DaF oder DaM?
Das folgende Erpresserschreiben (Seiffert 2010, S. 14) weist einige Auffälligkeiten auf.
Analysieren Sie das Schreiben im Blick auf die vorkommenden Sprechhandlungen und Prozeduren.
Handelt es sich Ihrer Meinung nach um einen deutschen oder ausländischen Schreiber?
Begründen Sie ihre Meinung.
Erpresserschreiben
Ich kennen ihre Geheimnis. Wen Sie nicht wolen, das alle Läute in Zeitung werden lesen von ihre Affäre sie mussen erfullen mein Forderung. Sie muss legen 6000 Euro an Bushaltestellte Kayserstrase an Dienstag 21 Uhr. Wenn Sie nicht das tun, alle werden erfaren von, Sie sind Ehebrecher! Kein Polizei!
Der Text weist in der Orthographie, Morphologie und Syntax zahlreiche Abweichungen auf, die auf einen fremdsprachigen Schreiber mit geringen Sprachkompetenzen im Deutschen zu deuten scheinen: es findet sich u. a. keine Doppelschreibung von Konsonanten (wenn, wollen), Umlaute (mussen, erfullen) und das Dehnungs-h fehlen (erfaren), die Verbmorphologie ist inkorrekt (ich kennen), es findet sich keine Satzklammer (mussen erfullen, muss legen) und keine Verbzweitstellung in den Hauptsätzen der Konditionalgefüge (wenn …, sie mussen). Andererseits zeigen andere Wörter, dass der Schreiber die Umlaute beherrscht (Affäre), die Konsonantenverdopplung zur Kennzeichnung kurzer Vokale (kennen, mussen, erfullen, wenn) und Schreibungen wie die groß geschriebene Anrede „Sie“ kennt. Zudem beherrscht er Präpositionalphrasen (von ihre Affäre, an Bushaltestelle) und komplexe Nebensatzkonstruktionen (wenn …, dass …, …).
Das Schreiben ist ein Verstellungsversuch: Es handelt sich bei dem Verfasser um einen muttersprachlichen Schreiber, der sich als Fremdsprachensprecher ausgeben möchte.