vgl. Consten, Manfred / Schwarz-Friesel, Monika (2007) Anapher. In: Hoffmann, Ludger (Hg.) Deutsche Wortarten. Berlin: de Gruyter, S. 265 ff.

[ 27 ]Vgl. B. Heine (2003) Grammaticalization. In: Joseph, B.D. / Landa, R. D. (eds.) The handbook of historical linguistics. Malden, p. 575–601.

[ 28 ]„Man könnte zwar hier die Einwendung machen, daß in fóu táo, Vater sagt, ebensowohl ein flectirtes Verbum liegt, als in dem Englischen they like. In der That giebt es in fast allen Sprachen, vorzüglich aber im Englischen, einzelne ganz Chinesische Phrasen. Allerdings ist der Unterschied dennoch in die Augen fallend, da like in andern Stellungen flectirt wird, und der Bau der ganzen Sprache an die grammatische Classificirung der Wörter gewöhnt.“ Humboldt (1826 / 1994, S. 131).

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