18.1 Forschungsfelder und Praxisbezüge
18.2.2 Sprachdidaktik, Sprachlehr- / Sprachlernforschung
18.2.3 Aufgabenbereich Alphabetisierung
18.3 Diagnose und Therapie von Sprech- und Sprachstörungen
18.4 Sprach- und Kommunikationsberatung
18.4.3 Textoptimierung, Technische Dokumentation, Schreibberatung
18.4.4 Sprachtrainings, Kommunikationstraining
Was kann man mit Linguistik beruflich anfangen? In den verschiedenen Kapiteln dieses Buches finden sich bereits einige Beispiele für Anwendungsbereiche, in denen linguistisches Wissen erforderlich ist. Im Folgenden wollen wir einige Arbeitsfelder kurz vorstellen, denen eigene linguistische Unterdisziplinen und Ansätze entsprechen.
In vielen Fällen ergeben sich linguistische Untersuchungen direkt aus der Anknüpfung an Fragestellungen aus der gesellschaftlichen Praxis. Man bezeichnet eine solche Ausrichtung als „Angewandte Linguistik“. Entsprechend versteht sich die Angewandte Linguistik als
„eine Disziplin, die sich mit der Beschreibung, Erklärung und Lösung von lebens- und gesellschaftspraktischen Problemen in den Bereichen von Sprache und Kommunikation befasst“.[ 1 ]
Die Anbindung an die Praxis kann dabei mehr oder weniger eng sein. So sind einige Arbeiten stärker auf Beschreibung und Erklärung hin ausgerichtet; sie versuchen, Problemursachen durch empirische Forschung zu klären. Andere Arbeiten verstehen sich sogar als Vorbereitung einer Implementierung von Lösungsvorschlägen in die Praxis. Den verschiedenen Arbeitsbereichen Angewandter Linguistik entsprechen zum Teil eigene Berufsfelder (Becker-Mrotzek / Brünner / Coelfen 2000).
Die Sprachlehre als Anwendungsfeld linguistischer Erkenntnisse, die auch in unserem Buch oft angesprochen wird, bildete bereits früh einen Praxisbezugspunkt der Angewandten Linguistik. Grundsätzlich stellen sich in diesem Zusammenhang die Fragen, durch welche Besonderheiten Spracherwerbsprozesse in bestimmten Lebensabschnitten und unter verschiedenen Umständen gekennzeichnet sind und wie man sie einleiten und unterstützen kann.
Die Spracherwerbsforschung (Erstsprach- und Zweitspracherwerbsforschung) konzentriert sich auf die Formen des Sprachlernens, die vor und außerhalb von Unterricht durch den Kontakt mit der Umgebung zustande kommen. In einigen linguistischen Arbeiten wird terminologisch zwischen Erwerben und Lernen differenziert. „Erwerben“ bezeichnet dann die Aneignung einer Sprache ohne, „Lernen“ demgegenüber die Aneignung von Sprache mit Hilfe von formalen Lehrverfahren. Zumeist wird „Erwerb“ aber als Oberbegriff verwendet und es wird zwischen einem durch Unterricht gesteuerten Spracherwerb und einem ungesteuerten Spracherwerb unterschieden, der allein durch Interaktion mit den Sprechern einer Sprache geschieht.[ 2 ]
Im Erstspracherwerb (kurz L1-Erwerb) werden in den ersten Lebensjahren verschiedene Entwicklungsphasen durchlaufen: [ 3 ]
In den Grundzügen, d. h. vor allem in Bezug auf Phonologie, Syntax und Morphologie, gilt der Erstspracherwerb im Schuleintrittsalter von 6 Jahren, spätestens im Alter von rund 10 bis 12 Jahren als weitgehend abgeschlossen. Anders stellt sich der Bereich des Lexikons dar: Da sich der Wortschatz stetig erweitert, ist der Erstspracherwerb hier ein prinzipiell lebenslang andauernder Prozess.
Bei dem Erwerb weiterer Sprachen unterscheidet man zwischen einem konsekutiven, auf den Erstspracherwerb folgenden Zweitspracherwerb, und einem parallelen Zweitspracherwerb im Kindesalter. Letzterer wird auch als „früher Zweitspracherwerb“ bezeichnet; dabei setzt man ein Lebensalter von 3–4 Jahren an.[ 4 ] Bei einem noch früheren Kontakt mit zwei oder mehr Sprachen in der Familienkommunikation wird meist die Bezeichnung „bilingualer Erstspracherwerb“ gewählt (vgl. Kap. 1, ausführlicher s. Harr / Liedke / Riehl (2018)).
Gerade im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit ist es wichtig zu wissen, dass ein grammatischer oder lexikalischer Fehler u. U. als Lernfortschritt zu werten ist. So ist z. B. die Bildung von Formen wie „gehte“ in der Kindersprache ein normales Durchgangsstadium, auch bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache (vgl. Kap. 3). Auch für den Zweitspracherwerb geht man von aufeinander folgenden Erwerbsstadien aus, die sich im Rahmen einer Profilanalyse erheben lassen.[ 5 ] Zudem wird die Relevanz der Erstsprache für den Zweitspracherwerb sowie für die allgemeine kognitive Entwicklung hervorgehoben; sie begründet eine schulische Förderung auch der Familiensprachen.[ 6 ]
Zur Feststellung eines erreichten Sprachstands im Kindergarten- und Schulalter sind verschiedene Verfahren entwickelt worden. Ein Überblick über Verfahren im Lehrbereich Deutsch als Zweitsprache findet sich bei Ehlich et al. (2005) und Harr / Liedke / Riehl (2018). Zudem wurde ein sog. Referenzrahmen zur altersspezifischen Sprachaneignung entwickelt (Ehlich / Bredel / Reich 2008).
Zum ungesteuerten Erwerb des Deutschen als Zweitsprache im Erwachsenenalter wurden mit dem „Heidelberger Projekt Pidgin-Deutsch“ (HPD) (Dittmar / Rieck 1976) und dem Projekt „Zweitspracherwerb italienischer und spanischer Arbeiter“ (ZISA) (Clahsen / Meisel / Pienemann 1983) zwei breit angelegte Studien durchgeführt, die den Erwerbserfolg mit sozialstatistischen Daten in Verbindung brachten.[ 7 ] Sie wiesen den Kontakt mit der deutschen Sprache in der Freizeit als wichtigsten Erwerbsfaktor auf; zugleich zeigten sich individuelle Unterschiede.
Für den Sprachlehrprozess ist es wichtig zu erkennen, an welchen Punkten Lernprozesse im ungesteuerten Spracherwerb abgebrochen wurden. In vielen Fällen, in denen vorhandene Sprachkenntnisse zur Deckung der wichtigsten lebenspraktischen Bedürfnisse auszureichen scheinen, haben sich Fehler durch häufigen Gebrauch verfestigt. In diesem Zusammenhang spricht man von einer Fossilierung: Der Sprachstand ist in einem bestimmten Stadium „versteinert“. Fossilierungen bringen besondere Anforderungen für den Sprachunterricht mit sich, denn sie müssen erst bewusst gemacht und „aufgebrochen“ werden, bevor es zu einem weiteren Erwerb kommen kann. Transkript ((Ts10)
„Zypern“) gibt einen Einblick in die Sprechweise eines Sprechers, der Deutsch ungesteuert erworben hat und zum Zeitpunkt der Aufnahme seit rund 15 Jahren in Deutschland lebt. Die literarische Umschrift erfasst einige Aussprachebesonderheiten, die auf seine Erstsprache Griechisch zurückgeführt werden können (z. B. Menß [ 8 ] statt Mensch, zu Weispiel statt zum Beispiel). Feststellen lassen sich zudem Abweichungen in der morphologischen Dimension, z. B. falsche Genuszuweisungen (die dreizehnte Mai, eine griechische Teil) und eine Neutralisierung der Artikelformen zu de (de Zypa-Problem, de Hälfte, de Turke). Syntaktisch fällt die Mehrfachbesetzung des Vorfelds auf (zu Weispiel ich bin Griechen). Zugleich zeigt der Ausschnitt, dass der Sprecher praktische Handlungskompetenz im Deutschen entwickelt hat. Die von ihm verwendete Lernerstrategie im Umgang mit Problemen fremdsprachlichen Handelns ist die Beispielnennung, die sich in seiner Lernersprache zu einer Floskel (zum Beispiel) verfestigt hat.
Transkript ((Ts11)
„Elternsprechtag“) zeigt zum Vergleich eine Sprachprobe seines 11-jährigen Sohns, der in Deutschland geboren wurde und das Deutsche nach und neben der Familiensprache Griechisch erworben hat (es liegt also ein so genannter „paralleler Zweitspracherwerb“ vor). In vielen Handlungssituationen wird der 11-Jährige ebenso wie die 13-jährige Tochter der Familie als Sprachmittler eingesetzt – eine Konstellation, die für viele Migrantenfamilien typisch ist.
Gut untersucht sind sprachliche Veränderungsprozesse im Blick auf die russlanddeutschen Aussiedlerfamilien (Berend 1998, Meng 2001, Reitemeier 2006). Der Vergleich verschiedener Generationen (Kinder, Eltern, Großeltern und Urgroßeltern) weist auf charakteristische Unterschiede in den Zielen, Stategien und Ergebnissen der sprachlichen Anpassung und auf die Dynamik innerfamiliärer Ausgleichsprozesse hin (Meng 2001).
Die Sprachdidaktik befasst sich mit der Planung von sprachlichen Lernprozessen. Sie bezieht sich auf das Arbeitsfeld Unterricht; neben der Linguistik ist daher auch die Pädagogik eine wichtige Bezugsdisziplin. Aufgabe der Sprachdidaktik ist es, zu einer (wissenschaftlich) begründeten Entscheidung über Lerninhalte des Sprachunterrichts zu kommen. Solche Entscheidungen sind durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt und werden in Rahmencurricula und Lehrplänen verankert.[ 9 ]
Der Begriff Lehrplan wird zumeist im schulischen Umfeld verwendet und bezeichnet ein Curriculum, das auf bestimmte Lernergruppen (z. B. altersdifferenzierte Schulklassen), Lernumstände (Stundenzahl) und Lerninhalte zugeschnitten ist. Die Lehrpläne für den Unterricht des Deutschen als Erstsprache sind für die einzelnen Bundesländer konzipiert und z. T. – auch in ihrer grammatischen Terminologie – unterschiedlich. Für Deutsch als Zweitsprache in der Schule haben bislang erst einige Bundesländer Lehrpläne formuliert, zumeist auf Grundlage des in Bayern entwickelten Lehrplans.
Für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache bildet der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen“ (GER) ein übergreifendes Rahmencurriculum, das im fremd- und zweit-sprachlichen Unterricht der meisten europäischen Länder, so auch in Deutschland, umgesetzt wird.[ 10 ] Der GER bietet eine Skalierung verschiedener Stufen der Sprachbeherrschung, die als A1, A2, B1, B2, C1 und C2 bezeichnet werden. Die im GER bereitgestellten Skalen umfassen neben allgemeinen Skalierungen zum Lese- und Hörverstehen, Sprechen und Schreiben Skalen für spezifische Kompetenzbereiche (z. B. „informelle Diskussion (unter Freunden), „formelle Diskussion und Besprechungen“, „Transaktionen: Dienstleistungsgespräche“, „Notizen machen“, „Texte verarbeiten“ u.v.m.). Sie sind als „Kann“-Beschreibungen formuliert.
Einen kurzen Einblick in Lernziele verschiedener Niveaustufen gibt Tab. 1.
Tab. 1: Niveaustufenskalierung des GER („Schriftliche Produktion“, Auszug) [ 11 ]
Ausgehend vom GER wurde für den Inlandseinsatz das „Rahmencurriculum für Integrationskurse Deutsch als Zweitsprache“ entwickelt (Goethe-Institut 2007), das verschiedene Handlungsbereiche und Situationen durch Lernzielbeschreibungen erfasst. Es bewegt sich auf den Niveaustufen A1 bis B1 und dient als Grundlage für den „Deutschtest für Zuwanderer“ (DTZ) [ 12 ]. Den rechtlichen Rahmen bildet das so genannte „Zuwanderungsgesetz“ [ 13 ]. Als „ausreichende Sprachkenntnisse“ i.S. des Gesetzes werden Sprachkenntnisse der Niveaustufe B1 betrachtet.[ 14 ] Das Curriculum wurde leicht adaptiert auch als Grundlage für den Deutsch als Zweitsprache-Unterricht in Österreich übernommen.
Eine zwischen Curriculum und Unterricht vermittelnde Rolle spielt das Lehrwerk. In ein Lehrwerk gehen bereits recht weitreichende Entscheidungen ein, die die Ziele, Inhalte und Methoden sowie die zeitliche Planung des Unterrichts betreffen. Moderne Lehrwerke für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sind meist als Lehrwerksverbund konzipiert und umfassen neben einem Kurs- und Arbeitsbuch auch Lernergrammatiken, Glossare und interaktive Multimedia-Anwendungen. Zudem werden auf den Webseiten der Verlage meist viele kostenlose Zusatzmaterialien bereit gestellt. Ein breites Deutschlernangebot im Internet bietet auch die Deutsche Welle. Die verschiedenen Arbeitsbereiche in Lehrbuchverlagen (Autorentätigkeit, Lektorat, Marketing) bilden neben der Sprachlehre klassische Berufsfelder für Germanisten.
Einen Überblick über die Didaktik des Deutschen als Erst- und Zweitsprache bietet das Handbuch „Didaktik der deutschen Sprache“ (Bredel et al. 2003). Über die Diskussion zum schulischen und vorschulischen Zweitsprachenunterricht informieren Ahrenholz / Apeltauer (2006) und Ahrenholz / Welke (2010), eine Einführung gibt auch Jeuk (2010). Allgemeine Grundfragen der Didaktik des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache werden in den verschiedenen Beiträgen des internationalen Handbuchs „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ (Krumm et al. 2010) einführend behandelt. Eine Zusammenführung von Überlegungen zur Disziplinen Erst-, Zweit- und Fremdsprachdidaktik wird gegenwärtig im Rahmen eines Gesamtsprachenkonzepts diskutiert.
Die Sprachlehr- / Sprachlernforschung ist eine Disziplin, die die Sprachdidaktik durch empirische Untersuchungen unterstützt (vgl. Albert / Koster 2002). Ihr Hauptanliegen ist die Erforschung von Sprachlernprozessen mit dem Ziel, den Vermittlungsprozess begründet zu konsolidieren und eine Theorie des gesteuerten Sprachenlernens zu entwickeln. Dabei geht es z. B. um die Fragen, welche Lernstrategien verschiedene Lerner anwenden, um sich bestimmte Inhalte anzueignen, welche Methoden und Lehrerhandlungen den Lernprozess fördern (z. B. im Korrekturverhalten), aber auch um Fragen der Überprüfung von Sprachkenntnissen durch Testverfahren.
Es stellte sich früh heraus, dass gerade die wichtige Frage nach den positiven oder negativen Wirkungen bestimmter Lehrverfahren schwer zu klären ist. Das hängt damit zusammen, dass die Erforschung des Lehrens und Lernens – anders als die naturwissenschaftliche Forschung – nicht die Wiederholbarkeit eines Ergebnisses als Beweis fordern kann.[ 15 ] Empirische Forschung ist aber deshalb nicht sinnlos, denn es gibt bessere und schlechtere Lernmethoden – zum einen für den durchschnittlichen Sprachlerner, zum anderen möchte man auch geeignete Lehr- und Lernmethoden für bestimmte Typen von Sprachlernern, für bestimmte Lerninhalte oder Lernniveaus kennen lernen und ihren Einsatz testen.
In einer literalen, d. h. die Schriftlichkeit stark nutzenden, Gesellschaft wie der deutschen ist die Kenntnis der schriftsprachlichen Handlungsformen Standardwissen, das im Rahmen der schulischen Ausbildung, zunehmend aber auch im Rahmen von Bildungsangeboten für Erwachsene vermittelt wird. Meist spricht man – ausgehend von den „Buchstaben“ – hier von Alphabetisierung; der Begriff wird dabei auch auf nicht-phonographische Schriften angewendet. Der Begriff „Literalität“ (literacy), der ebenfalls oft verwendet wird, bezieht über die Kenntnis der Schrift hinaus auch Wissen um Textformen und Zwecke von Schriftlichkeit mit ein.
International wird der grundständige Analphabetismus z. B. durch die UNESCO bekämpft. Auch linguistische Institutionen wie „SIL international“ widmen sich der Alphabetisierung als wichtigem Aufgabenbereich.
Personen, die keine Schriftkenntnisse haben, sind Analphabeten. Wer im Kindesalter keine Schule besuchen konnte und nie lesen und schreiben gelernt hat, gilt als primärer Analphabet. Im Bereich Deutsch als Zweitsprache sind das rund 14,9 %.[ 16 ] Die Erstalphabetisierung muss in solchen Fällen in der Fremd- bzw. Zweitsprache erfolgen. Sie ist eigentlich Voraussetzung für den Sprachunterricht, wird aber häufig in einen Sprachkurs integriert, was einige Probleme mit sich bringt. Migranten, deren Erstsprachen andere Schriftsysteme aufweisen, die aber in diesen bereits alphabetisiert wurden, werden als „Zweitschriftlerner“ bezeichnet. Im Unterricht dieser Gruppen ist ein kontrastives Vorgehen unter Einbezug der Erstsprachen wichtig.[ 17 ]
Aber auch für die deutsche Bevölkerung existiert das Problem der fehlenden Schreib-Lesefähigkeit.[ 18 ] Man schätzt, dass mindestens 6 % weitgehende Analphabeten sind oder sehr weitgehende Einschränkungen beim Lesen und Schreiben haben. Diese zweite Art von Schriftunkundigkeit nach Schulbesuch (in Deutschland 9 Jahre!) wird als sekundärer Analphabetismus bezeichnet. Von einem funktionalen Analphabetismus spricht man unter dem Aspekt des Zurechtkommens mit gesellschaftlichen Anforderungen. Meist sind einige basale schriftliche Handlungen möglich, was diesen Menschen erlaubt, mehr oder weniger mühsam den Anschein von Lese- und Schreibkompetenz aufrechtzuerhalten. Alphabetisierungskurse für muttersprachliche oder zweitsprachige Personen werden von zahlreichen Einrichtungen, u. a. der Volkshochschule, angeboten und mit staatlichen Mitteln unterstützt.
Verschiedene Disziplinen befassen sich speziell mit der Analyse von Problemen, die im Zusammenhang der sprachlichen Produktion auftreten können. Die Grenzen zwischen ihnen sind fließend; eine gewisse Trennung lässt sich jedoch an den Ursachen und der Schwere der jeweiligen Probleme festmachen, um deren Diagnose und Therapie sie sich bemühen.
Die Sprechwissenschaft befasst sich mit der Bearbeitung von Problemen, wie sie sich im normalen Alltagshandeln für viele Personengruppen in kommunikationsintensiven Berufen stellen. Dazu gehört die häufige Heiserkeit; auch fallen Probleme der Stimmkapazität, des Stimmklangs (Dysphonien), der artikulatorischen Deutlichkeit oder der Koordination von Sprechen und Sprechplanung in ihr Arbeitsfeld; oft auch ein nicht hinreichender Hörerbezug des sprachlichen Handelns (s. Kap. 18.4).
Die Sprachheilpädagogik (Sprachbehindertenpädagogik, Sonderpädagogik) beschäftigt sich insbesondere mit der Aus- und Weiterbildung sprach- oder hörgeschädigter Personen; dies geschieht zum Teil in eigenen Spezialschulen. Die Logopädie befasst sich mit der individuellen Therapie von Sprachstörungen im Kindes- oder im Erwachsenenalter. Die Klinische Linguistik zielt als akademisches Fach auf die Diagnose von Sprach- oder Sprechstörungen, insbesondere von Sprachverlust im Erwachsenenalter, und erforscht Krankheitsbilder und deren Ursachen mit Hilfe empirischer Methoden.
Störungen der Sprachentwicklung und des Sprechvermögens im Kindes- und Erwachsenenalter können unterschiedliche Bereiche des Sprachsystems (Phonologie, Lexik, Grammatik) betreffen. Beim frühkindlichen Spracherwerb kann es eine Sprachentwicklungsverzögerung geben, wenn eine Erwerbsphase verspätet durchlaufen wird. Ab dem Alter von 36 Monaten ist das Bild des normalen Ablaufs nicht mehr so klar, weshalb man von Sprachentwicklungsstörungen redet. Eine Störung kann sich äußern in gehäuften Fehlern bei Flexionsmorphemen oder der Wortstellung (Dysgrammatismus) oder in auffälligen Problemen beim Lesen, Hören und Verstehen von Wörtern und Texten (Dyslexie).
Ein teilweiser oder auch völliger Verlust sprachlicher Fähigkeiten tritt im Erwachsenenalter oft als Folge eines Unfalls oder Schlaganfalls auf. Dabei wird zwischen Störungen des Sprechens und Störungen der Sprache unterschieden.
Unterschieden werden je nach Ursache und Erscheinungsbild motorische und sensorische Aphasien, amnestische Aphasien, Sprachstörungen aufgrund von hirnorganischem Abbau (z. B. bei Demenz) und psychotisch bedingte Sprachstörungen. Die verschiedenen Typen weisen z. T. unterschiedliche Störungsbilder auf. Störungen im Bereich der Grammatik umfassen z. B. entweder eine starke Vereinfachung syntaktischer Strukturen, wobei Funktionswörter und Flexionsformen fehlen und Äußerungen nur aus Ein- bis Drei-Wort-Sätzen bestehen (Agrammatismus), oder zeigen sich in einem äußerst komplexen Satzbau mit zahlreichen nicht rekonstruierbaren Bezügen (Paragrammatismus). Im weiteren Sinne wird auch die sog. Legasthenie („Lese-Rechtschreib-Schwäche“) oft zu den Krankheitsbildern im Bereich der schriftsprachlichen Kompetenz gezählt und therapeutisch behandelt.[ 20 ] Da die Vorstellung einer medizinischen oder psychiatrischen Störung mit guten Argumenten kritisiert wurde,[ 21 ] spricht man seit einiger Zeit vorsichtiger von „Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten“ bestimmter Schüler.
Über sprachtherapeutische Maßnahmen informiert u. a. das 8-bändige „Handbuch der Sprachtherapie“ (Grohnfeldt 1989 ff.). Bislang ist wenig über die entsprechenden Störungs- und Krankheitsbilder bei verschiedenen Sprachtypen (z. B. flektierenden versus isolierenden Sprachen) und bei individueller und kollektiver Mehrsprachigkeit bekannt. In diesem Zusammenhang sind interdisziplinäre Studien erforderlich, die die Fragestellungen der sprachtherapeutischen Disziplinen mit der Kontrastiven Linguistik und der Spracherwerbsforschung in Verbindung bringen.
Viele Tätigkeiten im Rahmen der Angewandten Linguistik betreffen die Beratung von Menschen. Von Sprachberatung spricht man allgemein, wenn Fragen der Sprachverwendung oder auch Sprachnormierung durch Hinzuziehen eines Experten beantwortet werden. Als übergreifender Begriff für eine linguistische Beratung von Institutionen, Wirtschaftsunternehmen und Einzelpersonen wird hingegen zumeist der Ausdruck Kommunikationsberatung gewählt. Kommunikationsberatung umfasst auch Sprachberatung. Oft gehört dazu auch die Analyse von Texten und Diskursen z. B. im Rahmen der Unternehmenskommunikation, bis hin zur praktischen Umsetzung der Ergebnisse in Form von Schreib- oder Kommunikationstrainings.
Das Arbeitsfeld Sprachberatung reicht von Fragen der Normierung und des gezielten Ausbaus von Sprachen bis hin zu Fragen der Vermittlung von Sprachnormen an die Sprachbenutzer. Der umfassendste Ansatz einer Sprachberatung ist die Sprachplanung. Sie geschieht zumeist auf staatlicher Ebene. Unter Sprachplanung versteht man
„die bewusste, absichtliche und methodische Regulierung, Veränderung, Verbesserung und / oder den Ausbau sprachlicher Systeme (und zwar auf allen Ebenen des Sprachsystems: Lautung, Schreibung, Wortschatz, Grammatik etc.)“ (Janich 32011, S. 537)
Dies betrifft Entscheidungen bezüglich der Stellung, die eine Sprache in einer Sprachgemeinschaft einnehmen sollte, also z. B. die Frage, welcher Dialekt die Basis einer übergreifenden Norm (Standardsprache) bilden sollte oder welche Sprache als Nationalsprache eines Staates anerkannt wird. Zudem betrifft die Sprachplanung auch die Verschriftung einer bisher nur mündlich verwendeten Sprache und die Alphabetisierung ihrer Sprecher, den gezielten Ausbau des Lexikons, insbesondere auch im Blick auf den Umgang mit Fremdwörtern sowie die Festschreibung von sprachlichen Normen in Grammatiken, Wörterbüchern etc.
Sprachplanung ist nicht nur für solche Sprachen wichtig, deren Entwicklung aus politischen Gründen nicht konform mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Bedürfnisse z. B. moderner Verwaltung verlaufen ist (vgl. Kap. 1). In einer arbeitsteiligen „Informationsgesellschaft“ ist der Umgang mit Sprache(n) von wirtschaftlicher und bildungspolitischer Bedeutung. So findet Sprachplanung z. B. häufig auch in einzelnen Unternehmen statt und zielt dort auf die Verbesserung der Unternehmenskommunikation, den gemeinsamen Wortschatz der Redakteure oder die Reduktion von Übersetzungskosten. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Terminologiearbeit, d. h. der Ausbau und die Normung von fachwissenschaftlichen Terminologien (Fachwortbeständen).
Die Vermittlung von Sprachnormen an die Benutzer der jeweiligen Sprache geschieht durch Institutionen wie die Schule sowie im Rahmen von Weiterbildungsangeboten. Darüber hinaus gibt es mittlerweile verschiedene Sprachberatungsstellen, die – oft kostenpflichtig – Fragen des korrekten Sprachgebrauchs beantworten.
Als Kommunikationsberatung bezeichnet man eine linguistische Beratung, die über punktuelle Fragen des Sprachgebrauchs hinausgeht. Klassische Einsatzbereiche sind Qualitätssicherungsmaßnahmen in Institutionen der öffentlichen Verwaltung oder Wirtschaftsunternehmen sowie die Beratung und Weiterbildung von Personen insbesondere im Zusammenhang einer beruflichen Umorientierung oder eines Wiedereinstiegs.
Bei einer Kommunikationsberatung können schriftliche oder mündliche Handlungsformen im Vordergrund stehen. Eine umfassende Beratung z. B. von Wirtschaftsunternehmen schließt typischerweise beide Formen mit ein und fokussiert zudem sowohl die unternehmensinterne Kommunikation (die Kommunikation zwischen Mitarbeitern oder Abteilungen eines Unternehmens) als auch die unternehmensexterne Kommunikation (die Kommunikation mit Partnerfirmen oder Kunden). Häufig umfasst die Beratung die Überarbeitung von Texten (Textoptimierung) [ 22 ] oder die Durchführung von Trainingsmaßnahmen.
Der Ablauf einer linguistischen Beratung umfasst mehrere Phasen, die den klinischen Schritten Diagnose und Therapie(vorschlag) entsprechen und bei denen empirische Forschungsmethoden der Linguistik zum Einsatz kommen. Zu Beginn der Beratung steht zunächst die
Das Aufgabenfeld Textoptimierung umfasst die funktions- und adressatengerechte Gestaltung von Texten. Untersucht werden dabei u. a. die jeweils gewählten sprachlichen Handlungen und Handlungsmuster, Verfahren der thematischen Organisation sowie die Versprachlichung der zu vermittelnden Wissensinhalte. Über die verbale Gestaltung hinaus betrifft die Textanalyse auch Visualisierungen durch Abbildungen sowie die graphische Gesamtgestaltung.
Bedarf besteht unter anderem hinsichtlich der Gestaltung von Formularen, z. B. in der Bürger-Verwaltungs-Kommunikation, hinsichtlich der Außendarstellungen eines Unternehmens auf Webseiten, in Werbeanzeigen oder Kundenanschreiben und insbesondere im Bereich der technischen Dokumentation. Unter diesem Begriff erfasst werden Texte, die es mit der Vermarktung technischer Produkte zu tun haben: Bedienungsanleitungen, Produktkataloge, Vertriebs- und Schulungsunterlagen. Ein in diesem Zusammenhang entstandener Beruf ist der technische Redakteur, dessen Aufgabe es ist, zwischen der Perspektive des Technikers, der ein Produkt entwickelt, und der Perspektive der Nutzer dieses Produkts zu vermitteln.
Ein besonderer Schwerpunkt der Textoptimierung ist die Verständlichkeit eines Textes, wobei neben der linguistischen Textanalyse gegebenenfalls auch empirische Rezeptionsforschung betrieben wird, um mögliche Probleme festzustellen, z. B. durch Untersuchung von Augenbewegungen beim Lesen oder von Rezipientenkommentaren („lautes Denken“). Über die Verständlichkeit hinaus betreffen Fragen der Textoptimierung die emotionale Wirkung von Texten oder die Stimmigkeit von Textgestaltung und Selbstbild des Unternehmens. Dabei spielen neben den unmittelbaren Zwecksetzungen des Textes (z. B. Erfüllung einer Zahlungsaufforderung als Zweck eines Mahnschreibens) auch langfristige Aspekte wie die Kundenbindung eine Rolle.
In vielen Fällen umfasst die Sprach- und Kommunikationsberatung auch die Schulung spezifischer Fähig- und Fertigkeiten.
Lese- und Schreibtrainings zielen darauf ab, Texte effektiv rezipieren und selbst angemessen planen und realisieren zu können. Sie richten sich zumeist an spezifische Zielgruppen, z. B. an professionelle Schreiber in der Public-Relations-Abteilung eines Unternehmens oder an Arbeitsuchende, die Bewerbungsschreiben verfassen wollen. Speziell für Studierende sind universitäre Lese- und Schreibkurse entwickelt worden, die sie mit Formen der wissenschaftlichen Darstellung vertraut machen sollen.
Von grundlegender Bedeutung ist dabei, den Betreffenden die Zwecksetzung der von ihnen zu rezipierenden oder zu realisierenden Texte deutlich zu machen.[ 23 ] So sind wissenschaftliche Texte beispielsweise durch eine zugrundeliegende „eristische“ [ 24 ] Struktur gekennzeichnet und umfassen typischerweise außer Erklärungen und Beschreibungen auch die Darstellung von und die Auseinandersetzung mit Erkenntnissen und Positionen. Ihre Zwecksetzung, die argumentative Darstellung von neuem Wissen, bedingt die Wahl bestimmter sprachlicher Handlungsmuster (Assertieren, Begründen) sowie die Auswahl der sprachlichen Mittel. Während journalistische oder populärwissenschaftliche Texte pauschale Aussagen bevorzugen (Wir alle kennen die Situation, dass … / Wissenschaftler haben festgestellt, dass …), erfordert ein wissenschaftlicher Text Nachweise im Blick auf den Geltungsanspruch nicht nur einer sprachlichen Handlung, sondern einer wissenschaftlichen Erkenntnis. In wissenschaftlichen Texten werden daher zumeist deutlich andere Satzkonstruktionen verwendet als z. B. in Bedienungsanleitungen.
Kommunikationstrainings zielen auf die Schulung der mündlichen Kommunikationsfähigkeit ab und und wenden sich an Einzelpersonen, die ihr kommunikatives Handeln verbessern wollen (z. B. als Vorbereitung auf eine Bewerbung, Prüfung oder einen öffentlichen Auftritt), oder an Personengruppen, die in kommunikationsintensiven Berufen tätig sind. Wichtige praktische Zusammenhänge von Kommunikationstrainings sind – neben der Wirtschafts- und Unternehmenskommunikation – die Supervision und Weiterbildung von öffentlichen Beratern, Ärzten und medizinischem Personal, Therapeuten und Lehrkräften.[ 25 ] Die Trainings gehen von der Alltagspraxis der Betroffenen aus, die entsprechend erhoben wird oder für die bereits linguistische Untersuchungen vorliegen.
Häufig thematisierte Situationen in Kommunikationstrainings betreffen Bewerbungsgespräche, Beratungen, Geschäftsverhandlungen, Besprechungen, Verkaufs- und Reklamationsgespräche. Für den Bereich Studium und Universität wurden insbesondere das Referat, die Praxis der Studienberatung sowie die Situation der mündlichen Prüfung in linguistischen Analysen thematisiert und für eine Schulung der Betroffenen aufbereitet.[ 26 ]
Zunehmende Berücksichtigung findet dabei die Bewältigung kultureller Unterschiede, besonders vor dem Hintergrund von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Manche Sprach- und Kommunikationsberatungen umfassen daher eine interkulturelle Beratung (interkulturelle Mediation) sowie entsprechende interkulturelle Trainings. Neben Sprachunterschieden, die Auslöser für interkulturelle Missverständnisse sein können, wird als typisches Merkmal interkultureller Kommunikation die Fremdsprachigkeit mindestens eines der Beteiligten hervorgehoben, die es bei der Einschätzung von Gesprächen oder Texten zu berücksichtigen gilt.
Die Forensische Linguistik beschäftigt sich als Teilgebiet der Angewandten Sprachwissenschaft mit juristischen Aspekten von Kommunikation. Dazu gehört das Interesse, Gesetzestexte für Bürger verständlicher zu gestalten, um die demokratische Teilhabe und eine Mündigkeit der Bürger zu sichern. Auch die Sprache vor Gericht wird in diesem Zusammenhang analysiert und es wird die Frage nach möglichen Benachteiligungen gestellt, die sich z. B. aufgrund von unverständlichen Fragen durch Richter oder Staatsanwälte oder aufgrund einer mangelnden Sprachkompetenz von Klägern, Angeklagten oder Zeugen ergeben können. Besondere Relevanz kommt diesen Momenten zu, wenn das Handeln vor Gericht durch eine mehrsprachige Situation gekennzeichnet ist.
Ein Arbeitsbereich der Forensischen Linguistik ist zudem die Aufklärung von Straftaten; häufig geht es auch um Gutachten, die z. B. vor Gericht herangezogen werden können.[ 27 ] In diesem Zusammenhang stellen sich neben der Frage, ob eine bestimmte sprachliche Handlung als Straftat (z. B. als Beleidigung) zu werten ist, häufig das Problem der Urheberschaft einer sprachlichen Handlung. So wird z. B. ein Erpresseranruf oder -schreiben daraufhin analysiert, auf welchen Personenkreis die verwendeten sprachlichen Mittel schließen lassen, ob es sich bei den Urhebern verschiedener Briefe oder Anrufe um dieselbe Person handelt oder ob ein Text von mehreren Autoren verfasst wurde. Teilbereiche der forensischen Linguistik mit jeweils eigenen Methoden sind
Auch in der Forensischen Linguistik spielt Deutsch als Fremd- und Zweitsprache eine wichtige Rolle, z. B. mit Blick auf die Frage von Identitätsmerkmalen oder im Zusammenhang verstellter Sprechweisen, wenn ein vorgeblich „ausländischer Akzent“ zu analysieren ist.
Verschiedene Anwendungsinteressen der Linguistik haben es speziell mit dem Medium Computer sowie mit dem Internet zu tun. Als eigenständige linguistische Disziplin, die als ihr direktes Bezugsfach die Informatik ansieht, hat sich in diesem Zusammenhang die Computerlinguistik entwickelt (s. einführend Carstensen et al. 2009). Die Computerlinguistik zielt einerseits auf die Linguistik selbst als Anwendungsgebiet ab. Sie will sprachwissenschaftliche Forschung unterstützen, indem sie Hilfsmittel zur automatischen Analyse größerer Sprachkorpora bereitstellt (vgl. Kap. 4).
Ein allgemeineres Interesse der Computerlinguistik betrifft die Entwicklung sprachverarbeitender Systeme sowie die Mensch-Maschine-Kommunikation. Die mit den genannten Anwendungsfeldern verknüpften praktischen Aufgaben sind zahlreich. Zu ihnen gehört z. B.
Im Zusammenhang mit dem Internet gilt ein besonderes Interesse der optimalen Verknüpfung von Inhalten in dem schnell wachsenden und potenziell unbegrenzten Wissenspool.
[ 1 ]Knapp et al. (22011) Angewandte Linguistik, Vorwort, S. XXII. In dem multimedial aufbereiteten Lehrbuch werden die verschiedenen Arbeitsbereiche mit zahlreichen Beispielen und praktischen Übungen aufgegriffen.
[ 2 ]Eine andere Bezeichnung für den ungesteuerten Spracherwerb ist „natürlicher Spracherwerb“; dieser Begriff wird allerdings als missverständlich kritisiert. Auch die Begriffe „gesteuert“ und „ungesteuert“ gelten als problematisch, da einerseits auch im Unterricht „ungesteuertes“ Lernen stattfindet, andererseits auch in der alltäglichen Interaktion Sprachvermittlungsprozesse aufweisbar sind.
[ 3 ]Zur Sprachentwicklung des Kindes s. ausführlicher Szagun (2000).
[ 4 ]Vgl. Ahrenholz (2010a).
[ 5 ]Zur Einführung s. Grießhaber, Wilhelm (2017) Die Profilanalyse als Diagnoseinstrument. In: Becker-Mrotzek, Michael / Roth, Hans-Joachim (Hgg.) Sprachliche Bildung – Grundlagen und Handlungsfelder. Münster: Waxmann, S. 221–233.
[ 6 ]Eine Überblicksdarstellung der Diskussion gibt Ahrenholz (2010b), s. auch Harr / Liedke / Riehl (2018).
[ 7 ]Beide Studien fokussierten den Erwerb der deutschen Syntax und nutzten einen generativen Beschreibungsansatz (s. Kap. 3).
[ 8 ]Die literarische Umschrift Menß (statt Mens) wurde gewählt, um eine Verwechslung mit den Wörtern „mens“ (lat. Geist) oder „men‘s“ (engl. der Männer) zu vermeiden.
[ 9 ]Der Begriff „Curriculum“ wird oft mit „Lehrplan“ übersetzt; in der Didaktik findet sich jedoch eine Trennung der beiden Begriffe (vgl. Schmidt 2010).
[ 10 ]Eine deutschsprachige Spezifizierung wurde mit „Profile Deutsch“ vorgelegt (Glaboniat et al. 2005).
[ 11 ]Europarat / Rat für kulturelle Zusammenarbeit (2001) Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Berlin u. a.: Langenscheidt, S. 67.
[ 12 ]Perlmann-Balme, Michaela / Plassmann, Sibylle / Zeidler, Beate (2009) Deutsch-Test für Zuwanderer A2-B1. Prüfungsziele. Testbeschreibung. Berlin: Cornelsen; s. auch Telc-Institut (2009) Deutsch-Test für Zuwanderer A2/B1. Übungstest 1. Frankfurt a.M.: telc GmbH.
[ 13 ]Bundesministerium des Innern (2004) Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern (ZuwandG). In: Bundesgesetzblatt Jg. 2004, Teil I, Nr. 41, ausgegeben zu Bonn am 5. August 2004. Bonn: BMI.
[ 14 ]Bundesministerium des Innern (2004) Verordnung über die Durchführung von Integrationskursen für Ausländer und Spätaussiedler (Integrationskursverordnung – IntV). Vom 13. Dezember 2004. In: Bundesgesetzblatt Jg. 2004, Teil I, Nr. 68, ausgegeben zu Bonn am 17. Dezember 2004. Bonn: BMI.
[ 15 ]Vgl. Edmondson / House (2000).
[ 16 ]Ausgehend von den Teilnehmerzahlen an Alphabetisierungskursen des BAMF (Integrationskursgeschäftsstatistik 2018). Da Analphabetismus häufig als persönlicher Makel aufgefasst wird, den man zu vertuschen sucht, geht man von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus.
[ 17 ]Zu methodischen Verfahren s. Feick, Diana / Pietzuch, Anja / Schramm, Karen (2013) Alphabetisierung für Erwachsene (= dll 15). München: Goethe-Institut / Klett-Langenscheidt.
[ 18 ]S. einführend Schuppener (2010) sowie Roll / Schramm (2010).
[ 19 ]Ausführlicher mit Beispielen dazu Hielscher-Fastabend (2010).
[ 20 ]Ein Handbuch zur Theorie und Praxis dieser Therapie ist Klicpera et al. (2007).
[ 21 ]Jörg Schlee (1976) Legasthenieforschung am Ende? München: Urban & Schwarzenberg.
[ 22 ]Vgl. Antos / Augst (1989).
[ 23 ]Beispielhaft s. Moll (2001).
[ 24 ]Streitend; dialektische Entwicklung eines Gedankens durch Widerspruch.
[ 25 ]Eine Übersicht geben die verschiedenen Beiträge in Brünner / Fiehler / Kindt (2002).
[ 26 ]Siehe u. a. Eßer (1997), Meer (1998), Meer (2003).
[ 27 ]Einen Überblick gibt Schall (2010).