2.1.1 Standardsprachen des Deutschen
2.1.3 Regionale Erscheinungsformen des Deutschen
2.2 Sprachveränderung und Sprachgeschichte
2.2.1 Die indoeuropäische Herkunft
2.2.2 Die germanischen Sprachen
2.2.3 Sprachgeschichtliche Periodisierung des Deutschen
2.2.4 Die Anfänge der deutschen Sprache
2.2.5 Sprachentwicklung bis zur Neuzeit
2.3 Fremdsprachendidaktische Konsequenzen
Deutsch gilt als Erstsprache von ca. 92–128 Millionen Menschen und wird in verschiedenen Ländern Europas gesprochen.[ 1 ] Es ist eine der derzeit 24 Amtssprachen der Europäischen Union und bildet die „größte“ Sprache im westlichen Europa.[ 2 ] Im europäischen Raum besitzt Deutsch den Status einer internationalen Handels- und Verkehrssprache und findet in der europäischen Wirtschaftskommunikation auch oft als lingua franca Einsatz, d. h. als Sprache, die keine der kommunizierenden Personen als Erstsprache spricht: [ 3 ]
“Whilst English is the most commonly used foreign language it is clear that many other languages are commonly used for business. For example, German is much used by Polish companies; and French and Spanish by Portuguese companies. With the exception of Spain and Portugal, we see a very strong positioning of German as a major second lingua franca of European business.” (European Commission, ELAN-Studie, 2006, S. 11)
In Deutschland, Österreich und der Schweiz besitzt das Deutsche den Status einer kodifizierten Amtssprache. Als regionale Amtssprache dient es zudem in Italien (Südtirol), in Luxemburg und in Belgien. Außerdem wird Deutsch von verschiedenen Minderheiten in ca. 14 europäischen Staaten gesprochen. Die folgende Tabelle nennt die wichtigsten Länder, in denen die deutsche Sprache verbreitet ist:
Tab. 1: Deutschsprachige Länder [ 4 ]
Das Handbuch von Eichinger (2007) informiert über die sprachliche Situation deutsch-sprachiger Minderheiten in Ost- und Mitteleuropa. Einen Überblick über Deutsch als Minderheitensprache außerhalb Europas, in den USA, Südamerika, Namibia, Südafrika, Australien und ehemaligen Kolonialgebieten in der Südsee, geben Plewnia / Riehl (2018).
In den verschiedenen Ländern, aber auch innerhalb des deutschen Sprachgebiets, tritt die deutsche Sprache in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Man bezeichnet diese als Varietäten und erfasst damit Dialekte, z. T. auch andere Arten der Variation (s. Kap. 2.1.2). Die unterschiedlichen Sprachformen werden von einer durch Normentsprechung definierten Größe überdacht, die man als „Standard“ bezeichnet.
Aufgrund seines Status als einzige oder als weitere Amtssprache in verschiedenen Ländern wird das Deutsche (ebenso wie das Englische, Französische oder Portugiesische) als plurizentrische Sprache betrachtet. Dabei unterscheidet man zwischen „Vollzentren“ und „Halbzentren“ des Deutschen. Von einem „Vollzentrum“ spricht man, wenn sich eine Standardsprache bzw. Standardvarietät entwickelt hat, deren Besonderheiten in Wörterbüchern und Grammatiken kodifiziert sind. Eine Standardsprache bestimmt als abstrakte Norm den Sprachgebrauch im öffentlichen Kontext, insbesondere in formellen Situationen, offiziellen Texten oder Nachrichtensendungen. Beim Fehlen entsprechender Normierungen, etwa in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol, spricht man von nationalen „Halbzentren“ (Ammon et al. 2004).
In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich jeweils eigene standard-sprachliche Ausprägungen des Deutschen entwickelt. So stehen drei Varianten nebeneinander, die als gleichberechtigte Standardsprachen gelten. Sie überdachen unterschiedliche regionale Erscheinungsformen, deren Sprachgebiete wiederum nicht mit den Staatsgrenzen identisch sind, sondern diese oft kleinräumig unterteilen, aber auch überschreiten (s. Kap. 2.1.3). Die Standardisierung betrifft vorwiegend die schriftliche Sprache. Für das gesprochene Deutsch stellt sich die Situation hingegen anders dar. Hier geht man davon aus, dass es mit Ausnahme weniger Berufssprecher kaum „Standardsprecher“ des Deutschen gibt, sondern dass die Sprechweisen der Sprecher des Deutschen in einem variablen Zwischenraum anzusiedeln sind, der als Kontinuum zwischen den Polen „Standard“ und „Dialekt“ oder auch „Standard“ und „Umgangssprache“ beschrieben werden kann.
Das „Variantenwörterbuch des Deutschen“ (Ammon et al. 2004) erfasst lexikalische Unterschiede zwischen den verschiedenen Standardsprachen in den Vollzentren Österreich, der Schweiz und Deutschland. Zudem wurden auch der Sprachgebrauch in den Halbzentren und lexikalische Varianten im jeweiligen Sprachgebiet berücksichtigt. Das Wörterbuch ermöglicht das Nachschlagen und den Vergleich eines Wortes wie z. B. Paradeiser, das in Teilen von Österreich in Gebrauch und eine Variante des Lexems Tomate ist. Zudem wurden auch einige Wendungen aufgenommen. So entspricht der Redewendung „Da beißt die Maus keinen Faden ab.“ z. B. die schweizerische Variante „Das schleckt keine Geiss weg.“ [ 5 ] Der Ausdruck angefressen sein hat im deutschen und österreichischen Deutsch z. B. die Bedeutung „verärgert, wütend sein“, im schweizerischen Deutsch hingegen die Bedeutung „begeistert sein“. Entsprechend werden Hobbyköche dort auch als Angefressene der Küche bezeichnet.
Neben solchen lexikalischen Differenzen finden sich zudem einige Unterschiede im Genus bestimmter Wörter und in der Wortbildung.
Sprachen sind keine statischen, homogenen Größen. Kein Sprecher wird jemals „die deutsche Sprache“ als Ganzes beherrschen, und jeder Sprecher (natürlich auch Schreiber) verfügt über einen jeweils individuellen Ausschnitt daraus. Der Begriff „Variante“ bezeichnet ein linguistisches Merkmal, das sich in einem Sprachgebiet in mehreren Ausformungen findet. Dies können verschiedene Wörter für denselben Gegenstand oder Sachverhalt sein (z. B. Brötchen – Semmel), aber auch andere phonetische Lautformen (z. B. das – dat) oder Grammatikstrukturen. Verschiedene sprachwissenschaftliche Disziplinen und Ansätze beschäftigen sich mit dieser Varianz. Daraus hat sich die Variationslinguistik bzw. Varietätenlinguistik [ 6 ] als fachübergreifender, teils eigenständiger, teils integrierter Forschungszusammenhang entwickelt.
Die regionalen Formen des Deutschen wurden bereits früh in der Dialektologie thematisiert. Mit der Hinwendung der Linguistik zu Sprache in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang begann ab Mitte des 20. Jahrhunderts die neu entstandene Disziplin der Soziolinguistik, sich mit sprachlicher Variation zu befassen. Heutzutage fließen die verschiedenen Forschungsrichtungen in die Regionalsprachenforschung ein (s. Kap. 2.1.3). Methodologisch sind die genannten Disziplinen durch Empirie gekennzeichnet, d. h. sie untersuchen Sprache ausgehend von ihrem Auftreten, oft durch direkte Beobachtung (s. Kap. 4).
Eine Varietät lässt sich als Summe von Wortvarianten erfassen, die jede Varietät von anderen und von der Standardsprache unterscheiden. Im varietätenlinguistischen Sprachmodell geht man davon aus, dass Sprecher einer Sprache über mehrere Varietäten verfügen, zwischen denen sie bei Bedarf wechseln können (Schlaefer 2009). In diesem Zusammenhang spricht man auch von „innerer Mehrsprachigkeit“. Zwischen den verschiedenen Varietäten des Systems bestehen fließende Übergänge und Überlappungen.
Der Begriff „Varietät“ bezieht sich nicht nur auf Dialekte, sondern auch auf andere Arten von Varianz, die als Stil oder Register bezeichnet werden, also z. B. Differenzierungen wie „gehobene Sprache“, „Umgangssprache“ oder „Vulgärsprache“, auf Variationen in der Sprechweise verschiedener sozialer Gruppen und in Abhängigkeit von der Sprechsituation (s. ausführlicher Sinner 2014). Verschiedene Sprechweisen werden ausgehend von der Bezeichnung Dia-lekt auch als „Lekte“ bezeichnet. In der Spracherwerbsforschung wird der Ausdruck „Varietät“ für die vom Standarddeutschen abweichende Sprache von Deutschlernenden verwendet (Lernervarietät). Auch Fachsprachen werden oft als Varietäten betrachtet und als „Soziolekte“ bzw. „Gruppensprachen“ eingestuft.
Oft wird die so genannte „Jugendsprache“ als Beispiel für soziale Variation in der Sprache herangezogen. „YOLO – bist du swag wie Babo?“ übertitelte beispielsweise die Bild-Zeitung (2013) ihr „Jugendsprache-Quiz“.[ 7 ] Das „Pons Wörterbuch der Jugendsprache“ [ 8 ] führt u. a. Lexeme wie „abbitchen, abbrechen, abdümpeln, abfeiern, abferkeln, abgehen, abgespact, abkacken, abledern, ablöffeln, abpixeln, abschnitzeln, abstampfen“, „Assibratze“ oder „Aide!“ als jugendsprachlich auf. Einen historisch und soziolinguistisch orientierten Überblick zum Thema bietet Neuland (2010, 2018).
Unklar ist, von wem Jugendsprache eigentlich verwendet wird. Belege entstammen oft den gerade nicht von Jugendlichen gestalteten Medien. Empirische Untersuchungen zum tatsächlichen Sprachgebrauch von Jugendlichen untereinander sind bislang selten. Eine Reihe von linguistischen Arbeiten sind inzwischen zur Sprachverwendung von Jugendlichen vorgelegt worden, denen ein so genannter „Migrationshintergrund“ zugeschrieben wird. Linguistische Arbeiten erfassen die Sprechweisen in der peer group, zu der auch Jugendliche ohne „Migrationshintergrund“ gehören können, als „Türkenslang“ (Auer 2003), „Türkendeutsch“ (Kern / Șimșek 2006, Șimșek 2012) oder „Kiez-Deutsch“ (Wiese 2012); varietätenlinguistisch spricht man von Ethnolekt (Auer / Dirim 2004). Einige charakteristische Merkmale werden in Kap. 13.6 und 15.5 angesprochen; eine Übersicht geben Keim (2010) und Auer (2013).
Die Sprache von Jugendlichen wird z. T. als „transitorische“ (nur zeitweilig genutzte) Varietät aufgefasst. Aufgrund ihrer Anbindung an die Allgemeinsprache klassifiziert man jugendsprachliche Variationen gegenwärtig aber meist als „Stile“ und spricht ihnen den Status eigenständiger Varietäten ab (vgl. Neuland 2010). Sie können als ludischer (spielender) Umgang mit den Möglichkeiten des Sprachausbaus verstanden werden (vgl. Sinner 2014). Als aktuelle Tendenzen nennt Neuland (2010) innere Mehrsprachigkeit durch Stilmischungen sowie äußere Mehrsprachigkeit durch sprachengemischtes Sprechen (s. auch Redder et al. 2013 allgemeiner zu Mehrsprachigkeit in der Stadt). Ähnliche Phänomene können auch in anderen Sprachen und Ländern beobachtet werden.
Die insbesondere für Deutschlernende vielleicht interessanteste Frage zu sprachlicher Varianz betrifft die Vielfalt der regionalen Erscheinungsformen des Deutschen. So wird oft darauf hingewiesen, dass sich die Dialekte des Deutschen bis hin zur wechselseitigen Unverständlichkeit voneinander unterscheiden. Synonym zum Ausdruck „Dialekt“ wird oft der Ausdruck „Mundart“ verwendet. Einen ersten Höreindruck vermitteln einige Tonbeispiele in den digitalen Materialien.
Funktional werden Dialekte als „Vollvarietäten“ bestimmt, die der Standardsprache in einer diglossischen Situation gegenüberstehen. Dies unterscheidet sie von anderen Formen der regionalen Variation, wie sie weiter unten noch angesprochen werden.
Die Dialektlandschaft des Deutschen ist mittlerweile gut beschrieben. Für zahlreiche Gebiete wurden in den letzten Jahrzehnten von der Dialektgeographie umfangreiche, meist mehrbändige Sprachatlanten erstellt, deren Daten gegenwärtig überregional zusammengestellt und im Internet bereitgestellt werden. Die größte Ressource bildet das Projekt REDE (Regionalsprache.de). Die verschiedenen methodischen Verfahren und Ergebnisse der Dialektforschung werden bei Niebaum / Macher (2014) und Schmidt / Herrgen (2011) näher dargestellt (s. auch Kap. 4). Proben phonetisch transkribierter Dialekte des Deutschen geben Sperlbaum (1975) und Rues et al. (2007).
Die Dialektologie arbeitet methodisch mit verschiedenen Arten von geographischen Karten, die mit linguistischen Proben und Messungen verbunden sind. Linguistische Grenzen, die sich anhand eines sprachlichen Merkmals zwischen Gebieten ziehen lassen, bezeichnet man als „Isoglossen“. Die Unterschiede zwischen verschiedenen örtlichen Sprechweisen lassen sich somit über die Anzahl von Isoglossen erkennen, die bestimmte Gebiete voneinander trennen.
Geographisch-strukturell lassen sich für den deutschen Sprachraum zwei große Dialektgebiete aufweisen, denen verschiedene Dialektgruppen angehören. So wird zwischen niederdeutschen und hochdeutschen Mundarten differenziert, deren jeweilige Besonderheiten sprachgeschichtlich durch die so genannte „(alt)hochdeutsche Lautverschiebung“ gekennzeichnet sind (vgl. Kap. 2.2.4). Als berühmteste Isoglosse kann hier die „Benrather Linie“ [ 9 ] gelten, die den Umschlag von /k/ und /ch/ in den Wörtern maken und machen erfasst und quer durch Deutschland verläuft. Farbige Kartendarstellungen dieser und wieterer Isoglossen finden sich bei König (2007).
Der niederdeutsche Sprachraum umfasst die niederfränkischen, westniederdeutschen (Westfälisch, Ostfälisch, Nordniedersächsisch) und ostniederdeutschen Dialekte (Mecklenburgisch, Vorpommersch, Brandenburgisch, Märkisch). Die Dialekte lassen einen fließenden sprachlichen Übergang vom Deutschen zum Niederländischen erkennen, sodass man hier von einem „Dialektkontinuum“ spricht.[ 10 ] Oft bezeichnet man die niederdeutschen Dialekte auch als „Platt(deutsch)“ oder „Plattdüütsch“.
Im hochdeutschen Sprachraum werden mittel- und oberdeutsche Dialekte unterschieden. Zu den mitteldeutschen Dialekten zählen westmitteldeutsche (Ripuarisch, Moselfränkisch, Rheinfränkisch, Hessisch) und ostmitteldeutsche Dialekte (Thüringisch, Obersächsisch und Schlesisch). Die Gruppe der westoberdeutschen Dialekte umfasst verschiedene Dialekte des Alemannischen, die außer in Deutschland auch in der Schweiz gesprochen werden, u. a. Elsässisch und Schwäbisch, sowie das Süd- und Ostfränkische. Dem ostoberdeutschen Dialektraum gehören die bairischen Dialekte an, die in Deutschland und in Österreich gesprochen werden; hier unterscheidet man Nord-, Mittel und Südbairisch.[ 11 ]
Neben Kerngebieten eines Dialekts oder einer Dialektgruppe lassen sich zahlreiche Mischgebiete erkennen.
Der Ausdruck „Hochdeutsch“ führt manchmal zu Missverständnissen. Er dient umgangssprachlich oft als Synonym für „Hochsprache“ bzw. „Standard“ (s. auch (T8)
). In diesem Sinne spricht man oft von „gutem Deutsch“ oder „bestem Hochdeutsch“ im Gegensatz zum Dialekt. Hoch- und Niederdeutsch sind aber rein regionale Bezeichnungen, denn die hochdeutschen Dialekte werden im höhergelegenen Teil Deutschlands gesprochen, bis in den Alpenraum hinein. „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ – dieser Werbespruch einer Kampagne in Baden-Württemberg ist sachlich also falsch: Das Schwäbische gehört zu den so genannten „hochdeutschen“ Dialekten.
Wie steht es nun um das oft thematisierte „Aussterben der deutschen Dialekte“? Untersuchungen zeigen für einige Dialekte das genaue Gegenteil. Vergleicht man den Sprachstand verschiedener Generationen zu unterschiedlichen Zeiten, erweisen sich Dialekte oft als erstaunlich stabil: „Von einer auch nur tendenziellen Auflösung des Dialekts kann keine Rede sein“, fassen Schmidt / Herrgen z. B. die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zum Mittelrheinischen Sprachatlas zusammen (2011, S. 143). Der „Topos vom schnellen Absterben“, so argumentieren sie, geht zudem von einer falschen Grundvorstellung aus, die Dialekte als statische und nicht als dynamische Größen sieht, die als Sprache ständigen Ausgleichs- und Wandlungsprozessen unterliegen. Die im Verlauf der letzten 100 Jahre vorgelegten Untersuchungen lassen einen Einblick in die Dynamik des Sprachwandels zu.
So lassen sich gegenwärtig verschiedene Tendenzen ausmachen: Dialekte können sich unter Einfluss der Standardsprache und unter gegenseitiger Beeinflussung zu Regionalsprachen oder Regionalakzenten wandeln (s. unten), d. h. sich in ihren Kennzeichen abschwächen. Sie können sich aber auch in ihren Unterschieden festigen. Zudem können neue Formen entstehen (Schmidt / Herrgen 2011, S. 143).
Das Ausmaß, in dem Dialekte Ausgleichsprozessen unterliegen und in dem sie kommunikativ genutzt werden, ist regional unterschiedlich. Während für den Norden Deutschlands ein Wandel zu Regionalsprachen kennzeichnend ist, konstatieren Ammon et al. (2004) für den Süden Deutschlands, Österreich und die Schweiz eine diglossische Situation. In Süddeutschland wird Dialekt im privaten Bereich und in der nicht-öffentlichen Kommunikation am Arbeitsplatz verwendet. In Österreich ist ein fließender Übergang von standardsprachlichen zu dialektalen Sprechweisen auch im öffentlichen Sektor zu beobachten, wobei die Wahl der Varietät von verschiedenen sozialen und emotionalen Faktoren abhängt. In der Schweiz beschränkt sich nach Ammon et al. die Verwendung der Standardsprache auf Nachrichten und öffentliche Amtshandlungen und ist oft mit dem vorlesenden Vortrag verbunden. Der sprachliche Alltag ist in allen Lebensbereichen mit der Verwendung eines lokalen Dialekts verbunden. Ausgleichsprozesse zwischen Standardsprache und Dialekt sowie fließende Übergänge sind nicht zu beobachten.
Eine besonders interessante Frage, der die gegenwärtige Regionalsprachenforschung nachgeht, ist die nach verschiedenen „Graden“ von Dialektalität (s. dazu ausführlich Schmidt / Herrgen 2011). Bisherige Untersuchungen weisen auf eine mehrgliedrige Binnendifferenzierung in verschiedene Sprechlagen hin. Diese verteilen sich auf zwei Varietäten, die als „Dialekt“ und „Regiolekt“ bezeichnet werden. Die dialektale Varietät umfasst die Ausprägungen Basisdialekt (die standardfernste Form) sowie den so genannten Regionaldialekt, eine „abgemilderte“, großräumig eingesetzte Sprechlage. Der Regiolekt umfasst als standardnähere Varietät drei Sprechlagen, die sich durch stärker werdende Annäherung an die Standardsprache auszeichnen. Welche der Sprechlagen einzelne Sprecherinnen und Sprecher erwerben und nutzen, gestaltet sich unterschiedlich. Unter Umständen kann auch innerhalb eines Gesprächs zwischen mehreren Sprechlagen gewechselt werden. Einen Einblick in das Spektrum am Beispiel des Hamburgischen geben Schröder / Bieberstedt / Ruge (2016).
In verschiedenen Bundesländern ist die Beschäftigung mit regionalen Sprechweisen Bestandteil des schulischen sprachlichen Curriculums.[ 12 ] Zudem wird das Kontinuum zwischen Standard, regiolektaler und dialektaler Sprache von Lehrkräften im Unterricht verschiedener Fächer funktional genutzt. Entsprechend äußert sich der Lehrer im folgenden Tondokument.
Die sprachgenealogische Einordnung des Deutschen ebenso wie seine heutige Erscheinungsvielfalt stehen vor dem Hintergrund sprachhistorischer Entwicklungen, die bis in vorhistorische Zeiten hinein rekonstruiert worden sind. Ausführliche Darstellungen der Sprach- und Kulturgeschichte des Deutschen bieten unter anderem Stedje (2007), Sanders (2010) und Riecke (2016), eine Einführung in die Historische Sprachwissenschaft Nübling et al. (2016). Wir wollen im Folgenden nur einige „Stationen“ der Sprachgeschichte grob umreißen, die aus sprachkontrastiver und sprachtypologischer Sicht besonders interessant erscheinen.
Die überwiegende Zahl der Sprachen in Nord- und Südeuropa – bis hin nach Indien – wurde im 18. und 19. Jh. von der Vergleichenden Philologie (s. Kap. 3) als eine Sprachgruppe oder „Sprachfamilie“ erkannt. Ausgehend vom Altindischen [ 13 ] entdeckte man systematische Gemeinsamkeiten mit den alteuropäischen Sprachen und machte sich an die Rekonstruktion der vorhistorischen Grundsprache. Man fasste die verschiedenen Sprachen als „indogermanische“ bzw. „indoeuropäische“ Sprachen zusammen.[ 14 ]
Den indoeuropäischen Sprachen gehören verschiedene Sprachen an, die sich ihrerseits wiederum zum Teil zu größeren Sprachgruppen zusammenfassen lassen:
Einige ältere indoeuropäische Sprachen sind ausgestorben, z. B. Hethitisch (13.–8. Jh. v. Chr.), die älteste, in Keilschrift überlieferte indoeuropäische Sprache.
Die linguistischen Gemeinsamkeiten, die auffielen, liegen in zwei Bereichen: bei den Lexemen (a), im grammatischen Bau der Sprachen (b).
Tab. 2: Lexikalische Ähnlichkeiten in indoeuropäischen Sprachen [ 15 ] (ergänzt um Tonbeispiele) [ 16 ]
An einem anderen Beispiel: Das deutsche ich habe korrespondiert mit englisch I have, niederländisch ik heb und dänisch jeg har. Bei grammatischen Formelementen ist es kaum vorstellbar, dass sie entlehnt wurden. Übereinstimmungen in diesem Bereich sind daher noch überzeugendere Beweise für eine Sprachverwandtschaft als andere Wortähnlichkeiten. Sprachforscher haben aus solchen Sprachähnlichkeiten Teile des „Ur-Indoeuropäischen“ rekonstruiert. Es gibt z. B. gute Argumente für die Annahme, dass die idg. Form von „ich bin“ *es-mi war. (Das * kennzeichnet erschlossene Formen).
Es ist anzunehmen, dass es Indoeuropäer schon vor ca. 6.000 Jahren südlich des Kaukasus oder in Südosteuropa gab. Die Vermutung ist, dass noch im 4. Jahrtausend v. Chr. eine indogermanische Grundsprache gesprochen wurde. Es gibt heute eine Reihe von sicher erschlossenen Erkenntnissen über Sprache und Kultur der Indoeuropäer (vgl. Haarmann 2012). Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, verfügten bereits über die Technik der Töpferei und über Haustiere. Das spiegelt sich z. T. im gemeinsamen Wortbestand. Man geht davon aus, dass sie die Zeit nicht nach Tagen, sondern nach Nächten gezählt haben, was in den Namen von traditionellen Festen und im Wortschatz allgemein deutlich wird: „Weihnachten“, „Fastnacht“, „fortnight“.[ 17 ] Schriftliche Überlieferungen aus dieser historischen Zeit gibt es nicht. Die Sprachformen des „Proto-Indoeuropäischen“ [ 18 ] wurden aus Vergleichen verschiedener indoeuropäischer Sprachen rekonstruiert.
Der indoeuropäische Sprachtypus, so erkannte man, war ursprünglich durch ausgeprägte Deklinations- und Konjugationsformen gekennzeichnet. Einige der daraus entstandenen Sprachen haben diese Merkmale im Laufe ihrer Geschichte allerdings teilweise, andere in großem Umfang verloren.
Etwa ab 2000 v. Chr. setzten bei einigen Stämmen Veränderungen ein, die zur Ablösung der germanischen Sprachgruppe von der indoeuropäischen Grundsprache führten. Wahrscheinliche Ursache dieser Entwicklung war der Sprachkontakt mit einer nicht indoeuropäischen Bevölkerung etwa in der Gegend des heutigen Dänemark (vgl. Kap. 1.4). Nach Astrid Stedje sind das die folgenden Veränderungen:
Aus dem so genannten freien Akzent (auch musikalischer Akzent genannt) des Indoeuropäischen entwickelte sich im Germanischen langsam ein fester Wortakzent in Richtung auf die Akzentuierung der ersten Wortsilbe, wie er für die heutigen germanischen Sprachen typisch ist. Die erste Silbe ist häufig die Stamm- oder Wurzelsilbe. Keine Anfangsbetonung erhielten die Vorsilben [ 19 ] von Verben (be-, ent-, er- etc.) und die daraus abgeleiteten Wörter. Was „freier Akzent“ bedeutete, kann man sich an der Wortfamilie [ 20 ] um Musik klarmachen (akzentuierte Silben sind fettgedruckt):
Musik – Musiker – Musikalität – musikalisch – musizieren
In der indoeuropäischen Sprache waren die Endsilben klingende Silben; Plural und Kasusformen waren durch Vokalwechsel erkennbar. Auch die Stammvokale der Verben wechselten in den Zeitformen, was in vielen „unregelmäßigen Verben“ noch heute erhalten ist. Die Festigung des Akzents führte allmählich dazu, dass Endsilben und unbetonte Nebensilben in den folgenden sprachhistorischen Perioden vokalisch abgeschwächt wurden, z. T. auch ganz verschwanden (vgl. Kap. 2.2.4). In diesem Zusammenhang wurde auch das Kasussystem vereinfacht. So verschwanden im Germanischen Kasus, die sich in einigen anderen indoeuropäischen Sprachen gehalten haben: der Ablativ (z. B. im Lateinischen), der Vokativ, der Instrumentalis und der Lokativ (z. B. im Polnischen). Der Genitiv veränderte im Verlauf der sprachgeschichtlichen Entwicklung seinen Charakter: Ursprünglich war er ein grammatischer Kasus, mehr und mehr bekam er die Aufgabe, semantische Relationen anzuzeigen.
Die erste Lautverschiebung, auch „germanische Lautverschiebung“ genannt, wurde erstmals von Jacob Grimm beschrieben. Sie betraf die Verschlusslaute /b/, /d/, /g/ und deren stimmlose Varianten /p/, /t/ und /k/. Zum Teil fiel dabei auch eine Behauchung weg, z. B. das indogermanische /p(h)/. Um einige der Veränderungen zu verdeutlichen, ist es notwendig, zumindest teilweise eine Lautschrift zu verwenden:
So entwickelte sich aus dem altindischen Wort nábhas das lat. nebula, später das altsächsische nëbal bis hin zum hochdeutschen Nebel. Ein gutes Beispiel ist auch das indogermanische Wort [pakh], aus dem sich unser heutiges Wort „Fach“, lautschriftlich [faҳ] entwickelte. Auch das im Lateinischen als „pater“ vorhandene indoeuropäische Wort wurde im Anlaut verschoben zu /f/; es kam zum gotischen „fadar“, althochdeutsch „fater“; das deutsche Wort wird geschrieben „Vater“. Das lateinische Wort cornu geht auf ein indogermanisches Wort mit /k/-Anlaut zurück; im Deutschen wurde daraus Horn. Die germanische Lautverschiebung zog sich über einen langen Zeitraum hin. Man nimmt an, dass sie um 500 v. Chr. im Wesentlichen abgeschlossen war.
Die Konsonantenverschiebung trat nicht überall ein, wo sie zu erwarten war. In bestimmten Wörtern entwickelten sich stimmhafte Konsonanten, wo sich eigentlich ein stimmloses /f/, /Þ/ oder /ҳ/ (h oder ch) ergab. So enthielt das damalige Verb ziehen ein /ҳ/, die Form gezogen weist aber ein stimmhaftes /g/ auf. Erst seit 1875, aufgrund des „Vernerschen Gesetzes“, versteht man die scheinbaren Ausnahmen besser. Solche Konsonantenwechsel traten auf, wenn der vorhergehende indogermanische Vokal unbetont war. Auch die Konsonanten /s/ und /r/ stehen in einem solchen Verhältnis: frieren – Frost. Ein anderes Verbbeispiel ist schneiden – geschnitten. Jacob Grimm nannte dieses Phänomen grammatischen Wechsel (s. Kap. 3.2.2).
Die gemeinsame germanische Sprache war die Vorstufe der heutigen Einzelsprachen, u. a. Deutsch, Englisch, Niederländisch, Dänisch und Schwedisch. Sie ist allerdings kaum durch schriftliche Quellen belegt, sondern lediglich erschließbar durch übernommene Wörter, die in anderen indoeuropäischen Sprachen weiter existierten oder frühzeitig schriftlich fixiert wurden. Einzelne germanische Wörter sind in römischen Texten enthalten. Aus der spätgermanischen Zeit sind mit den Runeninschriften Dokumente erhalten. Sie stammen aus dem 4.–7. Jh. n. Chr., aber es sind nur sehr wenige, da diese Schrift nicht zum täglichen Gebrauch, sondern zu religiösen Zwecken diente.
Das sog. Gemeingermanisch wurde bis mindestens 500 v. Chr. gesprochen. Ab dann setzten Wanderungsbewegungen ein, die allmählich zu stärkeren sprachlichen Differenzen führten. Das 1.–5. Jh. n. Chr. war die Zeit, in der alle germanischen Stämme neue Siedlungsgebiete suchten, die Zeit der Völkerwanderung. Die gemeingermanische Spracheinheit löste sich in Stammesdialekte auf. Die germanischen Volksstämme haben also schon damals nicht mehr dieselbe Sprache gesprochen. Ihre Dialekte liegen den heutigen Nationalsprachen und deren dialektalen Varianten zugrunde. Auch ihre Stammesnamen sind zum großen Teil noch in heutigen National-, Regional- und Dialektbezeichnungen präsent: die Burgunder z. B. in der Region Burgund (franz. Bourgogne), die Baiern, [ 21 ] Franken, Sweben (heute Schwaben) und Sachsen in den entsprechenden deutschen Bundesländern.
Die Franken sind politisch und sprachhistorisch besonders interessant: Ihr Name bedeutet wörtlich ‚die Freien‘. So nannte sich ab dem 3. Jh. der Zusammenschluss einiger nieder- und mittelrheinischer Stämme.
„Überragende Bedeutung erlangen sie unter ihren überaus erfolgreichen Dynastien der Merowinger und Karolinger, die v. a. auf Kosten anderer Germanenstämme (…) das Frankenreich als Nachfolger der römischen Herrschaft installierten. Sie besiedelten das heutige Holland (dessen Nationalsprache, das Niederländische, auf niederfränkischer Grundlage beruht), Belgien (Flamen!) und Nordfrankreich (wo Wort- und Namenschatz starke fränkische Einflüsse zeigen), sowie die heute fränkischen und hessischen Dialektgebiete Deutschlands.“ (Schmidt 2000, S. 62)
Um ca. 500 n. Chr. wurden die germanischen Stämme allmählich sesshaft. Im 6.–7. Jh. n. Chr. finden sich deutliche Anzeichen für eine politische und sprachliche Auseinanderentwicklung, aber schriftliche Quellen über die damalige germanische Sprache (Wortlisten und kleine Texte) gibt es in größerer Menge erst seit der Zeit von Karl dem Großen in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Damit beginnt die Entstehungszeit der deutschen Sprache. Sie bildete sich als ein Konglomerat aus verschiedenen germanischen Stammessprachen (Dialekten), die zunehmend zu Territorialsprachen wurden. Das Wort deutsch entwickelte sich aus dem althochdeutschen Wort diutisk (zum Volk gehörig). Es wurde auf die Volkssprachen bezogen, zunächst in Abgrenzung vom Lateinischen, später gegenüber den romanischen Sprachen.
Tab. 3: Unterschiedliche Periodisierungen der Sprachgeschichte
Die Sprachgeschichtsforschung hat verschiedene Einteilungen in der Entwicklung der deutschen Sprache vorgenommen. Man nennt das eine Periodisierung. Je nachdem, welche Kriterien man für wichtig hält, ergeben sich verschiedene Phasen und Benennungen, die aber nicht im Widerspruch zueinander stehen. Jacob Grimm nannte die erste durch Schriftzeugnisse belegte Periode des Deutschen ab 750 „Althochdeutsch“. Diese Sprachform muss sich vor ihrer Verschriftung allmählich entwickelt haben. So kann man auch mit Schmidt das Jahr 500 n. Chr. als vermutlichen ‚Sprachanfang‘ betrachten (Ende der Völkerwanderungen). Tab. 3 ermöglicht den Vergleich von zwei Periodisierungen. Dabei ist generell zu bedenken, dass solche Phaseneinteilungen mit Vorsicht zu betrachten sind, weil sie eine Einheitlichkeit des Deutschen suggerieren, von der bis ins 19. Jh. hinein noch kaum die Rede sein kann (vgl. König et al. 2007, Schmidt / Herrgen 2011).
Die zunehmende Veränderung der verschiedenen deutschen Stammesdialekte in der Periode des Althochdeutschen war eng verknüpft mit einer weiteren Lautverschiebung, die Jacob Grimm als die zweite oder althochdeutsche Lautverschiebung (auch: „hochdeutsche“) bezeichnet hat. Die so zusammengefassten Phänomene hatten aber nicht dieselbe ‚Kraft‘ und Allgemeinheit wie die germanische Lautverschiebung. Die Veränderung (Beispiele in Tab. 4) fand nicht durchgängig in allen Lautkombinationen statt, auch in den hochdeutschen Dialekten trat sie nicht generell ein. Manche Änderungen hin zum heutigen Deutsch, besonders im Bereich der Vokale, fanden erst nach dem von Grimm genannten Zeitraum statt.
Tab. 4: Althochdeutsche Lautverschiebungen (Beispiele)
Die althochdeutsche Lautveränderung trennte die deutsche Sprache von anderen germanischen Sprachen, z. B. dem Niederländischen und Englischen, ab. Sie hatte ihr Zentrum im süddeutschen Raum und wirkte sich nach Norden hin ebenfalls aus. Dort fand sie aber nicht mit derselben Konsequenz statt, sondern erreichte nur die Sprachgebiete südlich der „Benrather Linie“ (vgl. Kap. 2.1.3).
Aus der zweiten Lautverschiebung ergeben sich verschiedene Unterschiede des (Hoch- und Standard-)Deutschen zu anderen germanischen Sprachen, die sich sprachhistorisch „rückübersetzen“ lassen:
Die althochdeutsche Lautverschiebung war etwa um 800 n. Chr. abgeschlossen (zog aber weitere Konsonanten- und Vokaländerungen nach sich). In dieser Phase wurden auch erneut Wörter aus dem Lateinischen übernommen, man spricht von der „zweiten lateinischen Welle“. Das älteste und vielleicht wichtigste Dokument des Althochdeutschen – gotische Dokumente wurden früher gefunden – ist ein lateinisch-deutsches Wörterverzeichnis (etwa 760 n. Chr.) mit dem Namen „Abrogans“ (so lautet der erste Worteintrag).
Durch die althochdeutsche Lautverschiebung wurden auch Wörter erfasst, die vor oder in dieser Periode aus dem Lateinischen übernommen worden waren. Zum Beispiel wurde das lat. Wort campus schon früh übernommen, und zwar im militärischen Bereich. Das /p/ wurde verschoben zu /pf/, es entstand das heutige Wort Kampf. Solche Wörter werden deshalb zum germanischen Erbwortschatz gerechnet. Bis in die mittelhochdeutsche Zeit hinein war Latein eine wichtige Quelle für den deutschen Wortschatz. Je früher die Wörter übernommen (entlehnt) wurden, umso mehr unterlagen sie denselben lautlichen Veränderungen wie der germanische Wortschatz, umso eher haben sie heute den Klang deutscher Wörter und sind auch in der Schreibweise „unauffällig“. Zum Beispiel war das früh übernommene lat. murus in mittelhochdeutscher Zeit von einer Diphthongierung betroffen, es entstand Mauer. Im Kontrast dazu sind viele deutlich später (z. T. über das Englische) übernommene lateinische Wörter, wie z. B. Kommunikation, expressiv, noch deutlich als Fremdwörter zu erkennen. Wenn man bedenkt, dass Latein noch weit über das Mittelalter hinaus Urkunden- und Verwaltungssprache, Kirchensprache und Wissenschaftssprache war, dann erstaunt dieser große Einfluss in mehreren „Wellen“ nicht.
Die Bezeichnung „Mittelhochdeutsch“ bezieht sich zusammenfassend auf einen Sprachstand im 11. bis 14. Jahrhundert (1050–1350), der bereits besser durch Schriftdokumente belegt ist. In dieser Zeit dient das Französische als Sprache des Hofes, die Volkssprache Deutsch erhält eine erste Ausprägung als Literatursprache im Minnesang, also als Dichtersprache an vielen Fürstenhöfen im deutschen Gebiet.
Linguistisch sind für den als Mittelhochdeutsch bezeichneten Zeitraum weitere phonologische und morphologische Abschwächungsprozesse kennzeichnend, die das Flexionssystem betreffen (s. Kap. 2.2.2). Ehemals volltönige, d. h. mit Vollvokalen wie /a/, /o/ oder /u/ ausgesprochene Endungen, werden nun stark reduziert bis hin zu abgeschwächten Lauten, wie sie auch für das heutige Deutsch charakteristisch sind (s. Kap. 13). Das Tempussystem erweitert sich, das Substantiv wird zunehmend mit einem Artikel versehen.
Die geschriebenen mittelhochdeutschen Texte basieren auf den weiterhin existierenden, nur gesprochenen Regionalsprachen. So sind die mittelalterlichen Quellen durch verschiedene Schreibungen gekennzeichnet, die später (u. a. durch wissenschaftliche Editionen) vereinheitlicht werden. Immer noch ist Latein die „überdachende Kultursprache“ (Schmidt 2000, S. 106), aber in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Funktionsbereichen erobert sich Deutsch allmählich seinen Platz. Sprachliche Ausgleichsprozesse, dokumentiert durch eine partielle Angleichung der damaligen Schriftsprachen, erkennt man erst im Spätmittelalter, weil über den Schriftverkehr der Kanzleien (Verwaltungen) mehrere überregionale Literatur- oder ‚Schreibsprachen‘ entstehen, die sog. Kanzleisprachen.
Für die folgende sprachgeschichtliche Periode des Frühneuhochdeutschen (1350–1650) sind weitere Umlautungsprozesse kennzeichnend. Für diesen Zeitraum charakteristische Veränderungen betreffen vor allem mittelhochdeutsche Diphthonge wie /uo/ oder /ue/, die in Langvokale überführt werden (z. B. guot – gut, liebe – Liebe). In der Schreibung <ie>, die heute für den Langvokal [i:] verwendet wird, hat sich der mittelalterliche Diphthong noch erhalten; die Schreibweise wurde später zudem auf andere Wörter übertragen, denen ursprünglich kein Diphthong zugrunde lag. Die Umlautungen wurden in den Dialekten in unterschiedlichem Ausmaß vollzogen. So weisen viele heutige Dialekte z. B. noch Diphthonge in Wörtern auf, die im Standarddeutschen mit Langvokal verbunden sind.
Die frühneuhochdeutsche Zeit bringt Vereinheitlichungsprozesse aufgrund zunehmender Wirtschaftsbeziehungen mit sich. Bereits aus dem 15. Jh. ist mit dem „Sprachbuch des Meister Jörg“ [ 22 ] auch ein erstes „DaF-Lehrwerk“ überliefert, das sich an venezianische Kaufleute richtet. Unterrichtet wird das so genannte „Gemeindeutsch“, die überregionale Form eines bairischen Dialekts, die entlang der Handelsroute von Deutschland bis in Regionen Italiens hinein gesprochen wird. Seit dem 16. Jahrhundert sind weitere Lehrbücher, z. B. aus Tschechien und Polen, überliefert.[ 23 ]
Die Erfindung der Technik des Massenbuchdrucks führt allmählich zu einer größeren Verbreitung geschriebener Texte. In dieser Zeit kommt es auch zu einer „dritten lateinischen Welle“, also vielen Übernahmen lateinischer Wörter, die vorwiegend den akademischen und wissenschaftlichen Bereich betreffen. Studenten und Professoren machen Examen an der Akademie, Patienten werden Rezepte ausgestellt, es wird multipliziert und konjugiert, Probleme werden gelöst (vgl. Stedje 2007). Als bedeutendes sprachliches Textdokument des Frühneuhochdeutschen gilt die Luther-Bibel (1541). Sie ist dem heutigen Deutschen schon recht nah, unterscheidet sich gleichwohl noch deutlich von diesem, vor allem in der Schreibung.[ 24 ]
Die folgenden Jahrhunderte, die durch die Periodenbezeichnung Neuhochdeutsch (1650–1945) erfasst werden, sind weniger durch sprachliche Neuerungen, sondern vor allem durch zunehmende Sprachbeschreibungen und Normierungen gekennzeichnet. Während bis in die Neuzeit hinein die verschiedenen Territorialsprachen weitgehend gleichberechtigt nebeneinander stehen und unterschiedliche Schreibungen verwendet werden, kommt es nun zur weitergehenden Herausbildung einer übergreifenden schriftlichen Standardsprache. Es entsteht eine Ausgleichsform, die vor allem durch die hochdeutsche Lautentwicklung geprägt ist. Tatsächlich vereinheitlicht wird die Schreibung aber erst zu Beginn des 20. Jh.[ 25 ]
1663 verfasst Justus Georg Schottelius eine erste „Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache“. Im Übergang zum 19. Jahrhundert finden sich weitere Sprachbeschreibungen durch Johann Christoph Adelung sowie Johann Christian Heyse. Einen wesentlichen Beitrag leisten im 19. Jahrhundert die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die neben der bekannten Märchensammlung zur Sprachgeschichtsforschung beitragen (s. Kap. 3), ebenfalls eine Grammatik verfassen (Jacob Grimm 1822–1840) und mit der Arbeit an einem Wörterbuch beginnen. Das „deutsche Wörterbuch“ der Brüder Grimm wird erst 1960 beendet. Es umfasst 16 Bände (in 32 Teilbänden) und ist bis heute das umfangreichste Wörterbuch, das es für das Deutsche gibt (s. Kap. 5.4).
Mit der Bezeichnung „heutiges Deutsch“ oder „Deutsch von heute“ bezieht man sich auf die deutsche Standardsprache nach 1945 oder 1950. Zu den Tendenzen, die als charakteristisch für das moderne Deutsch angesehen werden, gehören die Kurzwortbildung (z. B. DAAD, DFG, SMS), vor allem aber eine große Zahl von Wortübernahmen aus dem Englischen, sog. Anglizismen, insbesondere im Bereich der Computertechnik und Neuen Medien (z. B. Computer, Server, Internet, Web, Link, Email). Da viele der englischen Wörter ihrerseits ursprünglich auf das Lateinische zurückgehen, wird manchmal auch von einer „vierten lateinischen Welle“ im heutigen Deutschen gesprochen, die sich eher indirekt, über den Import von englischen Wörtern mit lateinischen Wortstämmen, vollzieht.
Sprachwandel ist eng mit Variation verbunden. Erscheinungen, die zunächst auf bestimmte Varietäten beschränkt sind, setzen sich dann für die gesamte Sprachgemeinschaft durch. Die Sprache kann sich im Verlauf der Zeit auf diese Weise stark verändern. So trug die von Adelung verfasste Grammatik beispielsweise den Titel „Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache“. Der Ausdruck „umständlich“ entspricht dem heutigen Wort „umfassend“ – ein Beispiel für Sprachwandel. Lexikalische Veränderungen geschehen vergleichsweise schnell. Grammatikalische Veränderungen ziehen sich demgegenüber oft über Jahrhunderte hin. So kann ein bestimmtes Wort auch seine „eigentliche“ Bedeutung vollständig verlieren und zu einem grammatischen Hilfsmittel werden. Einen solchen Prozess nennt man Grammatikalisierung (vgl. Kap. 8.4). Historische und aktuelle Tendenzen der Grammatikalisierung im Deutschen, u. a. die Entstehung des bestimmten und unbestimmten Artikels und der Präteritumsendung -te (z. B. sagte, arbeitete etc.), die sich aus dem Verb tun entwickelt hat, bespricht Szczepaniak (2011).
Viele ältere Texte des Deutschen sind bis heute noch relativ gut verständlich. Einige Beispiele finden sich in den Übungen im digitalen Begleitmaterial. Wichtige sprachhistorische Veränderungen der deutschen Sprache fasst Tab. 5 zusammen. Verschiedene dieser Entwicklungen haben sich – in jeweils eigenständigen Ausprägungen – auch in anderen verwandten Sprachen vollzogen.
Tab. 5: Periodisierung nach sprachlichen Kriterien [ 26 ]
a) Akzent auf Stammsilbe
b) Erste Lautverschiebung
c) Entstehung bzw. Systematisierung des Vokalwechsels bei unregelmäßigen Verben
a) Entstehung der Umlaute, z. B. /y/ = ü
b) weiterer Typus unregelmäßiger Verben
a) Zweite Lautverschiebung
b) mehrteilige Verbformen
c) Entstehung des Artikels und Subjektpronomens
d) erste, einfache Verschriftungen
a) Rückgang klingender Vokale im Wortauslaut und in unbetonten Silben (Abschwächung oder Schwund)
b) Subjekt wird obligatorisch
c) Artikelgebrauch wird fest
d) Verschriftlichung weitgehend lautentsprechend
a) Vokale in bestimmten Silben werden lang
b) weitere Abschwächung der e-Laute
c) Verfestigung der Diphthonge ai / eu / au
d) viele Veränderungen in Verbformen und Substantivformen
e) Verbformen im Satz bilden eine Klammer
f) Differenzierung des Schreibens nach semantischen und grammatischen Gesichtspunkten
Für die Fremd- und Zweitsprachendidaktik des Deutschen stellt sich ausgehend von der Vielfalt seiner Auftretensformen die Frage, „welches Deutsch“ im Unterricht gelehrt werden soll:
„Ein grundlegendes Ziel des DaF-Unterrichts sollte das Bewusstmachen der Tatsache sein, dass die deutsche Sprache uneinheitlich ist und dass Varietäten und Stile des Deutschen sich nicht nur strukturell, sondern auch funktional deutlich voneinander unterscheiden.“ (Spiekermann 2010, S. 355)
Die verschiedenen Varianten des Deutschen werden – gemäß dem „DACH(L)“ [ 27 ]-Prinzip – in vielen Lehrbüchern mittlerweile angesprochen. Zudem finden sich für einige DaF-Lehrwerke regionale Ausgaben für Österreich und die Schweiz. Auch eine Beschäftigung mit den verschiedenen Varietäten ist in der Fremdsprachenlehre vorgesehen. Dabei ist man einerseits an den Dialekten interessiert, vor allem auch aus landeskundlicher Perspektive. Aber auch andere Formen der sozialen Variation gelangen in den Blick, um die Lernenden zum Nachdenken über hörerangemessene Sprechweisen in verschiedenen sozialen Situationen anzuregen. Zum Teil werden Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache sowie zwischen formellem und informellem Schreiben in diesem Zusammenhang angesprochen. Ein beliebtes Thema ist auch die Jugendsprache (vgl. Neuland 2010). Spiekermann (2018) beurteilt die Berücksichtigung der „inneren Mehrsprachigkeit“ in der Lehre des Deutschen als Fremdsprache allerdings immer noch als unzureichend.
Für den schulischen Unterricht des Deutschen als Erst- und Zweitsprache wird gefordert, das Bewusstsein der „inneren Mehrsprachigkeit“ mit dem der „äußeren Mehrsprachigkeit“ zu verbinden und die Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler als Teil der inländischen Sprachenvielfalt anzusprechen.[ 28 ] Hintergrundanalysen, Unterrichtskonzepte, Methoden und Materialien der Mehrsprachigkeitsdidaktik werden in Dirim / Oomen-Welke (2013) dargestellt. Über Deutsch als Zweitsprache in einer Dialektumgebung informieren Hentschel / Werlen (2007).[ 29 ]
Sprachgenealogische und sprachhistorische Aspekte gelangen bislang vor allem in Sprachlehrkonzepten in den Blick, die das Deutsche im Kontext anderer germanischer Sprachen thematisieren. Dabei zielt man auf die Erweiterung der Interkomprehension, d. h. der wechselseitigen Verständlichkeit von Sprachen, ab. Den bislang umfassendsten Ansatz für die germanischen, romanischen und slawischen Sprachgruppen bietet hier das Projekt EUROCOM. Genutzt wird das Lehrverfahren der „sieben Siebe“, das von lexikalischen Gemeinsamkeiten ausgeht und in verschiedenen Schritten Lautunterschiede und strukturelle Unterschiede zwischen den Sprachen erarbeitet. Für die germanischen Sprachen haben Hufeisen / Marx (2014) dieses Programm in ein Lehrbuch umgesetzt. Ausgehend vom Deutschen erfolgt die Einführung in die Sprachen Dänisch, Isländisch, Niederländisch, Norwegisch und Schwedisch. Der Interkomprehensionsansatz hat z. T. auch ersten Eingang in die Entwicklung von schulischen Lehrmaterialien gefunden.[ 30 ]
[ 1 ]Die Zahlenangabe 92 Millionen stammt aus Crystal (2010), Cambridge Encyclopedia of Language. Die Zahlen beziehen sich auf die Verbreitung der Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Haarmann (1993) gibt die Sprecherzahl mit 123 Millionen, Austin (2008) mit 128 Millionen an. Unterschiede ergeben sich durch den Einbezug von Auslandsvarietäten und der generellen Problematik der Sprachen- und Sprecherzählung, s. Kap. 1.
[ 2 ]Kontinental betrachtet, ist das Russische natürlich die Sprache mit den meisten Sprechern.
[ 3 ]Zur Funktion einer (europäischen) „lingua franca“ vgl. Weinrich (2003).
[ 4 ]Zahlen nach Haarmann (2000).
[ 5 ]Das süddeutsche Wort Geiß für Ziege existiert im schweizerischen Deutsch nur in der Schreibung mit <ss> statt <ß>.
[ 6 ]Die beiden Begriffe werden teils synonym, teils in Abgrenzung verwendet; zur Begriffsgeschichte und verschiedenen theoretischen Auffassungen s. Sinner 2014, S. 11 ff.
[ 7 ](Online: www.bild.de/ratgeber/2013/jugendlicher/jugendwort-des-jahres-2013-quiz-bist-du-babo-oder-harzt-du-lieber-beim-niveaulimbo-33546826.bild.html)
Einen „Schulhof-Test“ der Spiegel-Redaktion im selben Jahr haben viele der in entsprechenden Lexika aufgeführten Begriffe allerdings nicht überstanden. (Online: www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/jugendwort-des-jahres-babo-im-schulhof-test-a-935468.html).
[ 8 ]Pons Wörterbuch der Jugendsprache (2015). Stuttgart: Pons.
[ 9 ]Benrath ist eine Kleinstadt in der Nähe von Düsseldorf.
[ 10 ]S. unter anderem Lyons, John (61984, S. 36). Neuere Forschungen weisen allerdings auf zunehmende Auseinanderentwicklung des Dialektkontinuums aufgrund von Anpassungen an die nationalen Standardsprachen hin (vgl. Schmidt / Herrgen 2011, Niebaum / Macha 2014).
[ 11 ]Die Schreibweise Bayern / bayrisch ist für das Land als politischen Zusammenhang eingeführt worden, Sprachwissenschaftler halten sich an die ursprüngliche Schreibung mit <i>.
[ 12 ]Einige exemplarische Auszüge aus Lehrplänen sind in Niebaum / Macha (2014) abgedruckt.
[ 13 ]Das Altindische ist überliefert in den brahmanischen Veda-Texten und im Sanskrit, einer Kunstsprache der klassischen altindischen Literatur und Wissenschaft. Im 4. Jh. n.Chr. wurde es in Regeln gefasst.
[ 14 ]Der Begriff „indogermanische Sprachen“ findet sich meist in älteren Texten, zudem in der Bezeichnung der historisch vergleichenden Wissenschaft als „Indogermanistik“. Er wurde von Friedrich Schlegel eingeführt (s. Kap. 3). Heute wird der (von Franz Bopp geprägte) Terminus „indoeuropäisch“ bevorzugt, da er die regionale Konzentration der Sprachen auf den Großraum Europa besser erfasst.
[ 15 ]Die russischen und bulgarischen Wörter wurden aus der kyrillischen Schrift in die lateinische Schrift transliteriert (= in deren Buchstaben übertragen).
[ 16 ]Tabelle verändert nach Störig (1987, S. 72) und Bodmer (1997, S. 463 ff.).
[ 17 ]Vgl. Stedje (2007). Gut lesbar ist auch Harald Wieses „Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache“ (2007).
[ 18 ]Die griechische Vorsilbe proto- wird meist auf historisch Früheres, Anfängliches bezogen.
[ 19 ]„Vorsilbe“ ist eine phonologische Kategorie; funktional handelt es sich um Morpheme, vgl. Kap. 7.
[ 20 ]Zum Begriff Wortfamilie vgl. Kap. 6.
[ 21 ]Die heutige Schreibweise „Bayern“ stammt aus dem Jahr 1825. König Ludwig I. wollte das griechisch wirkende <y> im Landesnamen haben, entsprechend dem herrschenden Trend zu klassizistischen Symbolen.
[ 22 ]Das Werk ist in verschiedenen Handschriften überliefert und wurde später in einer gekürzten Fassung auch gedruckt. Ein Titel ist nicht überliefert, es ist nur als „liber in vulgaro“ (Buch in Umgangssprache) bekannt. Die Bezeichnung „Meister Jörg“ nimmt nicht auf den Verfasser, sondern auf eine Figur Bezug, die in einer kürzeren Passage erwähnt wird und in der, so vermutet man, ein gewisser Georg von Nürnberg seine Sprachschule bewirbt. Dem Lehrbuch liegen ältere mündliche Lehrtraditionen zugrunde, die hier schriftlich gesammelt wurden, möglicherweise über einen längeren Entstehungszeitraum hinweg (s. Glück 2002, Glück/Morcinek 2006).
[ 23 ]Zur Geschichte des Deutschen als Fremdsprache vgl. Glück/Pörzgen 2009.
[ 24 ]Verschiedene digitalisierte Fassungen, die einen Einblick erlauben, werden auf den Webseiten der Bayerischen Staatsbibliothek bereitgestellt (s. Internet-Einstiege).
[ 25 ]Erste staatliche Normierungen der deutschen Orthographie finden sich gegen Ende des 19. Jh. Die heute gültigen orthographischen Regeln wurden auf der Wiener Konferenz 1996 beschlossen und traten im Rahmen einer umstrittenen Rechtschreibreform am 1.8.2006 endgültig in Kraft.
[ 26 ]Es handelt sich um eine reduzierte und vereinfachte Wiedergabe von Tab. 2 aus Nübling (32017, S. 6).
[ 27 ]Die Abkürzungen stehen für die Hauptzentren der Sprache (D für Deutschland, A für Österreich, CH für die Schweiz). L bezieht sich abwechselnd auf die Nebenzentren Luxemburg oder Liechtenstein, manchmal wird auch die Bezeichnung DACH(LL) gewählt.
[ 28 ]Entsprechende Materialien bietet z. B. die Broschüre „Österreichisches Deutsch als Unterrichts- und Bildungssprache“ des Bildungsministeriums (s. Internet-Einstiege).
[ 29 ]Hentschel, Elke / Werlen, Iwar (Hgg.), Deutsch als Fremdsprache in Dialektumgebung. In: Linguistik online Bd. 32, Nr. 3 (2007), (bop.unibe.ch/linguistik-online/issue/view/152).
[ 30 ]Siehe z. B. Bär (2009) zu den romanischen Sprachen.